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Ebersberg:Amtsgericht: Verschwundene Markisen sorgen für Verwirrung

Cafe 'Speisezimmer' in München Laim, 2011

Ein Sonnenschutz im Sommer ist recht angenehm. Schlecht nur, wenn dieser plötzlich verschwindet.

(Foto: Stephan Rumpf)

Ein Missverständnis beschert dem Ebersberger Amtsgericht eine kuriosen Fall.

Es soll ja häufiger passieren, dass Dinge einfach so abhanden kommen. Bestens bekannt ist das Beispiel vom einzelnen Socken, den die Waschmaschine "gefressen" hat, wie man dann so schön sagt. Nicht gefressen worden, aber trotzdem verschwunden sind im vergangenen Sommer die Markisen eines Restaurants in Baldham. Mit diesem Fall musste sich nun das Ebersberger Amtsgericht beschäftigen. Angeklagt waren allerdings nicht etwa dreiste Langfinger, sondern der Wirt selbst. Dieser soll die Markisen als gestohlen gemeldet haben, obwohl er sie doch eigentlich nur zur Reparatur gegeben hatte, und obendrein soll er die Montagefirma geprellt haben. Bei der Verhandlung unter dem Vorsitz von Richterin Vera Hörauf stelle sich jedoch bald raus, dass hier ein großes Missverständnis vorliegt - und ein reichlich kurioses noch dazu.

"Unbekannte montieren Markisen von Lokal ab", lautete die Überschrift der Polizeimeldung in der Ebersberger SZ am 11. Juni vergangenen Jahres. Diebe hätten sich demnach an einem Restaurant in Baldham zu schaffen gemacht, wie die Poinger Polizei damals mitteilte. Den Wert der vermeintlichen Beute bezifferten die Beamten auf etwa 3000 Euro. Die Anzeige hatte der Betreiber der Wirtschaft höchstselbst bei der Polizei aufgegeben, als er eines Morgens bemerkte, dass seine Markisen verschwunden waren. Dass diese Behauptung eine Lüge gewesen sei, war nun einer der beiden Anklagepunkte am Ebersberger Amtsgericht. Das zweite, das die Staatsanwaltschaft dem 49-Jährigen vorwarf, war, dass er die Reparaturkosten für seinen Sonnenschutz in Höhe von rund 2400 Euro nicht bezahlt habe.

Wie es zu diesen Vorwürfen kommen konnte, versuchte der Angeklagte Richterin Hörauf wie folgt klarzumachen: Er habe zu mehreren Firmen Kontakt wegen der Reparaturarbeiten gehabt. Einem dieser Unternehmen habe er schließlich den Auftrag erteilen wollen, den Sonnenschutz auszutauschen. Die zu diesem Zweck verfasste E-Mail allerdings habe er aus Versehen an eine der anderen Firmen geschickt. Als er nun wenige Tage später feststellen musste, dass seine Markisen weg waren, seien seine Nachforschungen entsprechend erfolglos geblieben, denn bei der vermeintlichen Montagefirma wusste man natürlich nichts von einem Auftrag. Alles recht verwirrend, wie auch Richterin Hörauf feststellte: "Das sollen wir Ihnen jetzt glauben? Das klingt ja hanebüchen."

Dass die ganze Sache tatsächlich außerordentlich kurios ist, zeigte sich, als der Inhaber der ausführenden Montagefirma in den Zeugenstand gerufen wurde. Dieser hatte ebenfalls Anzeige erstattet, allerdings weil ihm der Wirt die Reparaturkosten schuldig geblieben war. Seine Monteure hätten wie vereinbart die Markisen abgeschraubt und instandgesetzt. Als sie den Sonnenschutz aber wieder anbringen wollten, sei der Restaurantbesitzer nicht mehr zu erreichen gewesen, worauf er sich an die Polizei gewandt habe.

Etwas Licht ins Dunkel brachte damals besagter Zeitungsbericht, den auch der Leiter der Montagefirma gelesen hatte. Dieser meldete sich daraufhin erneut bei den Beamten und klärte auf, dass es sich hier wohl um ein Missverständnis handle. Die Markisen seien keineswegs gestohlen worden, sondern würden in seiner Werkstatt zur Reparatur liegen. Wie sich vor Gericht zeigte, passierte der endgültige Fehler - wohl aufgrund von Sprachbarrieren - in einem persönlichen Gespräch zwischen einem Monteur und dem Wirt. Während der eine dabei offenbar nur von einem Kostenvoranschlag ausgegangen war, verstand es der Firmenvertreter als Auftragsvergabe - und machte sich ans Werk.

Die Reparaturkosten hat der Angeklagte inzwischen bezahlt und die Firma ihre Anzeige entsprechend zurückgenommen. Auch deshalb plädierte der Staatsanwalt dafür, das Verfahren gegen "eine symbolische Geldauflage" einzustellen, diese liegt bei 200 Euro. Sein Restaurant in Baldham hat der Wirt inzwischen übrigens aufgegeben. Dort gibt es nun einen neuen Betreiber, der sich über frisch reparierte Markisen freuen kann.

© SZ vom 24.01.2020/aju
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