Bildung im Landkreis:Plädoyer für die Berufsausbildung

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Bildung im Landkreis: In Poing wird viel gebaut, der Zuzug ist groß - und damit auch der Druck auf die umliegenden Schulen.

In Poing wird viel gebaut, der Zuzug ist groß - und damit auch der Druck auf die umliegenden Schulen.

(Foto: Christian Endt)

Was soll zuerst gebaut werden, das Poinger Gymnasium oder die Berufsschule in Grafing? Unternehmer aus Ebersberg beziehen nun klar Stellung.

Von Franziska Langhammer, Ebersberg

Gymnasium oder Berufsschule? Die Frage, die schon seit längerem immer wieder aufploppt, wenn es um Akademisierung und fehlende Fachkräfte geht, findet derzeit ihren Ausdruck in der Diskussion um zwei Immobilien im Landkreis Ebersberg wieder. Was soll zuerst gebaut werden? Das Gymnasium in Poing, das die überlaufenen Schulen in Vaterstetten und Markt Schwaben entlasten soll, oder die Berufsschule, geplant auf einer Wiese in Grafing-Bahnhof? Für den IHK-Regionalausschuss Ebersberg gibt es darauf nur eine Antwort.

Alle anderen Landkreise in Bayern haben eine Berufsschule - nur Ebersberg nicht. Dieser Satz wird am Donnerstagnachmittag beim Treffen der IHK stetig wiederholt. Vorsitzende Sonja Ziegltrum legt als Beispiel die Konsequenzen für ihr eigenes Unternehmen dar: Azubis, die bei ihr in der Blumenzentrale in Parsdorf in Teilzeit eine Ausbildung machen wollen, kommen regelmäßig im ersten Ausbildungsjahr nicht auf ihre Stunden. Weil sie anderthalb Tage pro Woche in die Berufsschule nach München oder nach Rosenheim pendeln müssen, würden es die wenigsten schaffen, für den verbleibenden halben Tag zurück im Unternehmen zu sein. Der geplante Standort für die Berufsschule sei ideal, so die Vorsitzende: "Es gibt ein Grundstück in Grafing Bahnhof mit hervorragender Anbindung an den ÖPNV, und es gibt Zimmer."

"Wir suchen im Handel, im Dienstleistungsbereich, in der Pflege, im Erziehungsbereich", sagt die Vorsitzende

Gerade mit Blick auf den Fachkräftemangel sei es wichtig, eine Berufsschule im Landkreis zu etablieren. "Wir suchen im Handel, im Dienstleistungsbereich, in der Pflege, im Erziehungsbereich", zählt Ziegltrum auf. Sich für die Berufsschule einzusetzen, sei ein Signal: Auch die Ausbildung sei ein Weg für die Jugendlichen, der erfolgversprechend sein könne. Dieses Vorhaben würde durch eine breite Interessensgemeinschaft bei den Unternehmen unterstützt. "Und wir sind letztlich die, die Gewerbesteuer zahlen", so Ziegltrum.

Als Idee wirft die Vorsitzende zudem in den Raum, beide Projekte zu verwirklichen, indem man Abstriche auf beiden Seiten mache. "Muss jede Schule gleich so groß gebaut werden?", fragt sie und schlägt vor, beispielsweise erst einmal nur für Fachrichtungen wie KFZ-Mechatroniker und einen Zweig ergänzend zur Krankenpflegeschule zu bauen; mit der Zeit könne dies erweitert werden.

Bildung im Landkreis: Der IHK-Regionalausschuss tagt im "Zamworking Space" in Grafing.

Der IHK-Regionalausschuss tagt im "Zamworking Space" in Grafing.

(Foto: Christian Endt)

Eine Unternehmerin aus dem Landkreis erzählt von den Schwierigkeiten, geeignete Azubis zu finden. Was denn eine Berufsschule an dieser Situation verbessern würde? Sonja Ziegltrum erzählt vom so genannten Berufsgrundschuljahr: In diesem können Schulabgänger, die noch nicht so recht wissen, wohin im Leben, Orientierung gewinnen - etwa durch Praktika in regionalen Betrieben. Nicht selten würde daraus dann ein Ausbildungsverhältnis entstehen.

Auch der als Gast anwesende Augustinus Meusel von der Wirtschaftsförderung des Landkreises Ebersberg plädiert dafür, sich für eine Berufsschule stark zu machen: "Eine wichtige Attraktion für manche Schulabgänger ist es, wenn sie wissen: Jawoll, da hab ich nicht so weit." Der Bau des Gymnasiums habe von Seiten der Eltern zahlreiche Fürsprecher; die Berufsschule hingegen weise eine schlechte Lobby auf. "Dabei brauchen die Unternehmen dringend Azubis", so Meusel. Mit Blick auf den stetig wachsenden Anstieg sozialversicherungspflichtiger Jobs im Landkreis heißt es von den anwesenden Vertreterinnen der Agentur für Arbeit: "Wir können den Bau einer Berufsschule nur unterstützen." Es berge großes Potenzial, wenn man die Jugendlichen von Anfang an an den Landkreis binde.

Der Ebersberger Landrat will sich auf keine der beiden Seiten schlagen

Und so beschließen die anwesenden IHK-Mitglieder einstimmig, sich für eine Priorisierung der Berufsschule einzusetzen. "Aus Sicht der regionalen Wirtschaft ist die momentan fehlende Finanzierung durch den Landkreis bei einem so wichtigen Punkt nicht nachvollziehbar", heißt es in dem Positionspapier dazu. Bereits geäußert hat sich zu diesem Beschluss Landrat Robert Niedergesäß (CSU): "Ich freue mich, dass dieses Projekt endlich mehr Aufmerksamkeit und Unterstützung bekommt." Die geplante Berufsschule sei eine zentrale Investition in die Ausbildungsberufe, denn überall würden händeringend Fachkräfte gesucht, so der Landrat weiter. Endgültig auf eine Seite schlagen will er sich jedoch nicht: "Unser Landkreis braucht beide Schulen, und es ist wichtig, dass sich die Menschen dafür einsetzen." Ob nun Gymnasium oder Berufsschule - entscheiden muss darüber letztlich der Kreistag in seiner nächsten Haushaltdebatte.

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