Berufsschule oder Gymnasium:Unguter Schwebezustand

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Die Frage, welche der beiden großen Bildungseinrichtungen, die der Landkreis auf der Agenda hat, zuerst zu bauen ist, muss endlich beantwortet werden.

Kommentar von Wieland Bögel

Ein bisschen ist der Landkreis in der Situation des Fährmanns aus dem berühmten Rätsel: Der sollte einen Wolf, ein Schaf und eine Steige Salat über den Fluss bringen - hatte in seinem Boot aber nur Platz für jeweils eines davon. Die Frage hier ist nun, wie kommen alle ans andere Ufer, ohne dass ein Transportgut das andere aufisst. Dem Landkreis Ebersberg stellt sich gerade die Frage, wie bekommen alle jungen Leute anständige Bildungschancen, wenn doch nur eine der dafür nötigen Schulen in das knapp bemessene Finanz-Boot des Kreises passt.

Braucht es ein fünftes Gymnasium, obwohl es noch keine einzige Berufsschule im Landkreis gibt? Die Frage hat nun der IHK gestellt, aber sie ist nicht neu. Seit gut fünf Jahren ist es im Kreistag Beschlusslage, dass man sich beide Schulprojekte wünscht - genauso lange ist aber auch klar, dass sich nicht beide gleichzeitig umsetzen lassen, ohne die finanzielle Leistungsfähigkeit des Landkreises gefährlich zu überdehnen. Was soll also zuerst ins Boot, und was bleibt zurück, möglicherweise für lange Zeit.

Keine der möglichen Antworten ist unbegründet. Auf der einen Seite stehen die immer voller werdenden Gymnasien, besonders jene in Vaterstetten und Markt Schwaben, auf der anderen die jungen Leute in Ausbildung, die lange Pendeleien in Kauf nehmen müssen - oder sich gleich einen Ausbildungsplatz näher an einer Berufsschule suchen.

Das Rätsel vom Anfang hat natürlich eine trickreiche Lösung - doch auf eine solche kann der Landkreis leider nicht hoffen. Beide Vorhaben "ein bisschen" zu bauen, ist weder ökonomisch - die Kosten bis zum Erreichen des Ziels dürften sich durch eine Häppchen-für-Häppchen-Strategie vervielfachen - noch im Sinne der Pädagogik sinnvoll, die betroffenen Gymnasiasten und Berufsschüler würden quasi auf einer Dauerbaustelle unterrichtet.

Die Politik wird sich für ein Schulprojekt entscheiden müssen, wohl wissend, dass das andere damit auf absehbare Zeit nicht umgesetzt werden kann. Diese Entscheidung ist sicher nicht leicht - aber im Interesse aller sollte sie so bald wie möglich fallen.

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