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DVB-T 2:Warum Münchner Fernsehhändler gerade das Geschäft ihres Lebens machen

Uwe Gerhardt von TV Gerhardt Reparaturen in der Waldfriedhofstraße 89. Umstellung auf DVBT 2.

Ein Viertel mehr Umsatz mit dem Verkauf neuer TV-Geräte macht Uwe Gerhardt momentan in seinem Fachgeschäft in der Waldfriedhofstraße.

(Foto: Florian Peljak)
  • Am 29. März wird DVB-T abgeschaltet, der bisherige Standard im digitalen Antennenfernsehen.
  • Wer sich nicht rechtzeitig um die Umstellung auf DVB-T 2 oder Alternativen kümmert, wird vor einem schwarzen Bildschirm sitzen.
  • Die kleinen Fachhändler in München profitieren stark.

Helmut Hauschild hat jetzt keine Fernseher mehr, also keine von denen, die alle wollen. Nur noch die Vorführgeräte, wer kaufen will, muss warten, vielleicht sogar Wochen. Das sei schon heftig, sagt Hauschild, er verkauft gerade gut ein Viertel, wenn nicht sogar um die Hälfte mehr als üblich in seinem Laden an der Georgenstraße 103 im Norden der Stadt.

"TV Video HiFi Hauschild" steht über dem Schaufenster; er führt eines dieser Geschäfte, bei denen man sich manchmal fragt, wie die neben Saturn und Media Markt bestehen, ob noch genügend Menschen ihren Fernseher zur Reparatur geben, den Kundendienst nach Hause rufen. Doch diese Läden machen gerade jetzt viel Umsatz, dank der nächsten Generation des digitalen Antennenfernsehens: der Umstellung auf DVB-T 2.

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Wer einen Kabelfernseher im Wohnzimmer hat oder eine Satellitenschüssel auf dem Dach, den muss diese Umstellung nicht kümmern, in Hauschilds Geschäft stehen deshalb noch viele Geräte mit Kabelanschluss, "da habe ich kein Problem", sagt er am Telefon. Wer aber digital über Antenne fernsieht, könnte am 29. März vor einem schwarzen Bildschirm sitzen, an diesem Tag wird der bisherige Standard DVB-T abgeschaltet. Viele Sender werden dann nur noch über das neue DVB-T 2 zu empfangen zu sein. Wie viele Haushalte das in München betrifft, ist nicht erhoben, heißt es beim Bayerischen Rundfunk. Die Landesmedienanstalten aber gehen in einem Bericht von etwa 16,5 Prozent in sogenannten Kernregionen aus, also auch im Raum München.

Die kleinen Fachhändler scheinen gefragter zu sein als Media Markt

Bei den großen Elektronikmärkten in der Stadt merken die Verkäufer zwar, dass gerade mehr Leute nach Empfängern fragen, mit denen sie ihre alten Geräte aufrüsten können. "Als Run kann man das aber nicht bezeichnen", sagt eine Sprecherin der Media-Saturn-Gruppe. Vielleicht liegt das daran, dass es mehr Leute braucht, um eine solche Filiale zu füllen als ein Geschäft mit zwei, drei Mitarbeitern. Vielleicht suchen die Kunden aber auch eher Rat beim Fachhandel ums Eck.

Zu Hauschild und anderen Inhabern kommen in diesen Tagen jedenfalls viele unsichere Kunden, die nicht genau wissen, was sie nun tun sollen. Manche kaufen einen neuen Empfänger und rüsten so ihr altes Gerät auf, viele aber entscheiden sich auch gleich für einen Fernseher mit integriertem DVB-T 2. "Ich habe nichts mehr", sagt Hauschild. Und das ist wohl ein Satz, den er sonst nicht oft sagt.

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In den vergangenen Jahren war das Geschäft mit Fernsehern kein leichtes, die Preise der Geräte fielen und fielen, weil die Firmen immer größere Mengen produzierten, der Wettbewerb stark war. 2010 sind in Deutschland etwa neun Millionen Fernseher verkauft worden, in dieser Zeit tauschten viele ihren Röhrenkasten gegen einen flachen Bildschirm. 2015 aber waren es dann nur noch knapp sieben Millionen, die meisten hatten schon ein neues Gerät im Wohnzimmer. Der Preis für einen Fernseher liege heute bei etwa 600 Euro, vor sieben Jahren seien es noch knapp 700 Euro gewesen, heißt es bei der Gesellschaft zur Förderung der Unterhaltungselektronik, gegründet von Unternehmen der Branche. Das macht es gerade den kleinen Händlern schwer, die lange nicht so große Mengen verkaufen wie die Konzerne.

Manche Läden tragen "Video" im Namen, selbst "DVD" würde retro klingen

Viele Inhaber sind zwischen 50 und 60 Jahre alt, sie haben ihre Läden zu einer Zeit gegründet, in der die Münchner Fernseher, Radios und Stereoanlagen noch selbstverständlich zur Reparatur trugen. Manche dieser Läden, wie der von Hauschild, tragen auch heute noch "Video" im Namen. Dabei würde mittlerweile selbst die "DVD" retro klingen.

Drüben im Südosten, auf der anderen Seite der Isar, führt Robert Mayer einen Laden für Fernseher und Reparatur, seit fast 40 Jahren am Mangfallplatz, Hausnummer 10. Zu Beginn hat er noch viele Röhrenfernseher repariert, jetzt verkauft auch er immer mehr neue Geräte, gerade jetzt. Er arbeitet in diesen Tagen doppelt so viel wie sonst, vielleicht sogar das Dreifache, sagt er. Kunden müssten jetzt eine Woche warten, bis er ein Gerät nach Hause liefere, er komme nicht mehr nach.

Im April stehen die Hausbesuche an, dann wird er den Kunden die Sender neu einstellen müssen. Helmut Hauschild drüben im Norden hat deshalb schon etwa 80 Termine ausgemacht, die Stammkunden bevorzugt er, fährt natürlich auch zu denen, die bei Media Markt gekauft haben, er verdient ja. Im Westen der Stadt, an der Waldfriedhofstraße, überlegt Uwe Gerhardt, noch einen älteren Mitarbeiter für die kommenden Wochen dazuzuholen, eigentlich seien sie nur zu zweit, aber er könne seine Kunden doch nicht alleine lassen. "Viele werden die Umstellung erst am 29. März bemerken, das wird der Super-GAU", sagt er. Momentan macht er etwa ein Viertel mehr Umsatz als sonst.

Ruft man beim Schwabinger Fernsehservice Brands am Viktoriaplatz an, entschuldigt sich der Inhaber nur, er habe gerade wirklich keine Zeit. Der Laden sei voll und das schon seit sechs Wochen. Er komme kaum nach.

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