Umweltaktion "Diesen Müll nehme ich nicht mit"

Doris Dörrie sagt, dass sie sich mit ihrer Einstellung zu Plastik bereits in einigen Supermärkten unbeliebt gemacht hat.

(Foto: Robert Haas)

Warum die Regisseurin Doris Dörrie ihre Verpackungen im Supermarkt liegen lässt - und jetzt altes Plastik einsammelt.

Interview von Pia Ratzesberger

Ein Meer aus Plastik soll entstehen, aus Folien und Tüten, mitten in München. Die Regisseurin Doris Dörrie will damit auf den Müll in den Ozeanen aufmerksam machen, von diesem Montag ruft sie dazu auf, Plastik an der Hochschule für Film und Fernsehen abzugeben - zumindest weiches Plastik, das sich gut verarbeiten lässt.

SZ: Frau Dörries, warum sammeln Sie altes Plastik ein?

Doris Dörrie: Weil ich zeigen will, dass wir alle viel zu viel Plastik verbrauchen. Ich sehe das ja an meinen eigenen Verpackungen im gelben Sack - das wird immer mehr. Und es wird immer schwieriger, diesen Müll zu reduzieren. Ich bin in vielen Supermärkten deshalb ziemlich unbeliebt.

Warum das denn?

Weil ich den Müll dort einfach liegen lasse. Ich packe das Gemüse und das Obst dann direkt aus und sage: "Diesen Müll nehme ich nicht mit." Die Kassierer freut das nicht unbedingt, aber gerade wenn ich sehe, dass mittlerweile selbst Biogemüse in Plastik eingeschweißt ist, könnte ich platzen vor Wut.

Sie gehen aber trotzdem immer wieder in die Supermärkte - aus Protest?

Ich gehe natürlich auch auf Märkte, aber ich finde es wichtig, dass sich in den großen Geschäften etwas verändert und man denen zeigt, dass es so nicht weitergehen kann. Noch vor ein paar Jahren stand ich damit oft alleine da. Jetzt kann man die Leute leichter dafür gewinnen.

Woran, glauben Sie, liegt das?

Die Aufmerksamkeit der Leute richtet sich immer punktuell auf eine Sache. Und gerade ist es das Plastik in den Meeren - auch wenn es andere, noch drängendere Punkte gäbe, zum Beispiel die Erderwärmung.

Die Bilder vom Plastik im Meer scheinen die Leute zu berühren.

Das sind auch sehr eindringliche Bilder. Gerade das Mittelmeer war für uns Deutsche immer ein Sehnsuchtsort - die Leute, die dort leben, kennen die Brutalität des Meeres, aber aus der Ferne verklärt man das Wasser. Wahrscheinlich verfangen diese Bilder auch deshalb so sehr. Dabei ist die Vermüllung der Ozeane eigentlich nur das sichtbarste Zeichen, dass wir alle zu viel Plastik verbrauchen.

Sie haben als Bild für Ihre Installation auch das Meer gewählt.

Ich will damit symbolisch das Plastikmeer zeigen, in dem wir uns alle befinden. Und das Plastik ist ja letztendlich auch wieder nur eine Metapher für unsere irrsinnige Verschwendung.

Wie hat sich Ihre Beziehung zum Plastik verändert?

Ich bin noch in einer Prä-Plastik-Zeit aufgewachsen, zumindest hatten wir zu Hause relativ wenig davon. Es gab bei uns zum Beispiel kein Mineralwasser in Plastikflaschen - das kam aus dem Hahn und fertig. Ich hatte außer Lego auch kaum Spielzeug aus Kunststoff. Erst als ich mit 18 Jahren zum Studium in die Vereinigten Staaten ging, kam ich so richtig damit in Berührung. Alles war plötzlich in "plastic wrap" eingepackt, also in Plastikfolie. Das fand ich irre. Es hat dann nicht lange gedauert, bis man auch in Deutschland so viel verpackte. Die Plastifizierung der Welt ging schnell.

Haben Sie die auch auf Ihren vielen Reisen beobachtet?

In Fukushima bekam ich auch noch eine Plastiktüte, wenn ich nur einen schon eingepackten, kleinen Radiergummi gekauft habe. Das ist überall ein Automatismus, ob in China oder in Mexiko. In Spanien stand ich dann vor den Gewächshäusern, in denen unsere Tomaten reifen - und in denen wieder alles mit Plastik überzogen ist.

An einem Filmset wird wahrscheinlich auch viel Plastik verbraucht.

Die Digitalisierung hat geholfen. Früher war jede Filmrolle noch in Plastik eingeschweißt, heute braucht man die nicht mehr. Ich arbeite außerdem in kleinen Teams, das macht es leichter - und Wasser gibt es noch immer nur aus dem Hahn.

Altes Plastik kann von Montag, 1. April, bis Freitag, 5. April, jeweils von 9 bis 18 Uhr an der Information der HFF am Bernd-Eichinger-Platz 1 abgegeben werden. Am 10. April um 17.30 Uhr startet das Häkeln des Plastik-Meeres vor der Hochschule. Die Vernissage "Meer Plastik" beginnt am 10. Juli um 17.30 Uhr.

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