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Dokumentarfilm:Kostproben des Komponisten

War Anton Bruckner ein "verkanntes Genie"? Dieser Frage spürt Reiner E. Moritz nach. Dazu gibt es Klangvolles von den Münchner Philharmonikern unter Valery Gergiev.

Von Klaus Kalchschmid

Filmstil: ABbruckner

Die Münchner Philharmoniker unter Valery Gergiev, gefilmt wurde im Stift St. Florian.

(Foto: Reinhard Winkler/Arsenal Filmverleih)

Filmdokus über Komponisten versuchen stets die Quadratur des Kreises: Das Werk soll angemessen Raum erhalten, darf aber die Erzählung des Lebens nicht dominieren. Der Filmemacher Reiner E. Moritz verwendet viel Musik in seiner Doku über den Komponisten Anton Bruckner: Neben kleineren Orgel- und Chorwerken gibt es in 96 Minuten Filmlaufzeit Kostproben aus allen neun Symphonien mit den Münchner Philharmonikern unter Valery Gergiev. Gefilmt wurde im Stift St. Florian, hat doch Bruckner die Akustik eines Kirchenraums beim Komponieren immer mitgedacht. Dort, wie in Linz und Wien, wirkte er und wurde unter "seiner" Orgel begraben.

Aussagen von Musikwissenschaftlern, Chorleitern und Dirigenten beleuchten seinen Werdegang. Kent Nagano äußert Essentielles zur Symphonik, ohne freilich als Dirigent in Erscheinung treten zu dürfen. Weil auf Kommentare aus dem Off verzichtet wird, rezitiert Burgschauspieler Cornelius Obonya die oft kritischen Zeitungsartikel zu den Uraufführungen. Das historische Bild- und Notenmaterial hat mehr Aussagekraft als die diversen Büsten des Komponisten an Schauplätzen seines Wirkens, die leider oft wie Tourismus-Werbung gefilmt sind. Wer von Bruckner wenig weiß, erfährt einiges und bekommt Lust auf seine Musik; wer ihn schon kennt, lese lieber eine gute Biografie.

Anton Bruckner - Das verkannte Genie, Regie: Reiner E. Moritz

© SZ vom 23.07.2020

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