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Ausstellung:Durch präzise Arbeit zur Eleganz

Bayerischer Kunstgewerbeverein

Seungeun Kim-Liljas wurde für ihren Schmuck mit dem ersten Preis ausgezeichnet. Koloriert mit Wasserfarben erinnert er an Versteinerungen.

(Foto: Bayerischer Kunstgewerbeverein)

Der Preis für Junges Kunsthandwerk zeichnet raffinierte Designideen aus

Von Jürgen Moises

Wenn eine koreanische, in Berlin lebende Schmuck-Designerin das von Frei Otto entworfene Zeltdach im Münchner Olympia-Stadion als Inspiration nennt, klingt das sehr bemerkenswert und überraschend. Man könnte es aber auch eine gewitzte Strategie nennen, wenn sie mit ihrem Schmuck an einem Münchner Wettbewerb teilnimmt - und dann den ersten Preis gewinnt. Gemeint ist der Preis für Junges Kunsthandwerk, den der Bayerische Kunstgewerbeverein seit 2006 ausschreibt. Insgesamt 102 Designer und Kunsthandwerker aus 24 Ländern haben sich in diesem Jahr beteiligt. Eine sechsköpfige Jury hat daraus drei Preisträger, zwei Belobigungen und 13 Finalisten gewählt, konnte die Preise wegen Corona jedoch nicht offiziell verleihen. Da die Galerien wieder offen haben, sind nun zumindest die Arbeiten in der Galerie für Angewandte Kunst zu sehen.

Dass Seungeun Kim-Lilja den mit 3000 Euro dotierten ersten Preis erhalten hat, dürfte aber doch nicht nur an Frei Otto liegen. Schließlich hat die Jury, zu der unter anderem die Galeristin Françoise Heitsch und die Architektin Birte Raff zählten, auch die Transparenz, Einfachheit, Raffinesse und den Humor ihrer Entwürfe gelobt. "Silent Movement" hat die Designerin ihren Halsschmuck und ihre Broschen betitelt, für die sie mit Wasserfarben kolorierte Baumwollgaze durch Silber oder Messing eingefasst hat. Das Ergebnis erinnert an Versteinerungen, Lebewesen, die Jury spricht von "Seegurken". Die Art, wie Kim-Lilja mit Präzision den Eindruck von Zerbrechlichkeit erzielt, kommt der Eleganz von Ottos Zeltdach in der Tat nahe.

Ebenfalls sehr filigran gearbeitet und von Humor geprägt sind die Glasobjekte von Felicitas Fäßler. So an Nägeln an der Wand hängend sehen sie wie rote und weiße Einweckgummis aus. Ein Spiel mit der Wahrnehmung und Bedeutung (geht es um Nachhaltigkeit, Konsum?), für das die Künstlerin aus Mindelheim den mit 2000 Euro dotierten zweiten Preis bekam. Der mit 1000 Euro bedachte dritte Preis ging an die Japanerin Miki Asai, die aus japanischem Lack, gefärbten Papierteilchen, Perlmutt und Gold kleine, an Ketten hängende Fläschchen hergestellt hat. Die bunt schillernde Oberfläche besteht aus kleinen Mosaiken, die aus den Fläschchen einen auffälligen Halsschmuck machen.

Flaschen, Knüpfel, Pümpel. Das sind Assoziationen, welche die Kupfergefäße wecken, für die Yu-Hang Chiang aus Taiwan eine Belobigung erhalten hat. Das Besondere: Die Gefäße haben keinen Boden, ihr "Gebrauch" ist also nur Illusion. Auch für Dagmar Christina Gerke aus Oldenburg gab es eine Belobigung, das heißt: für ihre bunten Glasgefäße mit retrofuturistischer Optik, die an medizinische Schalen oder Science-Fiction erinnern. Jonghwi Baek aus Korea dockt mit ihren Teezeremonie-Gefäßen bei Street-Art und der Skateboard-Kultur an. Und die Tschechin Monika Martykánová hat ein surreales Porzellan-Objekt geschaffen, das sich mit seinen wirbelartigen Strukturen komplett der Nutzbarkeit entzieht.

Der Rest ist Schmuck, ein Baumwollkleid und ein Ständersystem aus Holz gibt es aber ebenfalls in der sehenswerten Ausstellung. Und die Buchbinderin Theresa Wedemeyer hat mit "Der Leuchtturmwärter" gewissermaßen ihre Kindheitsträume realisiert. "Der Leuchtturmwärter" ist eine Gute-Nacht-Geschichte, die ihr der Vater früher erzählt hat. Darin geht es um Gröni, einen sprechenden Wal, der nun der Protagonist eines sensibel illustrierten Kinderbuches ist.

BKV-Preis 2020, bis 23. Mai, Galerie für Angewandte Kunst, Pacellistraße 6-8

© SZ vom 07.05.2020

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