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Stromtrasse im Landkreis Dachau:Mehr Power für die Energiewende

Ein sonniger Tag: Die Windräder stehen still.

(Foto: Toni Heigl)

Um in Zukunft mehr sauberen Strom in die Haushalte zu bringen, will Netzbetreiber Bayernwerk eine Hochspannungsleitung erneuern. Was das für die Region bedeutet.

Strahlende Sonnentage in Odelzhausen und Sulzemoos - die Photovoltaikanlagen arbeiten auf Hochtouren. Sie verwandeln Licht in Strom, vor allem die in Miegersbach liefert große Mengen. Quellen erneuerbarer Energie gibt es im Landkreis einige - auch den Windpark bei Odelzhausen. Doch von den fünf Windrädern neben der Autobahn A 8 drehen sich an Sonnentagen meist nur zwei. Mehr kann das Stromnetz derzeit nicht bewältigen. Dabei könnten auch sie noch mehr Strom erzeugen, bis zu 10 000 Haushalte könnte der Windpark versorgen. Aber das Netz ist überlastet. Es kann nur so viel Strom eingespeist werden, wie auch zum Verbraucher gebracht werden kann. Um das Netz stabil zu halten, müsse man die Stromproduktion deshalb begrenzen, erklärt Christian Martens, Pressesprecher der Bayernwerk Netz GmbH. Um künftig noch mehr Strom aus erneuerbaren Energiequellen transportieren zu können, soll die Hochspannungsleitung zwischen Aichach und Maisach ausgebaut werden. Ein wichtiges Projekt für die Energiewende.

Die Bayernwerk Netz GmbH hat bereits einen Antrag auf Planfeststellung bei der Regierung von Oberbayern gestellt. Das Teilstück im Landkreis Dachau, das durch die Gemeinden Odelzhausen, Erdweg und Sulzemoos führt, soll erneuert werden. Die 110 kV-Leitung, die jetzt in drei Seile aufgespalten auf den Masten liegt, ist nicht mehr zeitgemäß. Früher sei der Strom im Kraftwerk produziert und von dort an die Haushalte verteilt worden, erklärt Martens. Heute müsse das Netz flexibler sein. Denn immer mehr erneuerbarer Strom werde dezentral produziert und eingespeist. Neben der etwa 15 Hektar großen Freiflächenanlage in Miegersbach gibt es noch drei weitere in Sulzemoos, die gemeinsam ebenso groß sind. Außerdem hat nicht nur Odelzhausen Windräder, sondern auch Erdweg hat eines in Buchwald, das sich seit Neuestem nicht mehr nur nachts drehen darf, sondern auch tagsüber. Hinzu kommen immer mehr Solaranlagen auf Dächern. "Wir produzieren das 3,5-fache unseres Verbrauchs", rühmt sich der Bürgermeister von Sulzemoos, Johannes Kneidl. Und auch sein Kollege Markus Trinkl ist stolz, die Energiewende bereits angepackt zu haben: "Trotz vieler Abschaltphasen produzieren wir immer noch deutlich mehr, als wir verbrauchen."

"Wenn man vom Ausbau regenerativer Energiequellen spricht, spricht man auch vom Netzausbau"

Nur wenn die so erzeugte Energie ins Netz aufgenommen werden kann, machen erneuerbare Energien Sinn. Da sind sich alle einig. "Wenn man vom Ausbau regenerativer Energiequellen spricht, spricht man auch vom Netzausbau", sagt Kneidl. "Photovoltaikanlagen oder Windräder wegzuschalten, weil es immer wieder zu Netzengpässen kommt, ist Unsinn. Das will keiner." Seine beiden Kollegen Markus Trinkl aus Odelzhausen und Christian Blatt aus Erdweg sind der gleichen Ansicht. Sie unterstützen den Netzausbau, zumal er auf der bestehenden Route stattfindet. Roderich Zauscher, Kreisvorsitzender des Bundes Naturschutz, fordert sogar noch mehr Mittelspannungsleitungen, damit der Strom besser verteilt werden könne.

Mit simplen technischen Änderungen im Bestand konnte das Bayernwerk der Überlastung nicht Herr werden. Deshalb sollen nun auf der 6,45 Kilometer langen Strecke, die durch den Landkreis Dachau führt, die alten Masten abgebaut und neue, stärkere aufgestellt werden. Sie bekommen ein neues Fundament, denn künftig tragen sie nicht mehr nur drei Seile, sondern sechs. Außerdem werden stärkere Leitungen aufgelegt, erklärt Martens. "Denn Seile mit einem höheren Querschnitt können mehr Energie aufnehmen." So hofft das Bayernwerk, nicht nur für die jetzigen Anforderungen gewappnet zu sein, sondern auch für die Zukunft. "Gewerbebetriebe, E-Tankstellen und neue Wohngebiete verändern die Ansprüche", sagt der Pressesprecher. Die neuen Masten sollen sechs Meter höher sein als die alten. Proteste gegen das Vorhaben des Netzanbieters erwarten die Bürgermeister nicht. Die Hochspannungsleitung liegt weit von der Wohnbebauung entfernt, sagen sie. "Bis jetzt habe ich keine negative Stimmung wahrgenommen", erklärt Kneidl.

Die Stromleitung soll ausgebaut werden.

(Foto: Bayernwerk)

Noch hat das Bayernwerk keine Genehmigung für das Vorhaben. Doch 2022 hofft man, mit dem Bau beginnen zu können. Damit dem nichts im Wege steht, setzt das Unternehmen auf Transparenz - selbst jetzt, wo das Planfeststellungsverfahren noch gar nicht richtig losgegangen ist. In einer Onlineveranstaltung hat der Netzbetreiber Eigentümern, Pächtern und Interessierten anhand von Bildern und Schautafeln erklärt, was geplant ist. 33 Interessenten loggten sich ein.

Um Feldlerche, Gelbbauchunke, Kreuz-, Wechsel- und Knoblauchkröte während der Bauzeit nicht allzu sehr in ihrem Lebensraum zu stören, hat Bayernwerk-Umweltfachkraft Bettina Bodenstein bereits erste Maßnahmen zum Artenschutz erarbeitet: Schutzzäune für Amphibien etwa, außerdem sollen Fahnen zum Schutz von Großvögeln angebracht werden. Die Naturschutzbehörde wird im Laufe des Verfahrens sicher auch noch einige Auflagen machen.

Der Ausbau der Hochspannungsleitung ist nicht das einzige Projekt, das in den nächsten Jahren in Angriff genommen werden soll. Auch das Umspannwerk in Höfa soll modernisiert und erweitert werden. "Ab 40 Jahren besteht eine altersbedingte Notwendigkeit dazu", erklärt Bayernwerk-Sprecher Martens. Aber auch hier hat die erhöhte Einspeisungen von Strom Folgen. Ursprünglich wollte das Unternehmen einen Neubau auf einem größeren Grundstück. Doch laut Martens ist diese Option bereits vom Tisch. Man hat kein passendes Areal an der Stromtrasse gefunden. "Ohne Hast und ohne Eile" wolle man nun den Umbau planen, der sukzessive vonstatten gehen muss. Denn das Umspannwerk bleibt während der Arbeiten in Betrieb. Die Bauzeit wird drei bis vier Jahre dauern.

© SZ vom 24.06.2020

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