SPD Dachau Stramm auf Schlingerkurs

Die Dachauer SPD präsentiert sich derzeit als ideale Nichtwählerpartei: Jeder, der sich nicht zu irgendeiner Meinung durchringen kann, fühlt sich dort sicher gut aufgehoben.

Ein Kommentar von Melanie Staudinger

Ob sich Marianne Klaffki, SPD-Fraktionsvorsitzende im Kreistag, überhaupt etwas bei ihrem Antrag gedacht hat, wird ihr Geheimnis bleiben. Aber sie kann doch nicht wirklich geglaubt haben, dass es die Öffentlichkeit stören würde, wenn die Sozialdemokraten endlich eine klare Haltung zur dritten Startbahn am Münchner Flughafen einnehmen.

Die Dachauer SPD ist sich uneins über die Finanzierung der eigenen Partei.

(Foto: Niels P. Jørgensen)

Es ist doch gerade der Schlingerkurs der SPD, der vielen Wählern mittlerweile gehörig auf die Nerven geht - sei es in Sachen dritter Startbahn, Thilo Sarrazin oder der Rente mit 67. Ein bisschen Flughafenausbau geht eben nicht. Wer Politik machen will, muss auch Entscheidungen treffen. Schön, dass das jetzt auch der Unterbezirk eingesehen hat.

Weniger schön für die SPD ist allerdings, dass es ihr wieder nicht gelingt, das Nein zur dritten Startbahn richtig zu verkaufen. Im Gegenteil, kaum ist die eine Baustelle behoben, tut sich bereits die nächste auf. Nun ist es die Geldverteilung innerhalb der Partei, die den Genossen in der Stadt Dachau sauer aufstößt.

Über den Erfolg in der Flughafen-Frage wurde bei der Mitgliederversammlung nicht gesprochen - über den aus Sicht des Ortsvereins ungerechten Finanzausgleich hingegen ausgiebig.

Offensichtlich tun sich die Sozialdemokraten im Landkreis schwer damit, ihre gemeinsamen Positionen hervorzuheben und betonen lieber den Dissens in den eigenen Reihen. Dann brauchen sie sich aber nicht zu wundern, wenn sie als zerstrittener Haufen betrachtet werden.

Und dann dürfen sie sich auch nicht beklagen, wenn Wählerstimmen ebenso fehlen wie Spenden oder Mitgliedsbeiträge. Im Moment jedenfalls präsentiert sich die SPD als ideale Nichtwählerpartei: Jeder, der sich nicht zu irgendeiner Meinung durchringen kann, fühlt sich dort sicher gut aufgehoben.