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Schnelles Internet:Verbindung hergestellt

Startschuss für Glasfaser-Internet: Finanzminister Albert Füracker (l.) und Bürgermeister Peter Felbermeier bringen einen Hof in Inhausen ans Netz.

(Foto: Toni Heigl)

Heimatminister Albert Füracker lobt in Haimhausen die Fortschritte in der Digitalisierung. Kritik findet er unangebracht

Von Jacqueline Lang, Haimhausen

Bürgermeister Peter Felbermeier (CSU) nimmt es zu Beginn seiner Rede gleich vorweg, damit da auch ja kein falscher Eindruck entsteht: "Die Gemeinde geht nicht am Krückstock." Nur er selbst müsse aufgrund einer Knie-OP derzeit auf ein Paar Krücken zurückgreifen. Für die Gemeinde selbst gelte sogar das Gegenteil, das betonen sowohl Felbermeier selbst als auch der am Donnerstag angereiste bayerische Finanz- und Heimatminister Albert Füracker (CSU) immer wieder: Haimhausen gehe mit gutem Beispiel voran in eine digitale Zukunft. Mit dem exemplarischen Anschluss des Hofs der Familie Plank im Ortsteil Inhausen am Donnerstagmittag soll genau das noch einmal bekräftigt werden.

Bereits bei seinem ersten Besuch 2015 habe Füracker "den Knopf gedrückt" für die Breitbanddigitalisierung seiner Gemeinde, sagt Bürgermeister Felbermeier. Die Außenbereiche der Gemeinde seien aber noch bis 2018 "extrem unterversorgt" gewesen. Für den geförderten Ausbau sei er als Rathauschef deshalb schon damals "Feuer und Flamme" gewesen. Denn ja, Digitalisierung sei in der heutigen Zeit ein Standortvorteil. Und mit dem Anschluss in Inhausen könne er nun mit Stolz verkünden: "Wir haben das Beste, was es derzeit auf dem Markt gibt." Felbermeier gibt zwar zu, dass man gerade im Bereich der Schulen noch "nachsteuern" muss, aber der erste Schritt zumindest sei getan. "Das Grundgerüst ist unter der Erde." Er meint damit: Das Glasfasernetz ist verlegt. Wie lange es noch dauert, bis alle das schnelle Internet auch tatsächlich nutzen können, sagt er nicht. Finanzminister Füracker findet ebenfalls, dass immer viel zu viel darüber geredet werde, was alles noch getan werden müsse. Natürlich habe sich gerade in den vergangenen Monaten durch die Corona-Krise gezeigt, wie wichtig eine schnelle und stabile Internetverbindung sei. Man habe aber auch erkennen können, wie gut vieles schon funktioniere. Füracker möchte sich viel lieber darauf konzentrieren, wie groß die Erfolge der letzten Jahre schon waren: nämlich "sensationell". Zudem betont er, dass weder der Bund noch der Freistaat streng genommen für die Förderung zuständig seien. Schnelles Internet gehöre mittlerweile zur öffentlichen Daseinsfürsorge. Nur anders als bei Wasser, Abwasser und Strom wolle niemand dafür zahlen. Unternehmen könne man es deshalb nicht verübeln, wenn sie sich gegen eine Erschließung des ländlichen Raums entscheiden würden. Die Refinanzierung sei schlicht oftmals nicht gegeben. "Das war der Grund, warum wir damals in die Förderung eingestiegen sind", so Füracker. Das Projekt in Haimhausen wurde mit rund 415 000 Euro unterstützt, um den Ausbau hat sich die Firma Deutsche Glasfaser gekümmert.

Bayernweit gab es bislang Förderbescheide in Höhe von 1,1 Milliarden Euro für 1803 Kommunen. Der Finanzminister betont deshalb: "Ein schneller Internetanschluss ist in Bayern kein Privileg der Städte: Im ländlichen Raum sind wir mit 90 Prozent deutschlandweit Spitzenreiter." Aus seiner Sicht sei das "nicht kritikwürdig, sondern dankenswert". Ob Brigitte Plank, deren Hof ja nun ganz offiziell ans Glasfasernetz angeschlossen ist, auch dankbar ist? Für den Betrieb - Ackerbau und Rinder - sei das "schon gut", sagt sie ein wenig zögerlich.

© SZ vom 28.08.2020
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