Prozess Mit Kleinbus auf Terrasse gerast: Mann wegen versuchten Mordes vor Gericht

  • Nach der Trennung von seiner Verlobten stritt ein 33-Jähriger mit ihr um gemeinsame Anschaffungen.
  • Nach der Übergabe eines Receivers fuhr der Mann mit einem Kleinbus Richtung Haus, durchbrach eine Hecke samt Zaun, raste über die Terrasse und fuhr in den Eingang zum Wohnzimmer.
  • Nun muss sich der Mann vor Gericht verantworten. Die Staatsanwaltschaft geht davon aus, dass der Mann die 30-Jährige und ihren neuen Lebensgefährten überfahren wollte.
Von Andreas Salch

Als die Beziehung zerbrochen war, begann ein unseliger Streit: Es ging um Geschenke, die man sich einst gemacht hatte, ein Wohnmobil, um die Zwischenfinanzierung für ein neu erworbenes Haus und zuletzt um einen einfachen Receiver. Den wollte ein Kfz-Mechaniker aus Markt Indersdorf von seiner früheren Verlobten am Abend des 14. Juni vergangenen Jahres unbedingt wieder haben. Bei der Übergabe traf er auf den neuen Partner seiner früheren Verlobten. Der Kfz-Mechaniker nahm den Receiver an sich und fuhr weg.

Nach einer Weile aber machte er kehrt, bog mit seinem Kleinbus von der Staatsstraße ab auf einen Feldweg, fuhr von dort auf eine Wiese und dann mit etwa Tempo 50 direkt auf das Haus seiner einstigen Partnerin zu. Der Kleinbus durchbrach eine rund zwei Meter hohe Hecke samt Zaun, raste über die Terrasse, durchbrach den Eingang zum Wohnzimmer, wo er mit der vorderen Hälfte stecken blieb.

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Seit diesem Dienstag wird dem Kfz-Mechaniker vor der Schwurgerichtskammer am Landgericht München II der Prozess gemacht. Die Staatsanwaltschaft hat unter anderem Anklage wegen zweifachen versuchten Mordes erhoben. Sie geht davon aus, dass der 33-Jährige seine frühere Partnerin und deren neuen Lebensgefährten habe aus Eifersucht heimtückisch töten wollen. Der Angeklagte soll mit seinem Kleinbus ganz bewusst auf die Terrasse des Hauses gerast sein. Da er zuvor selbst in dem Haus gewohnt habe, sei der 33-Jährige davon ausgegangen, so die Staatsanwaltschaft, dass seine frühere Verlobte und ihr neuer Lebensgefährte dort sitzen. Doch die 30-Jährige hatte die Gartenmöbel wenige Tage vor dem 14. Juni von der Südseite auf die Ostseite gestellt. Zum Zeitpunkt der Tat befanden sie und ihr neuer Partner sich in den Badezimmern des Hauses.

Während Staatsanwalt Maximilian Huprich die Anklage verlas, saß der Kfz-Mechaniker völlig regungslos und mit versteinerter Miene auf der Anklagebank. Seine Verteidiger kündigten an, dass ihr Mandant eine schriftlich verfasste Erklärung verlesen wolle. Der erste Satz darin lautet: "Ja, es stimmt." Er sei mit seinem Kleinbus auf die Terrasse gefahren, aber nicht um jemanden etwas anzutun oder umzubringen. Der "Stress" im Zuge der Trennung, der Kredit für das neue Haus, das habe ihm zugesetzt, so der 33-Jährige. Er habe gehofft, mit seiner früheren Verlobten noch einmal reden zu können. Nachdem er den Receiver erhalten habe, sei "die Rage mit jedem Meter", den er gefahren sei, gewachsen. Dann sei alles "so schnell" gegangen.

"Ich dachte nicht, dass es so heftig wird", sagt der Angeklagte

Der entscheidende Punkt in der Erklärung ist, dass der Kfz-Mechaniker behauptet, er habe gewusst, dass die Gartenmöbel- und Stühle kurz vor der Tat umgestellt worden waren. Ihm sei klar gewesen, dass niemand auf der Seite der Terrasse sitzen würde, auf die er mit dem Kleinbus gefahren sei. Er habe auch gewusst, dass die Tochter seiner früheren Partnerin nicht im Haus sei. Tatsächlich aber schlief das Kind in seinem Zimmer über dem Wohnzimmer, in das der Angeklagte hineingerast war. Die Staatsanwaltschaft geht davon aus, dass der Kfz-Mechaniker auch den Tod des Kindes "zumindest billigend in Kauf" genommen habe. Am Ende seiner Erklärung beteuerte der 33-Jährige: "Ich dachte nicht, dass es so heftig wird." Was er getan habe, tue ihm leid.

Fragen des Gerichts zu der Erklärung lassen die Verteidiger des Kfz-Mechanikers, Rechtsanwältin Regina Rick und ihr Kollege Klaus Wittmann nicht zu. Doch Richter Thomas Bott versuchte es trotzdem. Es wäre schon interessant zu erfahren, was man sich denkt, wenn man mit einem Pkw auf eine "Terrasse zurauscht", merkte der Vorsitzende an. Das sei immerhin die "zentrale Frage." Doch der Angeklagte schwieg hierzu, wie es ihm seine Verteidiger nahegelegt haben.

Nachdem der Kleinbus im Eingang zum Wohnzimmer stecken geblieben war, hatte der 33-Jährige das Fahrzeug verlassen. Seine frühere Verlobte war in Panik aus dem Haus gerannt. Als er sie sah, soll er über einen Zaun gesprungen und sie zu Boden geschubst und ihr das Gesicht zusammengedrückt haben. Das aber bestreitet der Kfz-Mechaniker in seiner Erklärung. Er habe der 30-Jährigen nichts antun wollen. Bei ihrer Vernehmung berichtete die Bürokauffrau, dass der Angeklagte ihren neuen Partner bei der Übergabe des Receivers schon fast mit seinem Kleinbus "zusammengefahren hätte". Als er ihr das Gesicht zusammengedrückt habe, habe er zu ihr gesagt: "Ich habe dich immer geliebt." Der Prozess dauert an.