Landratswahl CSU knapp am Abgrund vorbei

Landratskandidat Stefan Löwl (CSU) gewinnt die Stichwahl mit Martin Güll (SPD) mit einem Vorsprung von nur 185 Stimmen.

Von Helmut Zeller

SPD-Mann Martin Güll (links) gratuliert dem CSU-Landratskandidaten Stefan Löwl zum denkbar knappen Sieg.

(Foto: Jørgensen)

In den Stichwahlen in Bayern am Sonntag hat die SPD in Erlangen, Regensburg und München triumphiert - und auch in der Stadt Dachau. Das Rathaus fiel an die Sozialdemokraten - und um ein Haar wäre auch der Posten des Landrats für die CSU verloren gewesen. Der CSU-Kandidat Stefan Löwl, 40, entschied die Stichwahl mit seinem SPD-Kontrahenten Martin Güll mit einem Vorsprung von nur 185 Stimmen. Bis zum Ende der Auszählung der Stimmergebnisse in den 17 Gemeinden des Landkreises lieferten sich die beiden Bewerber ein Kopf-an-Kopf-Rennen. Martin Güll erreichte 49, 80 Prozent der Stimmen. Stefan Löwl lag bei 50,2 Prozent. Dieser knappe Wahlsieg war vom Ausgang des Duells in der Großen Kreisstadt überschattet. Landrat Hansjörg Christmann kommentierte Dachau: "Das ist der Untergang."

Die Wahlbeteiligung war verheerend schlecht: Nur 41,69 Prozent der mehr als 111 000 Wahlberechtigten im Landkreis gaben ihre Stimme ab. Bezirkstagspräsident Josef Mederer (CSU) sagte dazu: "Das ist erschreckend." Im ersten Wahldurchgang am 16. März lag die Beteiligung immerhin noch bei 54,24 Prozent. Auf mehr Wähler hatte die CSU nach dem Wahldebakel vor 14 Tagen gehofft. Landrat Christmann, der dienstälteste in Bayern, kandidierte nach 37 Jahren nicht mehr. Der Kandidat Stefan Löwl wurde von dem Landtagsabgeordneten Martin Güll überraschend in die Stichwahl gezwungen. Für den Bildungsexperten der SPD votierten 37, 89 Prozent der Wähler. Ein Schock für die Partei. Damit lag Güll fast gleichauf mit Löwl, der nur knapp vier Prozent der Stimmen Vorsprung hatte. Bis zum Ende versuchte die CSU noch alles zu mobilisieren - am Freitag kam noch prominente Unterstützung nach Dachau, die bayerische Wirtschaftsministerin Ilse Aigner. In einer offenbar gesteuerten Flut von Leserbriefen an die Tageszeitungen sprachen sich Landkreisbürger für den CSU-Kandidaten aus. Auf ganzseitigen Anzeigen warb eine illustre Schar für Löwl: Die ehemalige SPD-Stadträtin Thea Zimmer, der Weichser Bürgermeister Harald Mundl (WBV), der Stadtrat Horst Ullmann, der vor wenigen Monaten die Dachauer SPD zu spalten versuchte sowie Vertreter der Freien Wähler Dachau, die sich vom Kreisverband abgespalten hatten.

Die Freien Wähler im Landkreis, die Grünen und die ÖDP hatten zur Wahl Gülls aufgerufen. Am Sonntag triumphierte der Sozialdemokrat in der Stadt Dachau. Gut 53 Prozent der Wähler gaben ihm ihre Stimme, dem CSU-Kontrahenten nur knapp 47 Prozent. Auch in Haimhausen, Hilgertshausen-Tandern, Markt Indersdorf, Petershausen, Röhrmoos, Schwabhausen und Vierkirchen gewann der SPD-Kandidat das Duell, zum Teil mit erheblichen Vorsprung. Stefan Löwl holte in Altomünster, Bergkirchen, Hebertshausen, Pfaffenhofen an der Glonn, Sulzemoos und vor allem auch in Karlsfeld Ergebnisse, wie sie die siegverwöhnte CSU bisher gewöhnt war, zum Teil mehr als 60 Prozent.

Stefan Löwl hat das bisher schlechteste Ergebnis eines Landratskandidaten seiner Partei noch unterboten. Landrat Christmann gewann seine erste Wahl vor 37 Jahren mit 50, 30 Prozent - allerdings im ersten Durchgang. Der knappe Wahlsieg Löwls wurde zwar bejubelt, aber die Partei war von dem Ausgang dennoch wie gelähmt. Bei der Stichwahl in Petershausen verlor ihr amtierender Bürgermeister Günter Fuchs das Rathaus an den FW-Herausforderer Marcel Fath. Nur im Duell in Röhrmoos konnte sich CSU-Kandidat Dieter Kugler gegen seinen Kontrahenten Volker Nist (FW) durchsetzen.