Energiewende im Landkreis Dachau:Jetzt muss die Region ran

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Energiewende im Landkreis Dachau: Acht Windräder, wie hier bei Odelzhausen gibt es derzeit im Landkreis Dachau, die Zahl müsste wesentlich steigen.

Acht Windräder, wie hier bei Odelzhausen gibt es derzeit im Landkreis Dachau, die Zahl müsste wesentlich steigen.

(Foto: Niels P. Joergensen)

Die Energiewende kann nicht von Rathäusern und Privatleuten allein gestemmt werden. Es braucht regionale Kooperationen und Geld vom Staat.

Kommentar von Alexandra Vettori, Dachau

Da ein Klimaschutzkonzept, dort ein Energiesparplan und überall Beratungen. Viel geändert haben sie nicht in den vergangenen 30 Jahren, vor allem nicht bei den großen Fressern Wärme und Verkehr. Mit 16 und zwei Prozent erneuerbare Quellen schaut es da düster aus im Landkreis Dachau. Woran es liegt? Erst mal daran, dass regenerativ erzeugte Wärme nur mit viel Aufwand in die Häuser kommt, und, im Gegensatz zu Strom, große Investitionen nötig sind.

Vermutlich aber auch daran, dass die Energiewende derzeit vor allem an der untersten Handlungsebene hängt: bei Rathäusern, Hausbesitzern und Unternehmen, die umstellen, wo engagierte Köpfe und genug Geld da sind. Das gilt für die Heizung wie für den Verkehr.

Ein Hemmschuh ist das Hin und Her in der Energiepolitik

Ein zweiter Grund ist das Hin und Her in der Energiepolitik auf Bundes- und Landesebene. Als Biogas aufkam, wurde es erst per Einspeisevergütung gepusht. Als der grassierende Maisanbau Boden und Grundwasser belastete und die Teller-oder-Tank-Diskussion losbrach, wurde die Vergütung gesenkt. So legten 2009/10 auch die Dachauer Stadtwerke Pläne für eine Biogasanlage auf Eis. Ortsangepasste Konzepte: Fehlanzeige.

Deshalb sollte jetzt die mittlere Ebene aktiv werden, ausgestattet mit Geld von oben. Es ist die Ebene der Landkreise, die interkommunale Projekte anstoßen und begleiten, die eh schon für Öffentlichen Nahverkehr und Müllentsorgung zuständig sind und die wissen, wo Produktionsanlagen mit Abwärme oder Tiermastbetriebe mit viel Gülle sind, womit sich Fernwärme speisen ließe.

Gute Beispiele gibt es

Wärme- und Stromproduktion sind zwar nicht Aufgaben der Kreise, es ist ihnen aber auch nicht verboten, sich damit auseinanderzusetzen. Gibt es Angebote, ziehen private Haushalte nach. Wer ließe sich nicht lieber an eine regenerative Fernwärme anschließen, statt sich mit unbezahlbarer Altbausanierung für Wärmepumpen-Standard herumzuschlagen? Beispiele gibt es. Den Kreis Rhein-Hunsrück in Rheinland-Pfalz etwa, viel gelobter Energiewende-Pionier, seit Jahren klimaneutral.

Ab dem ersten Windrad Mitte der Neunziger entwickelte er sich von einer strukturschwachen zur wohlhabenden Region. Heute gibt es mehr als 200 Windräder, 18 kommunale Nahwärmeverbünde auf Basis von Waldrestholz. Mit Baumschnitt beheizt man Schulen, eine Bioabfall-Vergärungsanlage erzeugt Strom. Mit dem Betrieb der Erneuerbare-Energien-Anlagen verdient die Region jährlich 44 Millionen Euro. Auch die Gemeinden nehmen allein mit der Pacht für Windrad-Standorte 7,8 Millionen im Jahr ein. Klar, Rhein-Hunsrück ist nicht die Region München mit ihren Horror-Grundpreisen und stetem Zuzug. Man sieht aber: Da geht noch was.

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