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Kommunalwahlen im Landkreis:Generationenwechsel

Der Landkreis steht vor einer Zäsur: Viele Rathauschefs und der Landrat treten zur Kommunalwahl nicht mehr an.

CSU-Landratskandidat Stefan Löwl, der Landtagsabgeordnete Bernhard Seidenath und Landrat Hansjörg Christmann warten gespannt auf die Wahlergebnisse - hier allerdings noch auf die der Bundestagswahl. Das Bild entstand im vergangenen Jahr.

(Foto: Toni Heigl)

Die Kommunalwahlen am Sonntag leiten einen Generationenwechsel im Landkreis Dachau ein. Hansjörg Christmann, dienstältester Landrat Bayerns, kann nach 37 Jahren aus Altersgründen nicht zur Wiederwahl antreten. Für seine Nachfolge bewerben sich Stefan Löwl (CSU), Martin Güll (SPD ) und Michaela Steiner (FW). In zahlreichen Rathäusern werden neue Bürgermeister einziehen. In sechs Gemeinden hören die zum Teil langjährigen Amtsinhaber auf: Konrad Wagner (FW) in Altomünster, Michael Reindl (FW) in Erdweg, Michael Kreitmeir (Freier Bürgerblock) in Hebertshausen, Josef Kreitmeir (FW) in Markt Indersdorf, Hans Lingl (FW) in Röhrmoos und Heinz Eichinger als letzter SPD-Bürgermeister in Vierkirchen.

Mehr als 110 000 Landkreisbürger sind am Sonntag aufgerufen, ihre Stimmzettel abzugeben. Die Bürger entscheiden darüber, wie die 60 Sitze im Kreistag auf die 366 Kandidaten verteilt werden und wer die 334 Mandate in den 16 Gemeinderäten und dem Stadtrat Dachau erhält. Außerdem bestimmen sie, wer Christmann im Landratsamt nachfolgt und welche der 35 Bewerber für die 16 Bürgermeister- und den Dachauer OB-Posten am Ende tatsächlich ins Rathaus einziehen.

Die Dachauer SPD setzt mit dem Projektingenieur Florian Hartmann diesmal auf einen ungewöhnlichen jungen Bewerber. Hartmann ist 27. Der derzeit jüngste amtierende OB einer kreisfreien Stadt in Bayern ist 39. Gegenwind bekommen er und seine Partei durch die erst jüngst gegründete Wählergruppierung "Bürger für Dachau" um den aus der SPD ausgetretene Stadtrat Horst Ullmann. Mehr als einen Achtungserfolg wird ihm aber kaum gelingen. OB Peter Bürgels (CSU) Sieg gilt als so gut wie sicher. Dagegen muss Odelzhausens Bürgermeister Konrad Brandmair (CSU) sich nach der Kläranlagenaffäre, in deren Folge es beinahe zu einer Umweltkatastrophe in der Glonn gekommen wäre, ernstlich Sorgen um seine Wiederwahl machen. Auch die Zukunft von Petershausens Bürgermeister Günter Fuchs (CSU), halten Beobachter keineswegs für gesichert.

Nervenaufreibend wird die Wahl auch für die SPD: Unterliegt ihr Bürgermeisterkandidat Harald Dirlenbach in Vierkirchen, gibt es kein einziges SPD-geführtes Rathaus mehr im Landkreis. Das wäre ein Debakel für die SPD. Denn dass die SPD am Sonntag das Karlsfelder Rathaus zurückerobern kann, das sie 2008 an die CSU verloren hat, glauben selbst die Genossen nicht. Einziger Hoffnungsschimmer für die SPD ist ihre Hebertshausener Kandidatin Marianne Klaffki. Im Falle eines Wahlsiegs gäbe erstmals nach der Abwahl der Petershausener Rathauschefin Elisabeth Kraus (FW) 2008 dann auch wieder eine Frau an der Spitze einer Rathausverwaltunges im Landkreis.

Mit großer Spannung erwartet wird auch der Ausgang der Wahlen in Altomünster, Erdweg, Hebertshausen, Röhrmoos und vor allem Markt Indersdorf. Dort liefert sich die CSU unter Spitzenkandidat Franz Obesser eine beispiellose Materialschlacht mit seinem Ex-Parteifreund Herrmann Eschenbecher, der für die Freien Wähler antritt. Dass es auch noch einen dritten Kandidaten gibt - Hubert Böck von der SPD - geht dabei fast unter. Ob die dramatischen Zuspitzungen auch mehr Wähler an die Urnen locken, muss sich zeigen. In den vergangenen Jahren ist die Wahlbeteiligung im Landkreis immer weiter gesunken. 2008 lag sie bei der Landrats- und Kreistagswahl bei weniger als 60 Prozent.

In Bergkirchen, Haimhausen, Hilgertshausen-Tandern, Pfaffenhofen, Schwabhausen, Sulzemoos, Weichs stehen die Bürgermeister jetzt schon fest. Es kandidieren dort nur die jeweiligen Amtsinhaber.

Anders als bei Landtags- oder Bundestagswahlen, wo schon eine halbe Stunde nach Schließung der Wahllokale die Ergebnisse weitgehend feststehen, müssen sich die Bürger nach Kommunalwahlen deutlich länger gedulden - trotz hochmoderner Stimmzettel mit Strichcodes, die mit Hilfe von Lesestiften elektronisch ausgewertet werden. Die Ergebnisse der Bürgermeister- und der Landratswahlen stehen am Sonntagabend aber bereits sicher fest. Aktuelle Wahlergebnisse mit Tweets der SZ-Wahlberichterstatter gibt es unter www.sz.de/kwdachau. Auch das Landratsamt bietet am Sonntag nach 18 Uhr aktuelle Ergebnisse, sobald sie aus den Rathäusern einlaufen, unter www.landratsamt-dachau.de.