Haimhausen Streik an der Privatschule

Lehrer der Bavarian International School demonstrieren für einen Manteltarifvertrag. Trägerverein und Leitung pochen auf eine Betriebsvereinbarung.

Von Rudi Kanamüller, Haimhausen

Mit einem erneuten Warnstreik haben Mitarbeiter der englischsprachigen Bavarian International School (BIS) in Haimhausen für einen Manteltarifvertrag demonstriert. Kurz vor acht Uhr morgens hatten sich am Montag 60 angestellte Lehrer beidseitig der Zufahrtsstraße aufgereiht. Auf den Schildern waren Slogans zu lesen wie: "Happy Teachers, Happy Students", "Give us a voice" oder "Nein zu dieser Demütigung". Wie die Verhandlungsführerin der Gewerkschaft Verdi, Christine Kinateder der SZ sagte, wollen "die Kollegen den unbefriedigenden Zustand nicht mehr hinnehmen und mit ihrem Ausstand ein Zeichen setzen".

In Manteltarifvertrag würde nicht nur geklärt, was die einzelnen Lehrer verdienen. Manteltarifverträge enthalten auch grundlegende Regelungen zum Arbeitsplatz. Dazu zählen Einstellungs- und Kündigungsbedingungen, Dauer des Urlaubs, Arbeitszeitregelungen, Regelungen zu Krankheit, Krankmeldung und Lohnfortzahlung, Zuschläge für Mehr-, Nacht- und Schichtarbeit, Arbeitsbedingungen oder vermögenswirksame Leistungen.

Die Leiterin der Bavarian International School in Haimhausen, Christiane Sorenson, lehnt dagegen einen Manteltarifvertrag mit der Gewerkschaft strikt ab. "Wir wollen nicht mit einer dritten Partei verhandeln", sagte sie der SZ. Ihre Ansprechpartner dafür seien die Betriebsräte der Schule und damit "die eigenen Leute". Als Begründung führte sie die Besonderheit der BIS an: "Sie kennen und verstehen die Kultur der Schule. Das Scheitern der Gespräche führt sie auf die "unterschiedlichen Wahrnehmungen" beider Seiten zurück. Fakt sei aber: "Die Schule möchte keinen Manteltarifvertrag, denn die Gewerkschaft hat hier nichts zu suchen." Christiane Sorensen besteht auf der bisherigen Praxis von Betriebsvereinbarungen, die vergleichbar sind mit einem Rahmentarifvertrag, in dem Gehälter und Arbeits- sowie Urlaubszeiten geregelt sind.

Es ist nicht der erste Ausstand der organisierten Beschäftigten der Bavarian International School in Haimhausen. Bereits im September des vergangenen Jahres demonstrierten Beschäftigte der BIS für den Abschluss eines Manteltarifvertrags, den die Schulleitung bislang vehement ablehnt, weil er die Schule "knebeln" würde. Von den etwa 200 Beschäftigten, sagt die Verdi-Verhandlungsführerin, seien ungefähr 35 bis 40 Prozent gewerkschaftlich organisiert.

Seit dem Streik von 2014 zieht sich nun der Konflikt hin. Momentan herrsche, so die Verdi-Verhandlungsführerin, an der BIS ein "tarifloser Zustand". Schwierig mache die Situation nach Ansicht der Gewerkschaft zudem, dass die meisten der englischsprachigen Pädagogen lediglich über befristete Verträge verfügten, die auf zwei Jahre abgeschlossen würden. In diesem Jahr, kurz vor den Ferien, so Verdi-Verhandlungsführerin Kinateder, habe die Schulleitung Verdi wissen lassen, dass es "niemals einen Tarifvertrag" geben werde.

In der Schule werden fast nur Jugendliche unterrichtet, deren Eltern aus verschiedenen Ländern kommen. Deswegen ist die Unterrichtssprache Englisch.

(Foto: Niels P. Joergensen)

Was den aktuellen Warnstreik betrifft, so habe man Schulleitung und Eltern rechtzeitig darüber informiert. "Die wussten, was kommt." Denn man wolle ja niemanden in etwas Unvorhergesehenes hineinlaufen lassen. Die Stimmung zwischen Schulleitung und organisierten Lehrern fasst eine Englischlehrerin, die an der BIS seit vier Jahren unterrichtet, so zusammen: "Wir haben den Eindruck, als würden die in uns Feinde sehen." Einen anderen Aspekt bringt Verdi-Sprecherin Kinateder noch ins Spiel: "Wenn es keine Gewerkschaften gäbe, dann wäre an der Schule mit Sicherheit auch keine Frau Schulleiterin."

Finanzieller Träger der Bavarian International School ist ein eingetragener Verein, in dem alle Eltern Mitglied sind. Sie finanzieren über das Schulgeld 80 Prozent der Kosten. Der Rest kommt vom Freistaat Bayern entsprechend den Vorgaben für die Finanzierung von Privatschulen. Wie der Vorsitzende des Trägervereins, Michael Schulz, erläuterte, besteht kaum ein Unterschied zwischen einem von der Gewerkschaft geforderten Manteltarifvertrag und der Betriebsvereinbarung, wie sie von Arbeitgeberseite vorgeschlagen wurde. Schulz sagte: "Inhaltlich ist sie unstrittig."

Er hält der Gewerkschaft Verdi vor, einen "ideologisch" motivierten Streit vom Zaun gebrochen zu haben. Und er stellt sich als Vertreter der Eltern der BIS hinter die Schulleitung, die auch für das operative Geschäft zuständig ist. Verhandlungen mit der Gewerkschaft bezeichnet er als "absolut unangemessen". Denn: "An der Schule sollten nur die Stakeholder Vereinbarungen treffen." Damit meint er nur die Parteien, die unmittelbar mit der Schule zu tun haben: also Eltern, Lehrer, Leitung und Schüler. Außerdem seien die Gehälter an der BIS in Haimhausen bundesweit im Vergleich mit anderen internationalen Schulen und auch mit den Beamtengehältern von Gymnasiallehrern konkurrenzfähig.