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Sozialer Wohnungsbau :So versucht der Landkreis, gegen horrende Mieten vorzugehen

Übergabe Sozialwohnungen

Mitten im Hof ein Platz zum Treffen und Ratschen: Das Leben in der neuen Anlage der WLD in Karlsfeld kann für die Bewohner der 79 Wohnungen sehr schön werden.

(Foto: Niels P. Jørgensen)

Die Wohnungsbaugesellschaft im Landkreis Dachau und die Kommunen wollen mit gemeinsamen Projekten Platz für untere Einkommensgruppen schaffen.

Wohnungsnot und unbezahlbar hohe Mieten gehören zu den ganz großen Problemen im Ballungsraum München. Mit etwa zehn Projekten will die Wohnungsbaugesellschaft im Landkreis Dachau (WLD) dem nun begegnen. "Die Not ist schon lang spürbar, doch nicht alle hatten ein Bewusstsein dafür", sagt der Aufsichtsratsvorsitzende und Landrat Stefan Löwl (CSU) bei der Einweihung des größten Projekts in Karlsfeld. Lange Zeit hatte die WLD, die inzwischen aus allen 16 Landkreisgemeinden außer der Stadt Dachau, dem Landkreis selbst und der Sparkasse besteht, 275 Sozialwohnungen inne. Doch es hat sich viel getan: "Jetzt hat die WLD 444 Wohnungen", verkündet Löwl gut gelaunt. "Unser Ziel sind nun 666."

WLD-Geschäftsführer Stefan Reith sagt: "Viele Gemeinden kommen auf uns zu wegen sozialen Wohnungsbaus." Mit Karlsfeld, Hilgertshausen, Altomünster, Petershausen, Schwabhausen und Bergkirchen werde derzeit verhandelt. Der Bedarf gerade bei den unteren Einkommensgruppen steige enorm. "Anerkannte Asylbewerber finden auf dem freien Markt nichts mehr." Aber auch die 25-jährige Frisörin mit kleinem Einkommen tut sich schwer, ebenso wie die alleinerziehende Mutter oder die Witwe, die nur 60 Prozent der Rente erhält. "Altersarmut ist ein großes Thema", sagt Reith. Und so baut die Wohnungsgenossenschaft seit 2016 ein Projekt nach dem anderen. Vor den Sommerferien wurden zehn Sozialwohnungen in Vierkirchen eingeweiht. Sie liegen über der Sparkassenfiliale an der Indersdorfer Straße. Dafür musste die Gemeinde 20 Prozent selber finanzieren. Ein Kraftakt, den nicht jede Gemeinde in den vergangenen Jahren stemmen konnte. Jetzt ist diese Kostenbeteiligung weggefallen.

Von den 444 Wohnungen der WLD sind nicht alle klassische Sozialwohnungen

Ende September werden 25 Wohnungen im Maria-Gschwendtner-Haus in Markt Indersdorf eingeweiht. Fünf hat die Stiftung inne und 20 die WLD. Anfang Juli sind bereits die ersten Bewohner eingezogen. Im Erdgeschoss hat die Caritas ein Zentrum eingerichtet. Von dort aus betreut sie einige Klienten, die an Krankheiten leiden und ebenfalls in dem Haus wohnen - zumindest vorübergehend. Die Wohnungen der WLD sind speziell für Senioren ausgerichtet, erklärt Reith.

Von den 444 Wohnungen der WLD sind nicht alle klassische Sozialwohnungen, auch Asylunterkünfte und Seniorenwohnungen sind dabei. Seit Neuestem werden auch Konzepte für Mitarbeiterwohnungen entworfen, speziell für Beschäftigte im öffentlichen Dienst. "Es ist uns schon öfter passiert, dass neue Mitarbeiter wieder abgesagt haben, weil sie keine Wohnung finden konnten", sagt Löwl. Auch die Gemeinden kennen das. In Karlsfeld etwa sind bis vor kurzem vier Stellen ausgeschrieben gewesen. Stellen, nach denen sich noch vor einigen Jahren die Bewerber die Finger nach geleckt hätten. Doch die Bezahlung ist nicht gut genug, um in Karlsfeld angenehm leben zu können. "Es ist schwierig", sagt Bürgermeister Stefan Kolbe (CSU), wann immer er darauf angesprochen wird. Die WLD ist bereits mit Bergkirchen, Röhrmoos, Hebertshausen und Markt Indersdorf im Gespräch. Man sucht nach Grundstücken und Kooperationen. Der Bedarf ist so groß, dass "wir im nächsten Jahr unbedingt ein Projekt auf den Weg setzen wollen", sagt Löwl. "Das darf man nicht schieben." Die Idee ist, dass die Mitarbeiterwohnungen durchmischt werden sollen, damit die Bewohner nicht mit den gleichen Leuten zusammenleben, mit denen sie tagsüber im Büro sitzen. "Die Mischung soll attraktiv sein", sagt Löwl. Der Landkreis habe bereits Grundstücke im Auge, doch der Partner fehle noch. Die Architekten planen jedenfalls. Es ist schon konkret, versichert der Landrat.

Übergabe Sozialwohnungen

Die Tiefgarage der Anlage.

(Foto: Niels P. Jørgensen)

Auch die Asylunterkünfte sollen sich in den nächsten Jahren sukzessive verändern. So sollen die Container durch Häuser in Holzmodulbauweise abgelöst werden, so wie es 2016 und 17 in Karlsfeld geschehen ist. "Das ist deutlich kostengünstiger, denn die Container brauchen einen horrenden Unterhalt", sagt Löwl.

Das mit Abstand größte Projekt der Wohnungsbaugesellschaft ist jedoch das in Karlsfeld: 79 Wohnungen mit 70 Tiefgaragenstellplätzen. Etwa 16 Millionen Euro hat die WLD in den Neubau investiert, hinzu kommt das etwa 7000 Quadratmeter große Grundstück in zentraler Lage, das die Gemeinde kostenfrei per Erbpacht zur Verfügung gestellt hat. Auch für die Gemeinde ist der Neubau an der Parzivalstraße sehr bedeutend. Rund 200 Sozialwohnungen gab es in Karlsfeld schon, jetzt kommen weitere 79 dazu. Lange schon hatte Karlsfeld die Notwendigkeit vor allem für bezahlbare Seniorenwohnungen erkannt, doch man konnte es sich nicht leisten. Erst als die WLD genügend Eigenkapital hatte, um auf den Baukostenzuschuss von zehn Prozent verzichten, konnte das Projekt erneut angegangen werden - diesmal viel größer als ursprünglich gedacht. Etwa zwei Jahre dauerte die Errichtung.

205 Menschen werden bald in dem u-förmigen Komplex leben. Einige sind bereits eingezogen. Die Mietverträge sind alle unterzeichnet. Sechs Euro müssen die Bewohner pro Quadratmeter zahlen. Einen gewissen Luxus haben sie: Jede Wohnung ist barrierefrei und hat einen Balkon oder eine Terrasse. Im mittleren Trakt leben die Senioren. "Wir möchten, dass sie am Alltag teilhaben. Sie sollen nicht ins hinterste Eck abgeschoben werden", erklärte Geschäftsführer Stefan Reith. 16 kleine Wohnungen sind für sie reserviert - ohne Betreuung. Der Rest ist für einkommensschwache Familien, alleinerziehende Mütter, anerkannte Asylbewerber, Arbeitslose und Leute, die nur sehr wenig verdienen. Beheizt wird das Gebäude vom gegenüberliegenden Heizkraftwerk.

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WLD-Geschäftsführer Stefan Reith.

(Foto: Niels P. Jørgensen)

Bei der Einweihung lobte Reith noch einmal das "klare Bekenntnis zum sozialen Wohnungsbau" seitens der Gemeinde Karlsfeld. "Sie hätte es auch anders vermarkten und bei einem Investor deutlich über 17 Millionen Euro erzielen können." In Röhrmoos hat die WLD zusammen mit der Gemeinde am Tag zuvor den ersten Spatenstich für 20 Seniorenwohnungen gefeiert. "Es tut sich was und es muss sich was tun", sagt Löwl in Karlsfeld. Zum Glück habe die Kommunalpolitik die Mittel. "Die Karlsfelder Wohnanlage ist nicht der letzte Schritt, sondern nur ein weiterer." Und so wird bereits über ein neues Projekt ebenfalls in Karlsfeld nachgedacht.

An der Münchner Straße gegenüber von Möbel Fischer sollen weitere zehn Sozialwohnungen entstehen. Die Architekten der WLD planen gerade daran. Das Grundstück hatte der Bund dem Landkreis verkauft. Ursprünglich sollte dort die Trasse der Staatsstraße 2063 verlaufen. Nachdem sich die Planungen geändert haben, soll die Fläche nun einen Beitrag gegen die Wohnungsnot leisten. Der Gemeinderat hat bereits Einverständnis signalisiert. Reith rechnet damit, dass im ersten Halbjahr 2020 Baubeginn ist.