Schlosskonzert:Der Klangzauber der Klarinette

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Schlosskonzert: Der Klarinettist Oliver Klenk und das Symphonische Orchester München-Andechs unter der Leitung von Andreas Pascal Heinzmann führen im Schloss Dachau ein riesiges Werk auf.

Der Klarinettist Oliver Klenk und das Symphonische Orchester München-Andechs unter der Leitung von Andreas Pascal Heinzmann führen im Schloss Dachau ein riesiges Werk auf.

(Foto: Niels P. Jørgensen)

Der Solist Oliver Klenk und das Symphonische Orchester München-Andechs spielen im Schloss Dachau ein ergreifend schönes Konzert, das zum nachhaltigen Erlebnis wird.

Von Adolf Karl Gottwald, Dachau

16 Konzerte für Klarinette und Orchester zählt ein kompetentes, gründliches Musiklexikon auf, darunter Werke namhafter Komponisten wie Stamitz, Weber, Spohr, Milhaud, Rimsky-Korsakow und Hindemith. In Wirklichkeit gibt es aber nur ein Klarinettenkonzert, nämlich das Konzert für Klarinette und Orchester A-Dur KV 622, das Mozart zwei Monate vor seinem Tod geschrieben hat. Dieses überaus schöne Werk ist der Traum aller Klarinettisten, von Mozarts Freund Stadler, für den es geschrieben ist, bis zum unvergessenen Benny Goodman. Mozart war vom Klangzauber der Klarinette begeistert , er hat als erster für sie mehrere Werke geschrieben und vor allem in seinem Konzert - aber auch in seinem ebenso bekannten und beliebten Klarinettenquintett - die Klangfarben-Gegensätze ihrer verschiedenen Register bewusst kompositorisch eingebracht. "Schon die gemeinsame A-Dur-Tonart verbreitet jenen sonnenhaften Glanz, den zu bannen nur Mozart fähig war", wird im Vorwort der Taschenpartitur festgestellt. Doch dieser Glanz bleibt Papier, wenn ihn nicht die Aufführung zum Leuchten bringt.

Dafür war Oliver Klenk der richtige Solist. Er spielte es im Festsaal des Dachauer Schlosses in einem von der Orchestergemeinschaft München-Andechs veranstalteten Konzert - leider vor halbleerem Saal - beglückend schön. Immer wieder wird festgestellt, dass vor allem in Mozarts Kammermusik die freudig bewegten Ecksätze letztlich den Rahmen bilden für das Juwel des Werks, den langsamen Satz. So war es auch bei dieser Aufführung im Schloss. So schön, geradezu ergreifend schön hat man diesen Satz - aus über 60-jährigen Erfahrung gesprochen - nur in Ausnahme-Konzerten einmal gehört. Oliver Klenk durfte die Musik in einem bedächtigen Adagio-Tempo voll auskosten. Das Orchester hat in Mozarts Klarinettenkonzert nur wenig mehr als Begleitfunktion, füllt diese aber in guter Qualität aus.

Schlosskonzert: Der Solist Oliver Klenk durfte die Musik in einem bedächtigen Adagio-Tempo voll auskosten.

Der Solist Oliver Klenk durfte die Musik in einem bedächtigen Adagio-Tempo voll auskosten.

(Foto: Niels P. Jørgensen)

Was das "Symphonische Orchester München-Andechs" eigentlich ist, erfuhr man, als es sich nach der Pause in voller Größe präsentierte und das ganze Podium, dazu schier noch mehr Platz davor beanspruchte. Aus zwei Cellisten bei Mozart waren rund zehn geworden, die Anzahl der Bläser - darunter eine erschreckend große Basstuba - schien verdoppelt. Welches Werk erforderte diese Riesenbesetzung? Es war die Symphonie Nr. 1 in g-Moll von Peter Tschaikowsky. Damit wurde in Dachau nicht nur ein riesiges Werk aufgeführt, diese Aufführung war auch ein Rarissimum; denn Tschaikowskys Erste wird hierzulande von den großen, führenden Orchestern nie aufgeführt, man kann sie nur über Tonträger kennenlernen. Man kennt letztlich nur Tschaikowskys vierte, fünfte und sechste Symphonie, aber es wäre falsch, die erste als wenig bedeutendes Vorläufer-Werk einzustufen. Es ist die Frucht von Tschaikowskys sehr ernsthaftem und ausdauerndem, letztlich erfolgreichen Bemühen um eine "Sinfonik in russischer Sprache". Wie alle Komponisten des 19. Jahrhunderts hatte auch er Beethovens Symphonien als schier unerreichbares Maß im Hinterkopf.

Tschaikowskys erste Symphonie trägt den Titel "Winterträume", ausgehend vom 1. Satz, den er "Träumereien auf einem winterlichen Weg" nannte. Von "Träumereien" war bei der Dachauer Aufführung wenig zu spüren. Alle Motive und Figurationen kamen sehr direkt, die Höhepunkte gewaltig laut. Das war aber ein Problem der Akustik. Der akustisch eigentlich hervorragende Festsaal des Dachauer Schlosses war für die Aufführung eines derart wuchtigen Werks zu klein. Das fast ausschließlich von jungen, aufstrebenden Musikern besetzte Orchester war den Anforderungen von Peter Tschaikowskys bereits in seinem ersten großen Werk sehr anspruchsvoller Musik gewachsen. Besonders ansprechend war die Ausstrahlung der sichtbaren (und hörbaren) Spielfreude der jungen Musiker. Dirigent Andreas Pascal Heinzmann führte souverän und zur rechten Zeit mit Feuer, aber Tschaikowskys Dynamik penibel beachtend, durch das große und auch großartige Werk. Dieses Konzert war ein nachhaltiges Erlebnis.

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