Dachau/Landsberg:"Eine außergewöhnliche Win-Win-Situation für alle Beteiligten"

Lesezeit: 4 min

Dachau/Landsberg: Bernd Waitzmann (links), bisheriger Polizeidirektor in Landsberg, und der langjährige Dachauer Polizeichef Thomas Rauscher sind zufrieden mit dem Tausch ihrer Posten.

Bernd Waitzmann (links), bisheriger Polizeidirektor in Landsberg, und der langjährige Dachauer Polizeichef Thomas Rauscher sind zufrieden mit dem Tausch ihrer Posten.

(Foto: Toni Heigl)

In den Polizeiinspektionen Dachau und Landsberg steht ein außergewöhnlicher Stellentausch an: Der langjährige Dachauer Polizeichef Thomas Rauscher wechselt in seinen Heimatlandkreis Landsberg - dafür kommt der Landsberger Polizeichef Bernd Waitzmann nach Dachau.

Von Ayça Balcı, Dachau

Es ist ein außergewöhnlicher Personalwechsel, der Anfang November bei der Polizeiinspektionen (PI) in den Landkreisen Dachau und Landsberg ansteht. Nach 18 Jahren Dienstzeit in der PI Dachau, wo er vom Polizeirat bis zuletzt zum Polizeidirektor aufgestiegen ist, wechselt Thomas Rauscher nun nach Landsberg. Grund dafür sei der Wunsch nach Veränderung und einer neuen Station in seiner beruflichen Vita gewesen, berichtet der 55-Jährige bei einem Pressetermin.

Nicht sehr unbedeutend war aber auch noch ein weiterer Grund: Rauscher pendelt seit fast zwei Jahrzehnten vom Landkreis Landsberg täglich nach Dachau. "Das sind knapp 160 Kilometer und zwei Stunden Autofahrt", berichtet Rauscher. Die Zeit und Energie, die die tägliche Pendelei vereinnahmt, will der 55-Jährige fortan produktiver nutzen - auch für seine Aufgaben in der Landsberger PI. "So kann ich auch bei unerwarteten Einsätzen außerhalb der Bürozeiten schnell vor Ort sein", sagt Rauscher, der sich als "Einsatz-Mensch" beschreibt. "Ich bin froh, wenn ich mal rausgehen kann". Der Wechsel falle ihm nicht besonders schwer, schließlich kenne er sein neues Einsatzgebiet als jemand, der schon seit 30 Jahren im Landkreis Landsberg lebt, besonders gut.

Rauscher blickt positiv auf 18 Jahre in der PI Dachau zurück

Auf seine Zeit im Landkreis Dachau, die im Jahr 2004 begann, blickt Rauscher positiv zurück. Im Wachstumslandkreis Dachau sei seitdem viel passiert - unter anderem habe er heute rund 20 000 Einwohner mehr. "Ich fing noch vor der Polizeireform an, als es noch die alten Uniformen und noch keine Digitalisierung gab", erinnert sich der Polizeidirektor.

Besonders habe er die Kommunikation und die von "gegenseitigem Respekt" geprägte Zusammenarbeit mit den Stationen und Behörden im Landkreis Dachau geschätzt. "Auch die vielen großen Ereignisse und Einsätze, die ich begleiten durfte, haben mich geprägt und werden hängen bleiben." Als Beispiel nennt Rauscher die vielen prominenten Gäste, wie Bundeskanzler oder US-Präsidenten, die in der KZ-Gedenkstätte Dachau während seiner Amtszeit zu Besuch waren. Trotzdem gehe er nicht mit einem weinenden sondern mit "zwei lachenden Augen".

Möglich wurde dieser Standortwechsel nur, weil sein Kollege Bernd Waitzmann, der seit 2020 Polizeichef in Landsberg ist, auf den Tauschvorschlag von Rauscher und dem Polizeipräsidium Oberbayern Nord eingegangen ist. Der 51-Jährige, der auch schon bei der Bereitschaftspolizei in Dachau tätig war, hatte in den vergangenen zehn Jahren verschiedene Funktionen beim Polizeipräsidium Schwaben Nord in Augsburg inne, bis er vor knapp drei Jahren neuer Landsberger Dienststellenleiter wurde. Für den G7-Gipfel 2022 in Garmisch-Partenkirchen verließ er seine Dienststelle für ein halbes Jahr, um in leitender Funktion an der überregionalen Vorbereitung und Einsatzdurchführung in Ingolstadt mitzuwirken. "Er hat sich in all den Jahren als Führungskraft bewährt und bei seinem Einsatz in Elmau hervorragende Arbeit geleistet - damit hat Herr Waitzmann bewiesen, dass er der Richtige für die Dienststelle in Dachau ist", so Polizeipräsident Günther Gietl.

Dachau/Landsberg: Der Polizeipräsident Günther Gietl (links) sieht in dem Stellentausch "eine außergewöhnliche Win-Win-Situation für alle Beteiligten." Der Germeringer Polizeichef Jürgen Dreiocker übernimmt vorübergehend den Posten des Dachauer Vizechefs.

Der Polizeipräsident Günther Gietl (links) sieht in dem Stellentausch "eine außergewöhnliche Win-Win-Situation für alle Beteiligten." Der Germeringer Polizeichef Jürgen Dreiocker übernimmt vorübergehend den Posten des Dachauer Vizechefs.

(Foto: Toni Heigl)

Waitzmann übernimmt mit der PI Dachau die drittgrößte Dienststelle des Polizeipräsidiums Oberbayern Nord

Und tatsächlich wartet im Landkreis Dachau eine sehr große Dienststelle auf den 51-Jährigen, der mit seiner Familie im Landkreis Aichach-Friedberg lebt. Wie Gietl erklärt, ist es nämlich sehr ungewöhnlich in Bayern, dass eine einzige Polizeiinspektion einen gesamten Landkreis betreut. Damit ist die PI Dachau nach der PI Flughafen München und der PI Ingolstadt die drittgrößte Dienststelle des Polizeipräsidiums Oberbayern Nord. Mit dem Wechsel zu solch einem wichtigen Standort ergeben sich für Waitzmann auch entsprechend große Aufgaben. Die strukturellen und personellen Veränderungen in der PI Dachau, die unter anderem durch den für das kommende Jahr geplanten Umzug in den Neubau am John-F.-Kennedy-Platz sowie durch das Programm "Bayerische Polizei 2025" anstehen, bezeichnet Waitzmann als "positive Herausforderungen", die er gerne annehme.

Dachau/Landsberg: Geplant ist, dass die Polizeiinspektion Dachau im kommenden Jahr in den Neubau am John-F.-Kennedy-Platz umzieht.

Geplant ist, dass die Polizeiinspektion Dachau im kommenden Jahr in den Neubau am John-F.-Kennedy-Platz umzieht.

(Foto: Toni Heigl)

Im Rahmen des Programms "Bayerische Polizei 2025" soll sich die Dachauer Inspektion nicht nur räumlich sondern auch personell vergrößern. Laut dem Polizeipräsidenten Gietl wurden der Polizei in Bayern insgesamt 3500 neue Stellen zugesichert, davon entfallen 505 auf das Polizeipräsidium Oberbayern Nord. Ein Teil dieser Stellen, soll auch der PI Dachau zugute kommen. Nächstes Jahr sollen sie je nach Belastung an den jeweiligen Standorten verteilt werden. "Wie viele es letztendlich werden, werden wir noch sehen müssen", sagt Rauscher und erwähnt, dass die PI Dachau in den vergangenen Jahren mehr Personal erhalten habe als Stellen frei wurden.

Der Germeringer Polizeichef Jürgen Dreiocker wird vorübergehend Dachauer Vizechef

Während Rauscher künftig mit dem Landsberger Vizechef Martin Heinrich zusammenarbeiten wird, stand Waitzmann in den Vorplanungen zunächst ohne Vertreter da. Denn der 58-jährige Polizeioberrat Stefan Priller, der seit 2019 den Dachauer Vize-Posten innehatte, verließ die arbeitsintensive Dienststelle aus gesundheitlichen Gründen Anfang Oktober und arbeitet nun im Ingolstädter Präsidium. Daher wird der Germeringer Polizeichef Jürgen Dreiocker für ein halbes Jahr seinen Posten verlassen und mit Waitzmann ein Führungsteam in Dachau bilden.

Dass er damit vorübergehend "von der Nummer eins zur Nummer zwei" übergehe, sieht der 55-Jährige gelassen. Vielmehr freue er sich, in den Landkreis zu kommen, in dem er geboren und aufgewachsen sei. Auch sein erstes Praktikum habe er als Polizeirat 1985 damals noch im neuen, heute im alten Gebäude der PI Dachau gemacht. Während der Abwesenheit von Dreiocker wird die PI Germering durch den Vize Roland Nist geführt, der Unterstützung von einem neuen Kollegen erhalten wird. Bei dieser Stellen-Tauschaktion sei Polizeipräsident Gietl "sehr glücklich über eine außergewöhnliche Win-Win-Situation für alle Beteiligten."

Zur SZ-Startseite

SZ PlusDachau
:Schreckliche Mitte

Die Wiener Politologin Natascha Strobl spricht auf Einladung des Bündnis für Dachau über die Radikalisierung des Konservatismus. Stadträte und Kreisräte des Bündnis sehen dafür auch Anzeichen in Dachau und warnen.

Lesen Sie mehr zum Thema