Klimapolitik:Nachtarocken hilft niemanden

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Klimapolitik: Immer wieder haben die Klimaaktivisten von Fridays for future in den vergangenen Jahren zu Demonstrationen in Dachau aufgerufen.

Immer wieder haben die Klimaaktivisten von Fridays for future in den vergangenen Jahren zu Demonstrationen in Dachau aufgerufen.

(Foto: Toni Heigl)

Statt sich gegenseitig Vorwürfe zu machen, müssen die Klimaaktivisten von Fridays for future und Kommunalpolitiker wie Landrat Stefan Löwl an einem Strang ziehen. Nur so kann die Klimakrise bewältigt werden.

Kommentar von Jacqueline Lang, Dachau

Die Klimakrise ist real - und sie ist eines der drängendsten Probleme dieser Zeit. In diesem Punkt sind sich Landrat Stefan Löwl (CSU) und Jonathan Westermeier von Fridays for Future (FFF) in Dachau eigentlich einig. Gerade weil so viel auf dem Spiel steht, müssen Löwl und FFF persönliche Befindlichkeiten hinter sich lassen. Sie müssen gemeinsam für die Sache kämpfen. Hart im Ton, aber immer fair im Umgang.

Das gelingt den beiden Parteien bislang ganz offensichtlich nicht. Nur so ist zu erklären, dass ein Bürgerdialog zum Thema Klimaschutz letztlich ohne Vertreter von FFF stattgefunden hat. Sie waren nicht auf dem Podium vertreten, sie haben sich aber auch im Anschluss an die Vorträge nicht aus dem Publikum zu Wort gemeldet. FFF-Sprecher Jonathan Westermeier begründet das zum einen damit, dass man nicht richtig eingeladen worden sei. Zum anderen, sagt er, habe ohne einen festen Platz auf dem Podium die Angst bestanden, jederzeit abgewürgt zu werden. Beide Punkte sind grundsätzlich valide, aber sie führen in letzter Konsequenz eben auch dazu, dass die Bewegung eine Chance vertan hat, ihre Argumente einer breiten Öffentlichkeit vorzutragen - und das nach zweieinhalb Jahren Pandemie, in denen es kaum Möglichkeiten gegeben hat, Präsenz zu zeigen.

Beide Seiten müssen es künftig besser machen

Gleichzeitig bleibt nur schwer nachvollziehbar, warum es den Mitarbeitenden von Landrat Löwl offenbar trotz Bemühungen nicht geglückt ist, die Einladung für die Podiumsdiskussion zum Beispiel direkt an Jonathan Westermeier zu adressieren. Immerhin ist Westermeier kein Unbekannter: Nicht nur ist er bei FFF seit Jahren aktiv, er sitzt auch für die Linke/die Partei im Kreistag. Die Verwaltung und in letzter Konsequenz auch der Landrat Stefan Löwl selbst müssen sich deshalb vorwerfen lassen, dass sie zwar formal vielleicht alles richtig gemacht haben, dass sie im Ergebnis aber ebenfalls eine Chance vertan haben: mit jungen, politisch aktiven Menschen aus dem Landkreis auf Augenhöhe zu debattieren.

Nachtarocken hilft niemanden, schon gar nicht dem Klima. Beide Seiten müssen es künftig besser machen. Landrat Löwl und Westermeier müssen einander die Hand ausstrecken und erneut den Dialog suchen. Denn eines ist klar: Um die Klimakrise zu bewältigen braucht es sowohl politische Vertreter, die den ernst der Lage erkennen und danach handeln, als auch Bewegungen wie FFF, die den Finger immer wieder in die Wunde legen und den nötigen Druck aufrecht erhalten.

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