Mitten in Dachau:Klauen wie die Raben

Lesezeit: 1 min

Mitten in Dachau: Da war die Welt in der Dachauer Apothekergasse noch in Ordnung: der CSU-Kreisvorsitzende Bernhard Seidenath vor dem Schild des CSU-Bürgerbüros.

Da war die Welt in der Dachauer Apothekergasse noch in Ordnung: der CSU-Kreisvorsitzende Bernhard Seidenath vor dem Schild des CSU-Bürgerbüros.

(Foto: privat)

Vor einem halben Jahr verschwand das Schild des CSU-Bürgerbüros in der Dachauer Altstadt spurlos. Nun hat man offenbar die Hoffnung auf eine Rückgabe aufgegeben. Ob der Täter tatsächlich ein CSU-Fan war, erscheint allerdings zunehmend fraglich.

Glosse von Ayça Balcı, Dachau

Es war Anfang April, da verschwand das Plexiglas-Schild neben dem Eingang zum Büro der Dachauer Christsozialisten spurlos. Dem Dieb oder dem "Fan", wie der Kreisvorsitzende und Landtagsabgeordnete Bernhard Seidenath den unbekannten Täter nannte, hatte das Schild anscheinend so gut gefallen, dass er es gleich herunterreißen und mitnehmen musste. Die Beute rückte er nicht wieder heraus. Der Schaden: knapp 500 Euro. Ein halbes Jahr lang waren nur vier Löcher in der Wand zu sehen. Nun gibt es Ersatz: An der Außenfassade des Bürgerbüros strahlt wieder ein großes blaues CSU-Logo.

Schilderklauen scheint auch andernorts ein verbreitetes Hobby zu sein: Immer wieder vermissen Städte und Gemeinden ihre Ortsschilder. Petershausen kann ein Lied davon singen. Besonders die Schilder des Stadtteils Asbach sind heiß begehrt - zu verdanken hat die Gemeinde das sehr wahrscheinlich dem gleichnamigen Weinbrand. Der Petershausener Bürgermeister Marcel Fath (FW) hat aufgehört zu zählen, wie oft das Ortsschild schon verschwunden ist. Im Gemeindehaushalt gibt es mittlerweile sogar einen festen Posten für die Neubeschaffung, im Rathaus hat man sich schon überlegt, die Schilder auf Vorrat einzulagern. Denn drei bis viermal im Jahr muss das Straßenbauamt ausrücken, um ein neues Schild anzubringen.

Was die Diebe wohl mit ihrer Blechbeute machen? Übers Bett hängen? Damit den Partykeller verschönern? Oder sind die verschollenen Schilder schon längst auf dem Sondermüll oder auf dem Grund irgendeines Gewässers gelandet? Das Problem geht mancherorts so weit, dass sich Städte und Orte umbenennen: Das österreichische Fucking wurde Anfang 2021 in Fugging umgetauft, damit die Klauerei der Ortsschilder endlich mal ein Ende habe. Muss sich vielleicht irgendwann auch mal die CSU umbenennen, damit ihr die Schilder erhalten bleiben? Aber so beliebt ist die Partei dann doch wieder nicht. Eingeweiht wurde das neue identitätsstiftende Schild am verkaufsoffenen Sonntag mit Glühwein bei einer Unterschriftenaktion des CSU-Ortsverbands gegen die Saatkrähenplage am Dachauer Bahnhof. Ist dort vielleicht der Täter zu suchen? Ein Motiv hätten die schwarzen Vögel jedenfalls.

Zur SZ-Startseite

Lesen Sie mehr zum Thema