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Dachau:Maskenpflicht: Schulen gehen lieber auf Nummer sicher

Corona - Krise Jahresrückblick

Auch die Skulpturen des Bildhauers Bernd Schmidt-Pfeil an der Bergkirchner Schule tragen Masken.

(Foto: Niels P. Jørgensen)

Trotz aller Diskussionen über eine Aufhebung der Maskenpflicht sind sich Lehrer und Direktoren einig: Das Tragen einer Mund-Nasen-Bedeckung im Klassenraum schützt vor Infektionen und Quarantäne.

Von Julia Putzger, Katja Gerland und Thomas Altvater, Dachau

So mancher Bürger fragt sich verständnislos: Warum dürfen im Gasthaus bis zu zehn Menschen an einem Tisch sitzen, ohne eine Schutzmaske zu tragen, während zehn Schüler im Klassenzimmer ihre Masken tragen müssen? Denn die Regeln zur Maskenpflicht wurden zuletzt zwar leicht gelockert, doch Schüler und Lehrer müssen außer im Freien weiterhin Mund und Nase bedecken. Obwohl daran immer mehr Kritik aufkommt, sind sich Lehrer und Direktoren im Landkreis Dachau einig: Es ist nach wie vor vernünftig, im Schulhaus auf Nummer sicher zu gehen.

Die Diskussion über ein Aufheben der Maskenpflicht hatte Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU) angestoßen. Seitdem wurden immer mehr Rufe danach auch in Bayern laut. Doch CSU und Freie Wähler fanden in dieser Frage keinen Konsens: Während die CSU, allen voran Ministerpräsident Markus Söder (CSU) diese Debatte für verfrüht hielt, hatten die Freien Wähler, zu denen auch Kultusminister Michael Piazolo gehört, ein Ende der Maskenpflicht im Unterricht angeregt. In anderen Bundesländern gibt es teilweise bereits entsprechende Beschlüsse. Doch in Bayern gilt nach wie vor die Pflicht zum Tragen einer FFP2-Schutzmaske, unter anderem in öffentlichen Verkehrsmitteln oder in Geschäften. Auch in den Schulen - egal ob Grundschule oder Gymnasium, allerdings sind dort auch sogenannte Alltagsmasken erlaubt. Lediglich im Freien und im Sportunterricht müssen Schüler und Lehrer nun keine Maske mehr tragen.

"Ich bin ehrlich froh, dass die Maskenpflicht im Schulhaus weiter besteht"

"Das ist schon eine irre Erleichterung", sagt die Kreisvorsitzende des Bayerischen Lehrer- und Lehrerinnen Verbandes (BLLV) Beate Rexhäuser. Sie unterrichtet an der Grund- und Mittelschule Erdweg. In den Pausen sei sie in letzter Zeit fast nur noch damit beschäftigt gewesen, die Kinder zum korrekten Tragen des Mund-Nasen-Schutzes aufzufordern. Gleichzeitig stellt Rexhäuser aber klar: "Ich bin ehrlich froh, dass die Maskenpflicht im Schulhaus weiter besteht. Es gibt schließlich immer noch Infektionen." Spätestens seit den Pfingstferien, seit alle Klassen wieder uneingeschränkt im Präsenzunterricht sind, sei es in den Klassenzimmern einfach nicht möglich, immer eineinhalb Meter Abstand zu halten. Zudem stelle das Tragen der Maske für die meisten Schüler kein Problem dar: "Je älter sie sind, umso ekelpaketiger, aber je jünger, umso selbstverständlicher ist das alles".

Auch Schulamtsleiter Albert Sikora begrüßt, dass die Maskenpflicht im Unterricht weiterhin besteht. Trotz der sinkenden Inzidenz habe es in den vergangenen Wochen einige Coronafälle in Dachauer Schulklassen gegeben, so der Amtsleiter. Waren die Schüler mit dem infizierten Klassenkameraden im Sportunterricht in Kontakt, musste die ganze Klasse angesichts der fehlenden Masken in Quarantäne. Dieses Risiko müsse man in anderen Unterrichtsstunden mit aller Kraft klein halten, sagt Sikora. Denn: "Schüler und Lehrer sind gleichermaßen froh, dass die Schule nun wieder vor Ort stattfinden kann."

"Glücklich sind wir über die Situation nicht"

Ob Schüler nach dem Kontakt mit einem positiv getesteten Mitschüler auf dem Pausenhof in Quarantäne geschickt werden, wird erst nach einer Einzelfallprüfung entschieden, erklärt Sikora. Die Länge des Kontakts, aber auch der Abstand zueinander spielen bei der Entscheidung eine wesentliche Rolle. Es sei jedoch unrealistisch, wenn man davon ausgehe, dass Schüler die Abstandsregelungen in den Pausen stets einhalten. "Die Pause soll ja nicht statisch sein, die Kinder sollen dort in Bewegung kommen."

Dass das Leben in die Schulen, oder zumindest auf den Pausenhof zurückkehrt, das bestätigt auch der Schulleiter des Ignaz-Taschner-Gymnasiums, Erwin Lenz. "Ich habe das Treiben auf dem Pausenhof beobachtet", sagt er. Dort habe kein einziger Schüler mehr eine Maske getragen, sagt er, "und das zeigt doch die große Freude der Schüler." Dass innerhalb der Schulgebäude und in den Klassenzimmern weiterhin eine Maskenpflicht besteht, das sei gerade bei den aktuellen sommerlichen Temperaturen für Schüler und Lehrer nicht immer leicht, sagt Lenz. Hinzu komme, dass durch die Masken immer wieder akustische Probleme im Unterricht auftreten würden, insbesondere bei den Fremdsprachen. "Glücklich sind wir über die Situation also nicht", fasst es der Schulleiter zusammen. Dennoch werde die Maskenpflicht an seinem Gymnasium zu "100 Prozent eingehalten", versichert Erwin Lenz.

Das Tragen von Masken ist jedoch nicht die einzige Bürde an bayerischen Schulen: Zweimal pro Woche müssen die Kinder und Jugendlichen, unabhängig von der Inzidenz, einen Selbsttest machen. Ansonsten, so erzählt Rexhäuser, sei der Schulalltag aber fast wieder wie früher: "Jetzt ist wieder Leben da. Es kommen die ganz normalen Probleme und das ist schön."

© SZ vom 18.06.2021
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