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Dachauer Altstadt:Das ist der Stand der Baustellen in der Dachauer Altstadt

Dass auf dem Gelände der ehemaligen Schlossberg Brauerei neben Wohnungen auch wieder ein Biergarten entsteht, ist eher unwahrscheinlich.

(Foto: Toni Heigl)

Die Altstadt erlebt einen rasanten Wandel. An vielen Plätzen entstehen neue Gebäude, während alte Häuser aufwendig saniert werden.

Blickt man auf die Dachauer Altstadt aus der Ferne, sieht man vor allem eines: Kräne. Überall wird gebaut. Oberbürgermeister Florian Hartmann (SPD) witzelt sogar, dass erst, wenn ein Kran abgebaut werde, an anderer Stelle einer aufgebaut werden könne. Wobei, ein Witz ist es eigentlich nicht. Um eine verwaiste Innenstadt jedenfalls muss der Rathauschef sich bislang nicht sorgen.

Für die Bürger der Stadt ist aber nicht in erster Linie wichtig, dass gebaut wird, sondern vor allem was gebaut wird. Etwa 30 Interessierte sind deshalb trotz schlechten Wetters der Einladung der SPD-Fraktion zu einem Spaziergang durch die Dachauer Altstadt gefolgt. Informieren wollen Hartmann und seine Parteikollegen die Anwesenden über den aktuellen Stand einzelner Baustellen. Treffpunkt ist an diesem Nachmittag vor dem Kaufhaus Rübsamen. Die Bauarbeiten befinden sich dort bereits in den letzten Zügen, teilweise hängen die Kleidungstücke schon an den Ständern. Anders als Geschäftsführer Markus Vorwohlt und Bauherr Franz Scherm interessiert die Teilnehmer allerdings weniger, dass man nun von einem Ende des Kaufhauses zum anderen Ende freie Sicht hat, sondern vielmehr, was für Wohnungen über dem Geschäft entstehen und ob es für E-Bikes in der Tiefgarage auch Ladestationen geben wird. Insgesamt zwölf Maisonettewohnungen seien auf 900 Quadratmetern am Entstehen, sagt Scherm. Kabel für mögliche E-Bike-Ladestationen seien bislang nicht verlegt worden, formuliert es der Bauherr ausweichend. Zur Eröffnung an diesem Mittwoch ist die Tiefgarage aber sowieso noch nicht fertig.

Vom Kaufhaus geht es weiter in Richtung Schlossberg Brauerei. Die Bauarbeiten sind hier noch in vollem Gange. Das teilweise denkmalgeschützte Gebäude - Teile der Fassade und der Schornstein sollen erhalten bleiben - soll nach der Fertigstellung Raum für 20 Wohnungen bieten. Stadträtin Christa Keimerl (SPD) weist darauf hin, dass es seitens einiger Eltern Bedenken gegeben habe, weil der Schulweg direkt an der Baustelle vorbeiführt. Oberbürgermeister Hartmann sieht jedoch keinen Grund zur Sorge. Die Baustelle sei ordnungsgemäß gesichert, auch gebe es die Möglichkeit, die Baustelle weitläufig zu umgehen.

Etwa 30 Interessierte nehmen an dem Rundgang durch die Dachauer Altstadt teil.

(Foto: Toni Heigl)

Ob es wieder einen Biergarten geben werde, will ein Teilnehmer des Rundgangs wissen. Hartmann erklärt, dass die Fläche bis zum Wasserturm zwar von der Stadt gekauft worden sei und man sich grundsätzlich das Recht vorbehalte, dort einen Biergarten zu eröffnen. Allerdings seien lediglich ein mobiler Ausschank sowie eine mobile Hendlbraterei möglich - und ob ein Betreiber an einem Biergarten ohne Wirtschaft interessiert sei, hält Hartmann für fraglich. Ein weiteres Problem sei der Lärm, dem die Anwohner ausgesetzt wären, auch wenn ein Emissionsschutzgutachten zu einem anderen Ergebnis käme, so der Vorsitzende der Dachauer SPD, Sören Schneider. "Es ist relativ unwahrscheinlich, dass es einen Biergarten, wie früher geben wird - aber grundsätzlich geht's", fasst Hartmann zusammen.

Der nächste Stop ist das Zieglerbräu direkt neben dem Rathaus. Die Stadt habe das Gebäude gekauft, der Bau von Büroräumen sei geplant. Man habe gerade erst mit der Planung begonnen, die voraussichtlich noch zwei Jahre dauern werde, so Hartmann. Schneider nennt das Bauvorhaben selbstbewusst einen "Quantensprung in der Raumpolitik". Ein Antrag, der wie Stadtrat Volker C. Koch (SPD) anmerkt, bereits vor 21 Jahren zum ersten Mal von ihm gestellt worden ist, soll nun offenbar ebenfalls realisiert werden: Von der Ludwig-Thoma-Straße soll eine Aufstiegshilfe - entweder eine Rolltreppe oder ein Aufzug - den Aufstieg auf den Karlsberg erleichtern. Die Bauarbeiten am Hörhammerbräu indes ruhen bis auf Weiteres. "Die Statik muss noch einmal geprüft werden", erklärt Hartmann. Aufgrund der Hanglage sei unklar, ob der Bau von Mietwohnungen wie geplant voranschreiten könne. Es ist das einzige Bauprojekt in der Altstadt, das dem Oberbürgermeister deshalb ein wenig Sorge bereitet. Was für die Ladenfläche im gegenüberliegenden Hörhammerstadt geplant sei, will jemand wissen. Seitdem das Franzikuswerk den Laden, in dem behinderte gemeinsam mit nicht behinderten Menschen arbeiteten, aus wirtschaftlichen Gründen im Sommer 2017 aufgeben musste, steht das Stadl leer. Das gesamte Stadl, das durch einen Tunnel mit dem Hörhammerbräu verbunden ist, soll nun offenbar noch einmal umgebaut werden. Wie genau, sei aber noch unklar. Man befinde sich erst in ersten Vorbesprechungen, sagt Hartmann.

Neben dem Kaufhaus Rübsamen wird auch der Stand der Bauarbeiten der Koschade-Klinik (hier im Bild) thematisiert.

(Foto: Toni Heigl)

Die gesamte Dachauer Altstadt steht unter Ensembleschutz. Das bedeutet, dass an ihrem Erscheinungsbild nicht ohne Weiteres Änderungen vorgenommen werden können. Das Gebäude in dem früher das Schuhhaus Rössler untergebracht war, durfte deshalb auch nicht ohne weiteres abgerissen werden. Es steht nämlich nicht nur unter Ensemble- sondern zusätzlich unter Einzeldenkmalschutz. Wenn ein Eigentümer allerdings, wie in diesem Fall den Nachweis erbringe, dass die Erhaltung der Fassade unverhältnismäßig teuer sei, sei ein Nachbau möglich, erklärt Hartmann. "Die Fassade sieht jetzt genau so aus, wie vorher, ist aber neu." Mit einer Fertigstellung rechnet Hartmann bis Ende diesen oder Anfang des nächsten Jahres. Entstehen sollen auch dort Wohnungen, wie auch überall sonst in der Altstadt liegen sie im hochpreisigen Segment. Der Grund: Die Altstadt sei größtenteils nicht mit einem Bebauungsplan belegt, erklärt Schneider. Das zu ändern, sei nur schwer möglich. Gleichzeitig lasse sich ohne einen Bebauungsplan nur schwerlich der Bau von Sozialbauwohnungen durchsetzen.

Ein Stück die Konrad-Adenauer-Straße hinunter steht die ehemalige Koschade-Klinik. "Das Bauvorhaben befindet sich auf der Zielgeraden", verkündet Hartmann. Dann erklärt er, warum man sich in diesem Fall für eine Sanierung statt für einen Neubau entschieden hat, obwohl das günstiger gewesen und schneller gegangen wäre: Bei einem Abriss hätte nur noch eine geringere Fläche bebaut werden dürfen. Wegen der Hanglage hätte man das Haus weiter zurücksetzen müssen. Durch die Sanierung kann die Fläche wie bislang genutzt werden. Aufgrund der Stellplatzverordnung musste eine Tiefgarage gebaut werden. Trotzdem fehlen noch zwei erforderliche Parkplätze. In der nächsten Sitzung des Bauausschusses soll dann auch für dieses Problem eine Lösung gefunden werden. Bis zum Frühjahr spätestens soll, so Hartmanns Prognose, dann auch dieses Bauvorhaben zu seinem Ende kommen.

Weit muss man auch von hier nicht laufen bis zur nächsten Baustelle: Direkt unterhalb der Klinik steht das nächste Gerüst. Im Bauausschuss habe man schon gescherzt, dass dieser Rohbau sicherlich noch vor der Klinik fertig werde, erzählt Hartmann. Im Erdgeschoss ist eine Gewerbefläche geplant, im Obergeschoss Wohnungen. Auf die Frage eines Rundgangteilnehmers, welche Art von Gewerbe angedacht sei, weiß der Oberbürgermeister allerdings keine Antwort. Über die Nutzung entscheide immer der Eigentümer, so Hartmann.

Unten am Berg angekommen, kann man aus der Ferne dann auch noch das wohl aktuell größte Bauprojekt Dachaus sehen: das MD-Gelände. "Das wäre einen eigenen Rundgang wert", sagt Schneider. Eines ist ihm dennoch wichtig zu betonen: "Das Gelände soll die Altstadt ergänzen, nicht kaputt machen."

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© SZ vom 13.11.2019
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