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Lieferengpass:Briefmarken sind in Dachau derzeit Mangelware

Post Bahnhofstraße Dachau

Christoph Reiserer, 52, holt sich gerade vier Zehn-Cent-Marken aus dem Automaten der Post in der Dachauer Bahnhofstraße.

(Foto: Thomas Radlmaier)

Nach der Portoerhöhung kann die Post auch in Dachau nicht alle Filialen rechtzeitig mit neuen Briefmarken ausstatten.

In einem Schreibwarengeschäft im Landkreis Dachau tritt am Dienstagvormittag ein Mann an den Postschalter und sagt: "Es ist brutal." Er sei bereits in drei verschiedenen Filialen gewesen, nirgends gebe es diese Zehn-Cent-Briefmarken, erzählt er. Doch jetzt hat er Glück. Der Besitzer des Geschäftes zieht eine Rolle nassklebender Marken aus der Kasse hervor. Diese sind zwar nicht so beliebt wie die selbstklebenden Marken, aber besser als gar keine. Der Mann kauft 30 Stück. Als man ihn fragt, ob er für einen Artikel über den Briefmarken-Engpass seinen Namen verrät, winkt er ab, will aber doch noch etwas loswerden zu diesem Thema: "Es nervt."

Zehn-Cent-Briefmarken sind in Dachau begehrt

Briefmarken sind derzeit Mangelware. Zwar laufen die Druckermaschinen der Post seit der Erhöhung des Briefportos zum 1. Juli auf Hochtouren, doch hinken sie der Nachfrage hinterher. Wer in Deutschland einen Brief verschickt, muss seit Monatsanfang mehr Geld bezahlen. Ein Standardbrief kostet nun 80 Cent und damit zehn Cent mehr als bisher. Ein Kompaktbrief mit einem Höchstgewicht von 50 Gramm ist mit 95 Cent (bisher 85) zu frankieren. Für einen Großbrief müssen Absender 1,55 Euro berappeln statt wie bisher 1,45 Euro.

Da bei den meisten Sendungsarten zehn Cent draufkommen, sind insbesondere Marken mit diesem Wert heiß begehrt. Ursprünglich wollte die Post Anfang Januar die Preise erhöhen, wurde aber von der Bundesnetzagentur vorübergehend ausgebremst. Die Regierungsbehörde hatte sich einen niedrigeren Erhöhungsrahmen gewünscht. Am Ende ging aber alles schnell, weshalb die Post innerhalb kürzester Zeit deutschlandweit 940 Millionen Briefmarken drucken und an 26 000 Filialen und sonstige Ausgabestellen ausliefern musste. Vielerorts kam es zu Lieferengpässen, auch im Landkreis Dachau. "Dass bei der einen oder anderen Filiale vorübergehend keine Briefmarken mit den gültigen Portowerten beziehungsweise Ergänzungsmarken vorrätig waren, tut uns leid und dafür möchten wir uns bei den betroffenen Kunden entschuldigen", so ein Pressesprecher. Betreffende Filialen würden innerhalb von 24 Stunden nach der Fehlmeldung mit den neuen Briefmarken oder Ergänzungswerten versorgt. Grundsätzlich handle es sich um einen "logistischen Kraftakt".

Warten auf die Nachlieferung

Wie überall kooperieren auch im Landkreis Dachau viele Schreib- und Tabakwarenladen mit der Post und nehmen Briefe oder Pakete an. Einige Besitzer sind wegen des Briefmarken-Chaos' gerade nicht sonderlich gut auf ihren Vertragspartner zu sprechen. Um es sich mit der Post nicht zu verscherzen, verschweigen alle lieber ihren Namen. Einer sagt: "Man kriegt kaum Informationen." Er habe wochenlang auf seine Bestellung von 6000 bis 7000 Marken warten müssen. Die Kunden seien teilweise "stocksauer" gewesen. "Und wir kriegen es dann ab." Ein anderer Ladenbesitzer zählt auf, was er alles nicht bekommen hat: "80-Cent nicht lieferbar, 1,55-Cent nicht lieferbar". Die Zehn-Cent-Marken gebe es nur einzeln, aber nicht im Set. Diese müsse man zudem selber abschlecken, damit sie kleben, was viele Kunden nicht mögen würden. Er rufe deshalb alle zwei bis drei Tage bei der Post an, doch immer wieder heiße es: "Lieder nicht lieferbar." Da er die meisten seiner Kunden beim Namen kenne, seien diese zum Glück nicht auf ihn sauer. Aber viele, vor allem Vereinsvertreter oder Geschäftskunden, die 50 bis 60 Stück oder mehr bräuchten, würden darauf warten, "bis die große Nachlieferung kommt".

Es gibt aber auch Filialen, in denen man alle Marken bekommt. Zum Beispiel an der Bahnhofstraße. Dort kann man sie auch an einem Automaten kaufen. Christoph Reiserer, 52, hat sich gerade vier Zehn-Cent-Marken geholt. Schließlich wolle er seine alten Briefmarken nicht verfallen lassen, sagt er. "Das habe ich bei jeder Portoerhöhung so gemacht."