Borkenkäfer Bis zu 4000 Bäume müssen gefällt werden

Hitze und Trockenheit haben dazu geführt, dass sich der Schädling gut entwickeln konnte. Jetzt muss schnell gehandelt werden.

Von Robert Stocker, Altomünster

Die Monstermaschine hat eine gewaltige Kraft. Wie eine Krake, die mit ihrem Fangarm die Beute umwickelt, legt sie ihren Ausleger um den Baumstamm. Die 20 Meter hohe Fichte fällt, wie ein Streichholz wirbelt das baggerartige Fahrzeug den Baum durch die Luft. Dann fräst es die verbliebenen Äste ab und schneidet den Stamm in Stücke. Die abgeschnittenen und zerstückelten Fichten liegen in einem Waldstück bei Altomünster und werden in den nächsten Tagen abtransportiert. Sie sind krank, befallen von einem winzigen Feind, den die Monstermaschine vertreiben soll. Er ist nur wenige Millimeter groß und heißt Borkenkäfer.

In den Wäldern das Landkreises Dachau sind derzeit mehrere Harvester - so heißen die monströsen Maschinen - im Einsatz. Sie roden die kranken Bäume, damit sich der Borkenkäfer nicht weiter ausbreiten kann. Der Schädling hat dieses Jahr ideale Bedingungen, um sich zu entwickeln und seine Population zu vermehren. Er liebt Hitze und Trockenheit, wie sie in den vergangenen Wochen herrschten. Besonders Fichten sind dadurch geschwächt und bieten eine Angriffsfläche für die Schädlinge. Die Käfer bohren sich unter die Rinde und legen dort Gänge für die Larven an, wo sie auch überwintern können. Die zerstörte Rinde kann den Baum nicht mehr mit Saft versorgen. Zudem hat der Sturm Niklas im Frühjahr viele Fichten beschädigt; der Käfer bevorzugt besonders die angeschlagenen Bäume als Brutplatz.

Bald schlüpft die dritte Generation

In den nächsten Wochen fliegen wieder die Jungkäfer aus, um die dritte Generation dieses Jahres zu gründen. Die befallenen Bäume müssen deshalb dringend gerodet werden. "Wenn wir jetzt nichts tun, haben wir 2016 ein großes Borkenkäferjahr", sagt Försterin Lisa Schubert, die das Forstrevier Markt Indersdorf leitet. "Dann geht der Käfer auch auf die gesunden Fichten."

Borkenkäfer befallen gern Bäume an Waldrändern, die von der Sonne beschienen werden. Doch selbst den wärmeliebenden Schädlingen war in diesem Sommer die Hitze zu groß. Deshalb breiteten sie sich auch im Inneren der Forste aus - wie in dem Gemeindewald von Altomünster. Viele Fichtenstämme haben dort keine Äste mehr, weil die Bäume durch den Käferbefall vertrocknet sind. "Zunächst sieht man am Fuß der Stämme Bohrmehl liegen, dann fallen Rinde und Nadeln ab", erklärt Försterin Schubert die Anzeichen eines Käferbefalls. Im Laufe der Zeit färbt sich die Baumkrone von oben nach unten rot bis braun.

Schubert ermuntert Spaziergänger, solche Beobachtungen den Waldbesitzern, der Waldbauernvereinigung oder dem Forstamt zu melden. Natürlich sind die Besitzer aufgerufen, ihre Wälder selbst zu kontrollieren - schon aus eigenem Interesse. "Doch sie sind froh, wenn sie informiert werden", sagt die Försterin. Das sei auch ihre Aufgabe. Denn die wirksamste Maßnahme ist das Roden und Entfernen der kranken Bäume. "Wenn es der Besitzer trotz Aufforderung nicht tut, muss das Forstamt aktiv werden", betont Schubert. Aber das komme nur selten vor.

Befallenes Holz erzielt schlechte Preise

Die Försterin ist für die Information und Beratung der Besitzer zuständig. Wenn es um die Rodung der vom Borkenkäfer befallenen Bäume geht, bitten die Besitzer die Waldbauernvereinigung um Hilfe. Diese beauftragt dann Spezialunternehmen, die über geeignetes Gerät verfügen, die kranken Bäume aus dem Wald zu entfernen. Peter Göttler, Förster und Geschäftsführer der Dachauer Waldbauernvereinigung, schätzt die Menge des im Landkreis befallenen Holzes auf 3000 bis 4000 Festmeter. Der Stamm einer ausgewachsenen Fichte entspricht etwa einem Festmeter. Damit sind 3000 bis 4000 Bäume erkrankt, die in den nächsten Wochen gefällt werden müssen. Für die Waldbesitzer ein großer Verlust, weil das befallene Holz sehr trocken ist und beim Verkauf schlechtere Preise erzielt.

Die geschlagenen Stämme werden zunächst mindestens 500 Meter entfernt von der Stelle gelagert, an der sie umgeschnitten wurden. Denn der Borkenkäfer fliegt nicht weiter als 500 Meter. Die Förster stellen auch Fallen auf, die mit Duftstoffen der Tiere versehen sind und die Käfer anlocken sollen. "Die Fallen sind derzeit aber alle leer, weil die Käfer im Bruchholz und in den geschwächten Bäumen so viele Brutstätten finden", erklärt Försterin Lisa Schubert. Wenn Bäume vom Käfer befallen sind, lockt er mit Duftstoffen weitere Artgenossen an - ein Phänomen, das derzeit auch im Landkreis gut zu beobachten ist. In den vergangenen Jahren sei das Borkenkäferproblem hier nicht so schlimm gewesen, jetzt aber müsse man handeln, sagt Schubert. "Wir wollen dem Käfer die Flügel stutzen."