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Dachau:Stoiber versprach mehr Personal für die Gedenkstätte

"Ganz toll hat sich dabei Max Mannheimer verhalten, der mit einem Trick den Umzug des Gedenksteins ermöglicht hat", sagt Knoll und schmunzelt. Der Holocaust-Überlebende und Vorsitzende der Lagergemeinschaft Dachau bereitete als Mitglied des CID-Exekutivkomitees das Thema zu einer Sitzung vor, von der er wusste, dass der damalige CID-Vorsitzende André Delpech - in dieser Frage ein Hardliner - nicht anwesend sein würde.

1995 sprach mit Edmund Stoiber erstmals ein bayerischer Ministerpräsident bei der Befreiungsfeier in der KZ-Gedenkstätte Dachau. Stoiber versprach mehr Personal für die Gedenkstätte, die verglichen mit den Einrichtungen in Ostdeutschland dürftig ausgestattet war. "Die Stimme der Überlebenden hat die Personalaufstockung bewirkt", ist sich Knoll sicher. Er erhielt 1997 die erstmals eingerichtete Stelle.

Knoll, der in München Geschichte und Literaturwissenschaften studiert hatte, arbeitete zunächst zwei Jahre lang im historischen Archiv des Bayerischen Rundfunks, wo er unter anderem mithalf, eine elektronische Datenbank aufzubauen. Es folgte ein zweijähriges Praktikum beim Bayerischen Fernsehen. In dieser Zeit absolvierte er nebenher eine Ausbildung zum Archivar.

Zudem bot er damals für die Volkshochschule Fahrradtouren zu historischen Stätten des Nationalsozialismus in München an. Kontakte nach Dachau hatte Knoll bereits in den frühen Neunzigerjahren geknüpft: Er referierte bei den alljährlichen internationalen Jugendbegegnungswochen. Als seine zukünftige Stelle in Dachau ausgeschrieben war, war sie insofern wie auf ihn zugeschnitten.

200 Regalmeter an Büchern und Unterlagen

Er fand eine Unmenge an Dokumenten vor und begann umgehend damit, eine Datenbank aufzubauen. "Das Hauptstaatsarchiv hat uns dabei geholfen", sagt Knoll. Ziel sei es gewesen, alle Informationen - Dokumente, Bücher, Fotos - zu verknüpfen. "Das ist heute das A und O, um Auskunft geben zu können." Und das ist heute notwendiger denn je, auch wenn die Überlebenden immer weniger werden.

"Wir kriegen circa 1400 Anfragen im Jahr", erklärt er, "großenteils von Kindern oder vor allem Enkeln von Häftlingen, die mehr über das Schicksal ihres Vaters oder Großvaters wissen wollen. Das nimmt nicht ab, sondern eher noch zu." Der Archivar, der mittlerweile personelle Unterstützung bekommen hat, hat etwa 200 Regalmeter an Büchern und Unterlagen zu betreuen.

Auskünfte erteilt der Archivar nicht nur Angehörigen, sondern auch Wissenschaftlern. Und weil er den aus München stammenden Londoner Historiker Nikolaus Wachsmann bei den Recherchen für dessen Buch "KL" über die Geschichte der Konzentrationslager tatkräftig unterstützt hatte, kam er im vergangenen Jahr zu einer außergewöhnlichen Ehrung: Er wurde auf dessen Vorschlag von der gemeinnützigen Scone-Foundation und dem Hannah-Arendt-Zentrum in New York 2015 als "Archivar des Jahres" ausgezeichnet.

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