Comicfestival Comics aus Taiwan sind ein Schwerpunkt

Die Künstlerin 61Chi ist eine aufmerksame Beobachterin des Alltags. Ihre Eindrücke hält sie in ihren Zeichnungen fest.

(Foto: Dala Publishing Company)

Die Arbeiten von Künstlern aus Taiwan sind international wieder sehr gefragt. Das spiegelt sich auf dem Münchner Comicfestival wider.

Von Jürgen Moises

In seinen gezeichneten Geschichten stehen oft Kinder, Jugendliche und auch Tiere im Zentrum. Wie etwa in "Die Sternennacht", in dem Jimmy Liao von der Freundschaft zweier Außenseiterinnen erzählt. Auch in "Der Klang der Farben", das von einem blinden Mädchen handelt, das an seinem 15. Geburtstag beschließt, seine Heimatstadt erstmals alleine zu erkunden. Gerichtet sind Liaos Bücher aber dennoch vor allem an Erwachsene, die die eindringlich erzählten Storys über Freundschaft, das Erwachsenwerden oder die Einsamkeit des Großstadtlebens auch zu schätzen wissen. Genauso spricht der poetische, oft sehr farbenfrohe Zeichenstil des Taiwanesen, der erst mit 40 Jahren und ausgelöst durch eine Krebserkrankung zum Medium Comic fand und heute in Ostasien als Star gilt, eine breite, ältere Leserschaft an.

Comics aus Taiwan sind ein Schwerpunkt auf dem Comicfestival

Weltweit zählt Jimmy Liao neben dem vor zwei Jahren verstorbenen Manga-Großmeister Chen Uen zu den bekanntesten taiwanesischen Comickünstlern. Und weil in diesem Jahr "Comics aus Taiwan" einen der Schwerpunkte bilden, werden auf dem Comicfestival Ausstellungen zu beiden gezeigt.

Das gilt auch für Sean Chuang, dessen Comic "Meine 80er-Jahre - Eine Jugend in Taiwan" im Jahr 2015 bei uns erschien und von dem ebenfalls Werke zu sehen sind. Und für 61Chi, die zu den vielversprechenden Newcomern in Taiwan gehört und von der vor Kurzem "Das Mädchen und der Traumfressertapir" auf Deutsch herauskam. Es sind Signierstunden mit den eingeladenen Künstlern geplant sowie mehrere Podiumsveranstaltungen, bei denen unter anderem der taiwanesische Verleger Abo Huang von seiner Zusammenarbeit mit dem Zeichner Chen Uen erzählen wird. Für den Besucher bietet das alles die Chance, eine lebendige und vielseitige Comickultur kennenzulernen, die ihre erste Hochphase in den Achtzigerjahren hatte und sich nach einer durch eine Überschwemmung mit japanischen Comics ausgelösten Krise in den Neunzigern seit einiger Zeit wieder im Aufwind befindet.