"Viele positive Begegnungen":Ude in Afrika

"Viele positive Begegnungen": Alt-Oberbürgermeister Christian Ude im Januar in Burkina Faso zusammen mit Fadumo Korn.

Alt-Oberbürgermeister Christian Ude im Januar in Burkina Faso zusammen mit Fadumo Korn.

(Foto: Walter Korn/oh)

Der Alt-OB besucht Burkina Faso, um einen Hilfsverein zu unterstützen, der gegen die Beschneidung von Mädchen kämpft.

Von Martina Scherf

Eine Reise nach Burkina Faso ist nicht ungefährlich. Es gab zwei Militärputsche im vergangenen Jahr, islamistische Terrorgruppen und Milizen aus den Nachbarländern verbreiten Gewalt. Christian Ude, 75, flog trotzdem hin. Er unterstützt die Münchnerin Fadumo Korn und ihren Hilfsverein "Nala", der gegen die grausame Beschneidung von Mädchen kämpft. Jetzt konnte sich Münchens Alt-Oberbürgermeister selbst ein Bild von den Fortschritten machen. Und noch während die kleine Reisegruppe in der Hauptstadt Ouagadougou weilte, wurden im Norden des Landes 50 Mädchen von Islamisten entführt.

"Ich habe es bereut, nicht schon früher in dieses Land gereist zu sein", sagt Ude nach seiner Rückkehr. Die Menschen seien sehr arm, die Corona-Pandemie habe die Lage noch verschlimmert - "und dennoch haben die Leute so viel Lebenskraft, ich hatte viele positive Begegnungen." Die Schulen, Kindergärten und Gesundheitsstationen, die Nala unterhält, befinden sich im Großraum der Hauptstadt. Dort sei es sicher, habe ihm der deutsche Botschafter versichert. Tatsächlich war die Begegnung mit freilaufenden Krokodilen in einem Naturpark dann auch die brenzligste Situation während seines zehntägigen Aufenthalts.

Der Mut der Mädchen und Frauen hätten ihn berührt, erzählt Ude. Er saß bei 37 Grad im Schatten eines Baumes und hörte zu, wie sie von ihrem Leid und ihrem Schmerz erzählten, um andere zu warnen. "Der Kreis der einheimischen Helferinnen vergrößert sich zusehends." Die Zahl der Beschneidungen in dem westafrikanischen Land gehe zurück. Doch es ist ein mühsamer Kampf gegen uralte Traditionen. "Noch immer werden fast zwei Drittel aller Mädchen beschnitten." Die Vollstreckerinnen sind alte Frauen, die den Familien erzählen, ihre Töchter bekämen keinen Mann, wenn sie nicht beschnitten seien. Sie hantieren mit rostigen Rasierklingen oder Messern. Viele Kinder sterben an den Folgen von Infektionen.

Fadumo Korn ist in Somalia aufgewachsen und wurde als Kind selbst beschnitten. Sie leidet bis heute an den Folgen. 1979 kam sie nach München und lernte ihren Mann Walter Korn kennen. Seither arbeitet sie als Dolmetscherin und engagiert sich für Migrantinnen. 2012 gründete sie "Nala - Bildung statt Beschneidung". Der Verein betreibt unter anderem eine Schule mit 1200 Plätzen und einem Garten, in dem Lebensmittel angebaut werden. Die Kinder und ihre Mütter erhalten Essen, Kleidung, sauberes Trinkwasser. "Durch diese Hilfe wächst Vertrauen", sagt Ude. Im Großraum Ouagadougou lebten mittlerweile fast zwei Millionen Binnenflüchtlinge, "die tauchen in keiner der weltweiten Statistiken auf". Sie fliehen vor Gewalt, Terror, Dürre. Auch sie werden von Nala betreut.

"Durch diese Hilfe wächst Vertrauen."

Ältere Mädchen werden zu Botschafterinnen von "Bildung statt Beschneidung" ausgebildet. Aber auch Männer, Christen und Muslime, würden sich engagieren, sagt Ude. "Zu meinen eindrücklichsten Begegnungen gehörten vier Könige. Weise alte Männer. Sie haben sehr fortschrittliche Gedanken und erzählten mir, dass sie in allen Dörfern ihrer Region vor der Verstümmelung der Mädchen warnen."

"Viele positive Begegnungen": Am FC Bayern kommt Löwen-Fan Ude auch in Afrika nicht vorbei.

Am FC Bayern kommt Löwen-Fan Ude auch in Afrika nicht vorbei.

(Foto: Walter Korn)

Als Ude eine Schulklasse besuchte, schrien die Kinder "Bay-ern Mün-chen" - "da konnte ich mich natürlich nicht als Löwen-Fan outen." Der Alt-OB und Anhänger von 1860 spielte mit. "Wir haben trotz aller Schwierigkeiten ein erstaunlich funktionales Land erlebt, das sich mit aller Kraft gegen den Terror stellt", sagen Fadumo und Walter Korn. Sie werden weiter machen. Christian Ude will jetzt auch in anderen bayerischen Kommunen um Unterstützung werben. "Mit 2000 Euro kann man mechanische Nähmaschinen für die Schule kaufen und Mädchen eine Ausbildung ermöglichen. Und wer einen Beruf hat, wird selbstbewusster", sagt er. Dann haben die alten Frauen mit den Messern nicht mehr so leichtes Spiel.

Christian Ude, Fadumo und Walter Korn berichten am Montag, 6. Februar, um 19 Uhr im Münchner Kulturzentrum Luise, Ruppertstraße 5, und am 10. Februar um 16 Uhr in der Volkshochschule Ingolstadt von ihrer Reise. www.nala-fgm.de.

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