Kritik:Hinreißende Revue

Lesezeit: 1 min

Ein Konzertabend mit Cecilia Bartoli in der Isarphilharmonie

Von Andreas Pernpeintner, München

Man muss über diesen Konzertabend mit Cecilia Bartoli in der Isarphilharmonie allerhand sagen. Wie herrlich klar sie singt, welch vorzügliches Ensemble für die Musik des 18. Jahrhunderts "Les Musiciens du Prince - Monaco" unter der Leitung von Gianluca Capuano sind. Aber man muss wohl mit der Frage beginnen, ob das überhaupt ein Konzertabend ist. Natürlich. Aber auch eine hinreißende Revue für Alte Musik.

Die dunkel vertäfelte Philharmonie ist der neutrale Rahmen für ein halbszenisches Erlebnis, in dem einzelne Musikstücke so geschickt verbunden werden, dass der Eindruck eines aus einem Guss gefertigten Musiktheaters entsteht. Projizierte Bilder und einige Requisiten machen das Podium zur Bühne. Hier leitet ein Paukenwirbel von Nicola Porporas Arie "Lontan dal solo e caro ... Lusingato dalla speme" aus "Polifemo" über zu Händels "Entrée des songes funestes" aus "Ariodante", dort eine Fanfare Telemanns Trompetenkonzert Nr. 1 ein. Während der Orchesterstücke sitzt Bartoli vor einem Frisierspiegel und lässt sich von Schauspieler und Tänzer Xavier Laforge für den nächsten Auftritt zurechtmachen. Laforge mimt einen wunderbaren Lakaien, umwedelt Bartoli bei Händels Kleopatra-Arie "V'adoro, pupille" mit einem riesigen Federfächer, stiftet sie zu einer Tanzeinlage an. Solo-Oboe und Solo-Trompete tragen mit Bartolis Mezzo einen neckischen Wettstreit aus, wer die schönsten Ornamente zuwege bringt. Auch die Flöte ist eine fabelhafte Duettpartnerin.

Vogelgezwitscher leitet das Finale ein. Die Musik trillert licht, Bartoli schwenkt zu Händels "Augelletti, che cantate" ein Vöglein umher, bevor das Programm mit "What passion cannot Music raise and quell" schließt. Bartoli bläst eine Kerze aus. Schluss? Nein. Der Zugabenteil wird köstlich: mit einem erneuten Koloraturenwettstreit, den durch ihren abrupten Wechsel in den Jazz diesmal die Trompete gewinnt. Gershwins "Summertime" wird an diesem Abend deshalb auch noch gesungen (witzig!) - und ein dahinschmelzendes "Non ti scordar di me".

Zur SZ-Startseite

Lesen Sie mehr zum Thema

Süddeutsche Zeitung
  • Twitter-Seite der SZ
  • Facebook-Seite der SZ
  • Instagram-Seite der SZ
  • Mediadaten
  • Newsletter
  • Eilmeldungen
  • RSS
  • Apps
  • Jobs
  • Datenschutz
  • Abo kündigen
  • Kontakt und Impressum
  • AGB