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Buchläden:Diese Münchner Buchhandlungen sind einen Besuch wert

Drei Münchner Läden sind mit dem Deutschen Buchhandlungspreis ausgezeichnet worden. Wir stellen sie und zehn weitere schöne Buchgeschäfte vor.

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Buchhandlung Wilma Horne

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Quelle: Alessandra Schellnegger

Wer genug vom Lärm und den anonymen Menschenmassen in München hat, sollte einen Abstecher in die Buchhandlung "Wilma Horne" in Haidhausen machen. Die Stimmung dort ist so ruhig und familiär, dass man sich geradezu beschenkt fühlt. 1982 hat Wilma Horne den Laden übernommen und bemüht sich seitdem um ein literarisches Angebot jenseits der Bestsellerlisten.

Aber es gibt nicht nur Bücher, sondern auch eine große Palette an CDs, Hörbüchern und Spielen. Für Kinder ist extra ein Zimmer im hinteren Teil der Buchhandlung eingerichtet: mit Sofa, Stofftieren und viel Platz zum gemütlichen Lesen. Und für die Kleinen steht auch immer ein Glas mit Gummibärchen neben der Kasse.

"Manchmal geben Leute ihre Kinder ein paar Stunden bei uns ab und wir passen auf sie auf", erzählt Claudia Raith, die seit 17 Jahren hier arbeitet. Mittlerweile heiße es in Haidhausen oft nur noch "wir gehen zur Wilma". Der Laden ist in den vergangenen Jahren zu einer Art sozialem Knotenpunkt im Viertel geworden. Wohnungen werden organisiert, Schlüssel verwahrt oder auch mal Päckchen für die Nachbarschaft angenommen - solange sie nicht von Amazon oder Zalando geliefert werden.

Eines der Highlights von "Wilma Horne" ist die jährliche Lesung mit der mehrfachen Literaturpreisträgerin Mirjam Pressler. Daneben gibt es immer wieder Buchvorstellungen von Autorinnen und Autoren aus der Region.

Für den Deutschen Buchhandlungspreis 2018 wurden sieben Läden in Bayern nominiert - "Wilma Horne" gehört dazu und wurde als "hervorragende Buchhandlung" ausgezeichnet (die Übersicht über alle Preiseträger gibt es hier).

Buchhandlung Wilma Horne, Wörthstraße 18, 81667 München

Öffnungszeiten von Montag bis Freitag von 10 bis 18.30 Uhr, am Samstag von 10 bis 14 Uhr

Magdalena Latz

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Lillemors Frauenbuchladen

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Quelle: Catherina Hess

Lillemors Frauenbuchladen ist ein kleiner Ort Zeitgeschichte. Es war die erste Buchhandlung für Frauen in Deutschland und in den 70er, 80er Jahren der Anlaufpunkt für Feministinnen in München. 1975 gründeten eine Buchhändlerin, eine Grafikerin, eine Hausfrau und drei Studentinnen das Geschäft, damals noch in der Arcisstraße. Heute hat das Geschäft nur noch zwei Chefinnen: Ursula Neubauer und Andrea Gollbach, die beide in den späten 70er und frühen 80er Jahren dazu kamen. Damals gab es noch kaum Anlaufpunkte für Frauen mit Gewalt- und Missbrauchserfahrungen, erinnert sich Ursula Neubauer. Viele seien deswegen in das Geschäft gekommen und suchten sich dort Hilfe. Weil man diesen Frauen einen geschützten Ort geben wollte, waren Männer dort verboten.

Eigentlich wäre Neubauer mit ihren 71 Jahren schon in Rente, kommt aber trotzdem jeden Öffnungstag in den Laden, von morgens um 9 bis abends "Das ist ein Herzensding", sagt sie. Sie genießt den Austausch mit anderen Menschen, die Literatur, die neuen Einflüsse. Schon in den vergangenen drei Jahren gehörte das Geschäft beim Deutschen Buchhandlungspreis zu den 100 hervorragendsten Buchhandlungen. Über die Auszeichnung 2018 in dieser Kategorie freut sich Neubauer. Es sei eine schöne Bestätigung für die Arbeit, die Neubauer trotz der ganzen Auf und Abs seit knapp 30 Jahren macht, sagt sie. Nach den 1980er Jahren hatte das Interesse in feministische Literatur spürbar abgelassen, das habe sich auch in den Verkaufszahlen bemerkbar gemacht. Umso mehr freut Neubauer, dass der Feminismus in den vergangenen Jahren, nach #Aufschrei und #Metoo, wieder Schub bekommen hat. "Gerade bei jungen Frauen, das freut uns besonders".

Eigentlich werden hier nur Bücher von Autorinnen verkauft, in den Reihen finden sich aber auch einige männliche Schreiber. Dabei handele es sich um Bestellungen von Kunden, die nicht abgeholt worden sind, sagt Neubauer. "Ich würd sagen, 99% der Bücher hier sind von Frauen." Neben den Kategorien Krimis und Belletristik finden sich auch die Abteilungen Faschismus und Widerstand, Frauenbewegung und Lesben. Zur letzteren gehören neben konzeptionellen Büchern auch Liebesromane mit weiblichen Protagonistinnen.

Lillemors Frauenbuchladen, Barer Straße 70, 80799 München

Öffnungszeiten von Montag bis Freitag von 10 bis 18.30 Uhr, am Samstag von 10 bis 14 Uhr

Camilla Kohrs

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Buchpalast

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Quelle: Stephan Rumpf

Betritt man die kleine Buchhandlung "Buchpalast" am Max-Weber-Platz, fühlt man sich gleich wie Zuhause. Denn die Architektur des Buchpalasts erinnert eher an das Heim eines Bücherwurms als an ein Geschäft: Verschiedene kleine Räume, frische Farben, liebevolle Einrichtung. Mehrere Kunden schmökern durch die Regale, unter ihnen einige Eltern und Kinder.

Kinder- und Jugendliteratur gehört neben der Belletristik schließlich zu den Schwerpunkten der Buchhandlung, erklärt Inhaberin Friederike Wagner. Insbesondere Mitinhaberin Katrin Rüger zählt zu den Experten im Bereich der Jugendliteratur: Sie leitet nicht nur den Leseclub "Die Bücherfresser" der Buchhandlung, sondern saß auch bereits in der Jury des Deutschen Jugendliteraturpreises. Der Buchpalast selbst hat ebenfalls schon Preise gewonnen, zum Beispiel den deutschen Buchhandlungspreis 2015 und 2016. Auch 2018 ist das Geschäft als "hervorragende Buchhandlung" ausgezeichnet worden.

Expertise und individuelle Beratung lockt seit der Eröffnung des Buchpalasts 2014 zunehmend Kundschaft an. "Wir haben auch Kunden, die aus Pasing extra herkommen", erzählt Friederike Wagner. So konnten die beiden Buchhändlerinnen die Räumlichkeiten ihres Buchpalasts kürzlich sogar erweitern: Sie übernahmen ein kleines Modegeschäft von nebenan und brachen die Wände durch.

Buchpalast, Kirchenstraße 5, 81675 München

Öffnungszeiten von Montag bis Freitag von 10 bis 18.30 Uhr, Samstag von 10 bis 14 Uhr

Sophia Baumann

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Words' Worth

Words' Worth Buchhandlung

Quelle: ho

"Wir haben schwere Zeiten hinter uns", sagt Günther Knust. Er ist einer der drei Geschäftsführer von Words' Worth, einer englischsprachigen Buchhandlung im Münchner Universitätsviertel. Sein Laden hatte in den vergangenen Jahren unter der Krise des klassischen Buchhandles zu leiden. Inzwischen sieht er jedoch einen "Silberstreifen am Horizont". Seine Kunden würden "Face-to-Face-Communication" und Beratung zunehmend schätzen, erzählt Knust.

Als ausgebildeter Buchhändler kennt er sich insbesondere mit irischer Literatur aus, seine Kollegen haben andere Schwerpunkte. "Words' Worth", 1985 von drei Freunden gegründet, deckt ein breites Sortiment an englischer und amerikanischer Literatur ab. Zu den wichtigsten Kunden zählen Touristen und Studenten, letztere kehren zu Knusts Freude häufig wieder. Begeistert erzählt er auch, dass er einen seiner ehemaligen Lehrer unter den Kunden wiederentdeckte. Ihn interessiere die Bandbreite des menschlichen Verhaltens, erzählt er. Knust genießt es offensichtlich, als Buchhändler das Leben seiner Kunden zu begleiten.

Words' Worth, Schellingstraße 3, 80799 München

Öffnungszeiten von Montag bis Freitag von 9 bis 20 Uhr, am Samstag von 10 bis 16 Uhr

Sophia Baumann

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Buch Perthel / Buchhandlung am Gasteig

Buch Perthel (Hochformat)

Quelle: ho

Im Hintergrund vermischen sich gemurmelte deutsche und englische Wortfetzen, mehrere Kunden stöbern in den hohen Regalen von Buch Perthel. Viele Touristen kommen in die Buchhandlung, da sie die Auswahl an englischsprachigen Büchern schätzen. Nach 51 Geschäftsjahren besitzt Buch Perthel allerdings auch eine treue Münchner Stammkundschaft.

Inhaber Wolfgang Perthel glaubt, bei ihnen vor allem mit einer großen Auswahl an Kinderbüchern und einer "sehr feinen Belletristikabteilung" zu punkten. Eine weitere Spezialität der Buchhandlung sind Bücher aus Japan. "Da gibt es wunderbare Autoren", schwärmt Perthel. Er selbst interessiert sich insbesondere für Literatur über Musik. Nachdem die digitale Konkurrenz in den 2000er-Jahren der Branche stark zugesetzt hat, ist Perthel inzwischen wieder optimistischer gestimmt: "Wir spüren seit zwei Jahren einen Aufschwung", erzählt er.

Buch Perthel / Buchhandlung am Gasteig, Rosenheimer Str. 12, 81669 München

Öffnungszeiten von Montag bis Samstag von 10 bis 20 Uhr

Sophia Baumann

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Oxfam Buchshop

Oxfam; Oxfam Buchshop München

Quelle: © argum / Thomas Einberger

In der Fürstenfelder Straße gleich hinter dem Marienplatz, befindet sich eine außergewöhnliche Buchhandlung: Der Oxfam Buchshop. Es handelt sich um einen Secondhand-Laden, alle Bücher im Sortiment sind gespendet worden. Das hat nicht nur günstige Preise zur Folge. Oft hat der Oxfam Buchshop auch außergewöhnliche Bücher, die sich von der Stapelware der großen Buchläden unterscheidet.

Das schätzen viele Sammler, die zu dem Stammpublikum der Buchhandlung gehören, erzählt Shop-Leitung Christa Opitz-Schwab. Sie arbeitet - wie alle anderen Mitarbeiter auch - ehrenamtlich im Oxfam Buchshop. Durch Zufall entdeckte sie vor ungefähr acht Jahren den Laden und beschloss, sich dort zu engagieren. Das Team nimmt Spenden entgegen, sortiert die Bücher und berät Kunden - wenn auch eher anhand persönlicher Erfahrungen, denn eine fachliche Ausbildung im Buchhandel hat kaum einer der Ehrenamtlichen. Was verbindet, ist die Liebe zu den Büchern.

Oxfam Buchshop München, Fürstenfelder Str. 7, 80331 München

Öffnungszeiten von Montag bis Freitag von 10 bis 19 Uhr, am Samstag von 10 bis 18 Uhr

Sophia Baumann

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Shakespeare & Co.

Eugen Hillenbrand in seinem Antiquariat in München, 2014

Quelle: Florian Peljak

Die kleine Buchhandlung "Shakespeare & Co." zerbirst fast. Der enge, dunkle Raum ist bis unter die Decke mit Büchern vollgestopft. Nicht die ganze Ware passt in die hohen Regale, viele Werke stapeln sich hüfthoch auf dem Fußboden, sogar die schmalen Treppenstufen sind teilweise mit Literatur bedeckt. Es duftet nach vergilbten Büchern, in der Luft hängt Staub der letzten 40 Jahre. So lange existiert diese besondere Buchhandlung, die gleichzeitig ein Antiquariat ist, nämlich.

2018 musste "Shakespeare & Co." aber aus dem Gebäude am Rindermarkt ausziehen, denn das Haus wird saniert. Für Inhaber Eugen Hillenbrand gibt es dennoch keinen Grund für allzu große Trauer: "Die Stadt hat die Interessen der kleinen Einzelhändler gewahrt", findet Hillenbrand. Nach Abschluss der Sanierung wird der kleine Buchladen voraussichtlich wieder in seine Räumlichkeiten am Rindermarkt zurückkehren. Das verdankt Hillenbrand der "sehr sozialen" Preisgestaltung der Mieten von Seiten der Stadt, wie er betont. Bis dahin ist er am Sankt-Jakobs-Platz zu finden.

"Shakespeare & Co." zählt zu kulturellen Urgesteinen der Münchner Innenstadt, besonders spezialisiert auf Buchtitel mit bayerischem oder münchnerischem Bezug. Buchhändler Hillenbrand selbst hat noch eine ganz eigene Vorliebe: "Mich interessiert der Bereich des philosophischen Buchs", erzählt er. Er komme allerdings nicht mehr zu besonders ausführlichem Lesen. Nach Jahren im Geschäft habe er sich eher den "schnellen Durchgang" angewöhnt, stets auf der Suche nach einer ausdrucksstarken Sentenz.

Shakespeare & Co., Sankt-Jakobs-Platz 1, 80331 München

Öffnungszeiten von Montag bis Freitag von 10 bis 18 Uhr, am Samstag von 10 bis 18 Uhr

Sophia Baumann

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Literatur Moths

Literatur Moths

Quelle: ho

"Wir sind auf das Beste spezialisiert", erklärt Inhaberin Regina Moths selbstbewusst. Das behaupten wohl viele Geschäftsinhaber - und doch ist die Buchhandlung Moths ganz speziell. Das beginnt schon bei der Architektur: Licht durchflutet die Räumlichkeiten des Ladens, der dunkle Boden bildet einen Kontrast zu den hellen Holzregalen, in denen die Bücher drapiert sind. Im Hintergrund läuft ruhige Musik, an den Wänden hängen Kunstwerke.

Trotz allem stehen die Bücher im Mittelpunkt - und diese sind streng ausgesucht. So erzählt Moths, dass ihr Team alle Bücher im Laden kennen würde. Unterhaltungswert sei ein wichtiges Kriterium für die Auswahl ihres Sortiments, das sie allerdings nicht mit Anspruchslosigkeit verwechselt wissen wollen. "Brillante Literatur liest sich meist leicht", erklärt die Inhaberin. Sie findet, die Lebenszeit sei zu kostbar für schlechte Bücher. Deshalb bereitet sich ihr Team schon Wochen vor den Sommerferien auf die Urlaubszeit vor - sie wollen den Kunden schließlich nur die beste Urlaubslektüre vorschlagen.

Viele Menschen aus der Nachbarschaft am Isartor schätzen das und zählen zur Stammkundschaft der Buchhandlung. Gerade bei jungen Erwachsenen gehöre der persönliche Einkauf wieder zur Lebenskultur, glaubt Moths. Doch auch, wer lieber im Internet bestellt, ist bei dieser Buchhandlung gut aufgehoben. Über die LChoice-App kann man Bücher direkt beim Buchhändler bestellen und sich nachhause schicken lassen. Bei allem Engagement, das Regina Moths und ihre drei Mitarbeiterinnen zeigen, schwingt bei der Inhaberin doch auch ein bisschen Bitterkeit über den Zustand der Branche mit. "Bücher sind mir viel zu billig", kritisiert Moths. Weder Autoren, noch Händler könnten angemessen davon leben.

Literatur Moths, Rumfordstraße 48, 80469 München

Öffnungszeiten von Montag bis Freitag von 10 bis 19 Uhr, am Samstag von 10 bis 16 Uhr

Sophia Baumann

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Buchhandlung Lentner

Gutscheine einlösen nach Weihnachten

Quelle: Florian Peljak

"Wer bei Amazon einkauft, unterstützt Ausbeutung der Mitarbeiter und sorgt langfristig für unglückliche Geschäftsleute und tote Innenstädte und Leerstand in den Stadtteilen", begrüßt die Kunden der Buchhandlung Lentner ein handgeschriebenes Schild an der Eingangstür. Einmal eingetreten, sorgen massive Bücherregale und alte Sessel für einen altehrwürdigen Eindruck - zu Recht: Mit einem stolzen Alter von mehr als 300 Jahren ist die Buchhandlung Lentner die älteste Buchhandlung Altbayerns. In seinen heutigen Räumlichkeiten am Marienplatz befindet sich der Laden aber erst seit Ende des zweiten Weltkriegs.

Dort finden Buchliebhaber ein buntes Sortiment, insbesondere in der Belletristik ist die Buchhandlung Lentner breit gefächert. Folgt man der schmalen Wendeltreppe in den ersten Stock, kann man aber zum Beispiel auch in philosophischer und lyrischer Literatur schmökern.

Der Laden hat aufgrund seiner zentralen Lage viel Laufkundschaft, lebt aber auch von den Stammkunden - denn: "Wir versuchen, die beste Beratungsbuchhandlung zu sein", erklärt Mitarbeiter Jakob Rauch. Neben der Zentrale am Marienplatz gibt es zwei weitere Läden in der Balanstraße und in Neubiberg.

Buchhandlung Lentner, Marienplatz 8, 80331 München

Öffnungszeiten von Montag bis Freitag von 10 bis 20 Uhr, am Samstag von 10 bis 18 Uhr

Sophia Baumann

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Buchhandlung Lehmkuhl

Buchhandlung Lehmkuhl

Quelle: Matthias Kneppeck/oh

Die 1903 gegründete Buchhandlung Lehmkuhl ist ein Traditionsgeschäft, folgt aber dennoch der Zeit. Dieser Eindruck ergibt sich zumindest angesichts des großen Online-Shops, in dem auch E-Books erworben werden können. "Auf der einen Seite sind wir eine ganz normale Stadtteilbuchhandlung, auf der anderen Seite werden wir als literarische Buchhandlung wahrgenommen", sagt Geschäftsführer Michael Lemling. Das Erfolgsgeheimnis von Lehmkuhl sei die Mischung.

Das Sortiment der Buchhandlung ist groß, neben Belletristik, Sachbüchern und Reiseführern gibt es auch eine breite Auswahl an Kinder- und Jugendbüchern. Die Festangestellten haben sich auf verschiedene Genres spezialisiert, Lemling selbst ist insbesondere für philosophische, theologische und politische Sachbücher verantwortlich. Nach dem Politik- und Germanistik-Studium hat er sich zum Buchhändler ausbilden lassen, seine Leidenschaft zum Beruf gemacht. Seit 2006 ist er Geschäftsführer von Lehmkuhl.

In der Buchhandlung finden 30 bis 45 Veranstaltungen im Jahr statt, auch ein Kinder-Leseclub "LehmCool" gehört zum Angebot. Darüber hinaus ist Lehmkuhl Mitglied der Buchhandlungskooperation "5 plus", die gemeinsam ein Kundenmagazin entwickeln und ein Buch verlegen, das nur die teilnehmenden Buchhandlungen verkaufen.

Buchhandlung Lehmkuhl, Leopoldstraße 45, 80802 München

Öffnungszeiten von Montag bis Freitag von 10 bis 19.30 Uhr, am Samstag von 10 Uhr bis 19 Uhr

Sophia Baumann

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Buchhandlung am Wettersteinplatz

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Quelle: Robert Haas

So richtig idyllisch ist die Lage dieser Buchhandlung ja nicht. Links ein Dönerladen, rechts eine Apotheke, und am Straßenrand gegenüber ein dürftiger Park, in dem sich einsame Gestalten an ihrem Bier festhalten. Wer sich in diesem schwer zu gentrifizierenden Teil Giesings in andere Sphären sehnt, betritt am besten schnellen Schrittes die "Buchhandlung am Wettersteinplatz" und lässt sich von Inhaberin Beate Krippendorf ein gutes Buch empfehlen.

Ihr Laden sei "eine typische Stadtteilbuchhandlung", sagt die gebürtige Recklinghauserin; seit etwa 20 Jahren führt sie den Laden, der - zunächst in der Grünwalder Straße gelegen - schon seit den Sechzigerjahren besteht. Ein Ort der Begegnung sei er, sagt Krippendorf, weil man hier Zeit zum Stöbern mitbringe und auch mal auf Bekannte treffe. Viele ihrer zahlreichen Stammkunden kommen aus dem angrenzenden, wohlhabenderen Harlaching, "die kaufen auch mal ein gebundenes Buch". In Giesing wiederum gebe es "unglaublich viele junge Familien", die Lesestoff suchen. Kinderbücher sind der Buchhändlerin ohnehin wichtig, und dass sie nicht nur die wichtigsten belletristischen Neuerscheinungen, sondern auch die aktuelle Jugendliteratur kennt, merkt man als Kunde schnell.

Dahinter steckt jede Menge Einsatz. Krippendorf liest nicht nur viel und breit gefächert, ihr Sortiment reicht dementsprechend von Strandlektüre bis zu Hanya Yanagihara. Sie steht auch meist selbst im Laden: Nur für ein langes Wochenende im Monat lässt sie sich vertreten, länger als eine Woche Urlaub hatte sie seit zehn Jahren nicht mehr - "aber das ist nicht so schlimm", fügt sie schnell hinzu. Jammern will sie auf keinen Fall; es laufe gut, sagt sie, auch wenn es nicht für Angestellte reiche. Selbstausbeutung? Das würde sie selbst nie so formulieren. Was sie antreibt, ist die Liebe zu Büchern und zum Reden darüber, "das finde ich wichtig". Und der Dank mancher Kunden, denen sie vielleicht Werke geschätzter Autoren wie Dörte Hansen, Christoph Poschenrieder oder Graham Swift empfohlen hat: "Dafür lebt und arbeitet man gerne."

Buchhandlung am Wettersteinplatz, Wettersteinplatz 2, 81547 München

Öffnungszeiten von Montag bis Freitag von 9 bis 19 Uhr, am Samstag von 9 bis 16 Uhr.

Antje Weber

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Buchhandlung am Nordbad

Buchhandlung am Nordbad

Quelle: Florian Peljak

Das Sortiment, das die Inhaberinnen Marielle Krammel (im Bild links) und Friederike Meier mit spürbarer Leidenschaft in ihrer Buchhandlung am Nordbad präsentieren, ist Ausdruck dessen, "was wir für besonders spannend, schön oder außergewöhnlich halten", sagt Meier. Im Prinzip deckt das Angebot die ganze Bandbreite vom Kinderbuch über die Belletristik bis hin zum Sachbuch ab. Dabei ist die Auswahl aber immer unbedingt persönlich und besonders, die Titel der Bestseller-Listen sind eher weniger vertreten.

Das kleine Ladenlokal mit dem Wohnzimmerfeeling könnte in keinem größeren Kontrast zu seiner Umgebung, dem gesichtslosen Häusereinerlei rund ums Nordbad, stehen. In schöner Atmosphäre und ohne Chichi könne man hier über Bücher stolpern, von denen man im Netz niemals erfahren hätte, hat die Autorin und Filmemacherin Doris Dörrie einmal über die Buchhandlung am Nordbad gesagt. Und sie deshalb zu ihrer "Lieblingsbuchhandlung" erklärt. Vor rund acht Jahren übernahmen Krammel und Meier die früher dort ansässige Buchhandlung Damonte.

"Marielle und ich waren gerade auf der Suche nach einem eigenen Ladenlokal, da erzählte uns ein Vertreter auf der Frankfurter Buchmesse, dass die beiden älteren Damen in Rente gehen und ihr Geschäft verkaufen wollten", erinnert sich Meier. Eigentlich waren die schon beinahe mit anderen Interessenten handelseinig geworden, "doch dann waren wir ihnen so sympathisch, dass sie sich für uns entschieden haben", sagt Meier und lacht. Auf einer Abschiedsparty stellten sie die Nachfolgerinnen ihrer Stammkundschaft vor. "Die sind dem Laden größtenteils treu geblieben." Ebenso wichtig sei die Laufkundschaft, die durch das Schwimmbad, das Ärztehaus und den Blumenladen in den Laden komme. Und sich von Dingen überraschen und verführen lässt, die sie gar nicht suchten: wunderbaren Büchern über Zigarren und Bärte zum Beispiel.

Buchhandlung am Nordbad, Elisabethstraße 55, 80796 München

Öffnungszeiten von Montag bis Freitag von 9.30 bis 18.30 Uhr, am Samstag von 9.30 bis 14 Uhr

Barbara Hordych

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Bücher Hacker

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Quelle: Robert Haas

"Dieses Schaufenster wurde von unseren Praktikanten Rafaele und Maxi gestaltet." So steht es mit schwarzem Filzstift auf gelbem Tonpapier geschrieben in der Buchauslage von Bücher Hacker in Laim. Die Botschaft des Satzes: Vertrauen und Wertschätzung des Personals. "Unsere Mitarbeiterinnen arbeiten vollkommen selbständig", erklärt Roman Schiefer, der gemeinsam mit Bruder und Schwester die Buchhandlung an der Fürstenrieder Straße betreibt. Dabei sei jeder auf eine bestimmte Warengruppe oder Aufgabe spezialisiert und kümmere sich eigenverantwortlich um Einkauf, den wöchentlichen Newsletter oder Veranstaltungen.

1946 wurde die inzwischen einzige Laimer Buchhandlung von Siegfried Hacker gegründet. 1995 hat Ulrich Schiefer den Laden übernommen und 2016, nach seinem Tod, dessen Kinder: Roman (im Bild mit Mitarbeiterin Elena Nietgen), Paul Julie. Die Buchhandlung zu verkaufen, kam für die drei Studenten nicht in Frage. "Wir sind damit aufgewachsen", sagt Roman Schiefer. Und sein Bruder Paul ergänzt: "Das alles aufzugeben wäre schade gewesen." Vor allem weil Bücher Hacker in Laim so tief verwurzelt sei. Das sind auch die acht Frauen im Alter von 20 bis weit über 60 Jahren, die in der Buchhandlung in Teilzeit beschäftigt sind, Buchhändlerinnen genauso wie studierte Geisteswissenschaftlerinnen oder Fotografinnen. Sie kommen selbst aus dem Viertel oder arbeiten schon viele Jahre bei Hacker. Die Mitarbeiterinnen kennen die literarischen Vorlieben ihrer Stammkunden, wissen, was die Kinder an Schulbüchern brauchen, und empfehlen, was sie selbst als passionierte Leserinnen begeistert. "Unser Geschäft lebt vom persönlichen Kontakt und der Beratungskompetenz", erklärt Paul Schiefer.

Auch im Dezember wird wieder bei Häppchen und Schampus zur "Ladies Night" geladen, bei der die Mitarbeiterinnen den Frauen aus dem Viertel ihre liebsten Neuerscheinungen präsentieren.

Bücher Hacker, Fürstenrieder Straße 44, 80686 München

Öffnungszeiten von Montag bis Freitag von 9 bis 19 Uhr, am Samstag von 9 bis 16 Uhr

Stefanie Schwetz

© Süddeutsche vom 22.06.2017/Sz.de/cck

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