Brauerei Paulaner vor Umzug in den Westen

Die Schörghuber-Gruppe entscheidet in den nächsten Tagen, ob sie mit Paulaner nach Langwied im Münchner Westen zieht. In der Au könnte dann ein riesiges Areal für neue Wohnungen in bester innerstädtischer Lage freiwerden.

Von Astrid Becker

Die Schörghuber-Gruppe will nach Informationen der Süddeutschen Zeitung vermutlich in den nächsten Tagen über einen Umzug von Paulaner an den westlichen Stadtrand nach Langwied entscheiden. Damit würde in der Au ein riesiges Areal für neue Wohnungen in bester innerstädtischer Lage frei. Für die Verlagerung stehen zwei Optionen zur Diskussion: Es wird lediglich die Logistik verlegt oder, was wesentlich wahrscheinlicher ist, eine komplett neue Brauerei auf dem Gelände im Münchner Westen gebaut.

Seit etwa einem Jahr prüfen die Verantwortlichen nun schon, ob und unter welchen Umständen sich eine Brauereiverlagerung von der Au nach Langwied rentiert. Ursprünglich sollte bereits im Spätsommer eine Entscheidung fallen, doch die Prüfung gestaltete sich schwieriger als gedacht.

Zudem haben bei diesem Thema viele ein gewichtiges Wort mitzureden: Da ist zum einen der Vorstand der Schörghuber-Gruppe, zum anderen der Beirat der Schörghuber-Stiftung und schließlich die Verantwortlichen bei Heineken. Die Holländer halten etwas weniger als 50 Prozent an der Brau Holding International. Sämtliche Gremien haben das auf etwa 300 Seiten angewachsene interne Entscheidungspapier geprüft. Im Mittelpunkt stand die Frage, wie das auf rund 300 Millionen Euro geschätzte Vorhaben finanziert werden kann.

Deshalb haben nach SZ-Informationen bereits Gespräche mit der Stadt über die Verwertbarkeit und das Baurecht auf dem jetzigen Gelände der Brauerei in der Au stattgefunden. Für die Schörghuber-Gruppe, zu der auch die Bayerische Hausbau gehört, dürften dabei die Vorgaben der Stadt zumindest in einem Punkt hinreichend bekannt sein: 30 Prozent der geplanten Wohnfläche müssen im sogenannten München-Modell entstehen, also geförderter und damit bezahlbarer Wohnraum sein.

Für die Brauerei würde das bedeuten, dass sie das attraktive Gelände nicht zum maximal möglichen Preis verkaufen könnte. Doch offenbar durchkreuzen die städtischen Vorgaben die Rendite-Überlegungen der Brauerei nicht grundsätzlich, sonst wäre der Umzugsplan vermutlich längst verworfen worden. Die Stadt ihrerseits muss großes Interesse daran haben, dass der Deal klappt. Denn eine vergleichbar große Fläche für den Bau neuer Wohnungen gibt es innerhalb Münchens nicht mehr.

Klar ist, dass der heutige Zustand der Brauerei nicht zukunftsfähig ist. Schon jetzt stößt man an Kapazitätsgrenzen. Weil Paulaner aber weiter wächst, wird es am Nockherberg immer enger. Nachgedacht wurde deshalb auch über die bloße Auslagerung der Logistik und den Verbleib der Produktion in der Au - nach dem Vorbild der meisten anderen Münchner Brauereien. Doch für ein reines Logistikzentrum dürfte es auch im weiter entfernten Umland geeignete - und billigere - Flächen geben. Das Grundstück in Langwied ist hingegen bereits für den Neubau einer Brauerei gewidmet.

Deshalb ist es wahrscheinlicher, dass sich Paulaner auf den Neubau der Brauerei in Langwied verständigen wird. In Langwied könnte eine Braustätte mit einer Kapazität von etwa fünf Millionen Hektoliter entstehen. Derzeit verzeichnen Paulaner und Hacker-Pschorr zusammen einen Gesamtausstoß von knappen zweieinhalb Millionen Hektolitern. Denkbar ist daher, dass die neue Brauerei in Modulbauweise entsteht. Ein kleiner Teil von Paulaner könnte trotzdem in der Au verbleiben - zum Beispiel als Schaubrauerei im denkmalgeschützten Eiskeller an der Falkenstraße. Vielleicht wird auch ein Teil der Verwaltung auf dem Nockherberg bleiben.