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Blumentopf über die WM:"Die WM-Reime kommen spontan"

Die Münchner Band "Blumentopf" wird zur WM wieder ihre "Raportagen" machen. In Kapstadt drehen sie im Vorfeld schon ein Video dazu.

Die Münchner Band Blumentopf dürfte seit der Fußball-WM 2006 auch Nicht-HipHop-Fans ein Begriff sein: Mit ihren "Raportagen" fasste sie damals die Spiele der deutschen Nationalmannschaft für die ARD in Reimform zusammen.

Blumentopf, Bernhard Wunderlich (Holundermann)

Der Blumentopf-Musiker Florian Schuster rappt in einem Township von Kapstadt vor Einheimischen.

(Foto: Frank Hanauer)

Derzeit sind die fünf Münchner in Kapstadt unterwegs, um schon einmal die Produktion der "Raportagen" für WM in Südafrika vorzubereiten. Sueddeutsche.de hat Cajus Heinzmann und DJ Sepalot (Sebastian Weiss) von Blumentopf in ein Township begleitet, wo die Band einen Nachmittag mit Kindern verbracht hat: Auf dem Programm standen Skateboarden, Basketball und improvisierter Deutsch-Unterricht mit Rapmusik.

sueddeutsche.de: Ihr seid seit einer Woche in Südafrika. Wie sind Eure Eindrücke bisher?

Cajus: Wir kennen Südafrika bereits von früheren Reisen und wussten, was es für ein schönes Land ist. Und Kapstadt ist natürlich eine der schönsten Städte der Welt. Aber auch eine Stadt mit unglaublich krassen Gegensätzen.

Sepalot: Wir wohnen derzeit eine Stunde außerhalb von Kapstadt an der Atlantikküste im Gästehaus eines Freundes von uns aus alten Münchner Zeiten, also absolut paradiesisch. Aber wenn wir dann zum Videodreh in die Stadt müssen, geht es über zehn Minuten lang an den Townships mit Wellblechhütten vorbei. Ein paar Minuten später ist man in der Innenstadt, die auch in Holland sein könnte. Und wenn man noch einmal fünf Minuten weiterfährt, sieht man nobelste Prachtbauten am Meer, wie man sie sonst nur aus Wohnzeitschriften kennt.

sueddeutsche.de: Was sind Eure Gedanken bei diesen Bildern?

Cajus: Wie unglaublich gut es uns doch geht. Dafür können wir wirklich dankbar sein. Und es wird auch klar, warum Kriminalität in Südafrika ein so großes Problem ist: Luxus und Armut liegen hier so nah beieinander.

Sepalot: Die Apartheid ist erst seit 16 Jahren vorbei und das Land ist noch immer sehr geteilt. Die Entwicklung dauert einfach, das ist ganz normal. Manchen dauert es zu lange und sie nehmen sich mit Gewalt das, was ihnen ihrer Meinung nach zusteht.

sueddeutsche.de: Wie geht Ihr persönlich mit dem Thema Sicherheit hier um?

Sepalot: Ich denke, wenn man die gewöhnlichen Verhaltensregeln einhält, ist man auf der sicheren Seite. Also, nichts im Auto offen rumliegen lassen, nachts nicht in bestimmte Gegenden fahren, die teure Kamera nicht ganz offen zur Schau tragen, solche Sachen eben.

Cajus: Der Vergleich hinkt zwar etwas, aber wir waren 2005 im Auftrag des Goethe-Institus im Nahen Osten unterwegs, auch in Palästina. Wenn dort schwerbewaffnete Straßenposten rumstehen oder plötzlich ein Panzer im Rückspiegel auftaucht, fühlt man sich weit unsicherer. Ich habe hier noch keine Angst haben müssen.

sueddeutsche.de: Es gab einige kritische Stimmen, die die Vergabe der WM nach Südafrika verurteilt haben, darunter auch der Präsident des FC Bayern, Uli Hoeneß. Wie steht Ihr dazu?

Cajus: Ich denke, dass es absolut richtig war und Südafrika eine tolle WM auf die Beine stellen wird. Das Stadion in Kapstadt ist großartig und das Land ist schon in WM-Stimmung. Aber es wird auch noch überall fleißig gebaut - ein bisschen was ist schon noch zu tun.

Sepalot: Aber die schaffen das, keine Frage. Mich nervt, dass immer dieser europäische Standard verlangt wird. Aber findet die WM nicht extra deswegen in Afrika statt, weil man eine afrikanische WM wollte?

Lesen Sie auf der nächsten Seite, warum sich Blumentopf schon auf das Spiel der Deutschen gegen Ghana freuen.