Hertzkammer:Von nah und fern

Hertzkammer: Mira Mann kuratiert die Avant-Pop-Serie, zuvor hat ihr immer der Austausch gefehlt.

Mira Mann kuratiert die Avant-Pop-Serie, zuvor hat ihr immer der Austausch gefehlt.

(Foto: Gino Dambrowski)

Die letzte Episode der experimentellen Konzertreihe "Intimacy Quarterly" ist der Münchner Musikszene gewidmet.

Von Vivian Harris

Wer nach Intimität sucht, sollte auf dem Dancefloor doch bestimmt fündig werden. Dort, wo die Musik es schon mal schafft, ein Gefühl von Gemeinschaft zu erzeugen, wenn schwitzende Körper sich zum gleichen Beat bewegen. Wobei echte Intimität vielleicht erst dann entsteht, wenn Distanz erforscht und (zu viel) Nähe infrage gestellt wird. Grenzen wie diese wurden auch bei "Intimacy Quarterly" ausgetestet. Am Donnerstag, 25. Januar, geht die experimentelle Konzertreihe in die letzte Runde.

Für Mira Mann, die die Avant-Pop-Serie kuratiert, und Daniela Scholl, zuständig für die Produktion, hat in München immer der Austausch gefehlt. Zwischen Musikschaffenden und Konzertbesuchern. Also haben sie den Rahmen dafür selbst geschaffen: Los ging es im April 2022 mit semi-akustischen Sets, viel positiver Resonanz und einem klaren Gefühl für das, was "Intimacy Quarterly" sein sollte.

So abstrakt sich Mann nämlich sonst gibt (neben ihrer Gastgeber-Rolle ist sie auch als Musikerin, Lyrikerin und Autorin aktiv), so gut bringt der Veranstaltungsname auf den Punkt, was sich dahinter verbirgt: ein Raum im Pop-Kosmos, der Intimität - musikalisch, zwischenmenschlich, aber auch gesellschaftlich - zulässt. Viermal im Jahr. Ergänzend dazu wurden die Community-Abende im Workshop-Format "Intimacy Quarterly Playground" gegründet, die Münchens Kreative dazu animieren, gemeinsam zu jammen und zu diskutieren.

Die letzte Episode von "Intimacy Quarterly" ist genau ihnen gewidmet: Neben Mira Mann, die den Abend wie immer mit einem Intro einläutet, gibt es drei weitere lokale Acts, die im Blitz Club auftreten: Tiger Tiger zum Beispiel. Cornelia Pazmandi, die hinter dem Projekt steht, arbeitet gern in Kollaboration mit anderen Künstlerinnen und Künstlern, performt bei "Intimacy Quarterly" jetzt aber ihr erstes Solo-Set. Für ihren Sound setzt sie auf dunkle Bässe, atmosphärische Echos und berauschende Synthesizer.

Ähnlich experimentell geht es auch bei Josh Neumann alias Mindsight zu: Der DJ und Producer bewegt sich mit seinen euphorischen Klangflächen und dekonstruierten Beats irgendwo zwischen Trance und Tanzbarkeit. Und mit "Candid" stellt das Produzentin-Percussion-Duo Popp & Polygonia seinen ersten Langspieler vor. Das Debütalbum besteht aus Studio- und Live-Aufnahmen, die mal gewöhnungsbedürftig, mal groovy daherkommen. Mehr als alles andere wird es an dem Abend wieder um Spontanität, Improvisation und das Miteinander gehen - auf dem Dancefloor und abseits davon.

"Intimacy Quarterly", Donnerstag, 25. Januar, 20 Uhr, Blitz Club, Museumsinsel 1

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