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Biervana in Schwabing:Warum immer mehr über "Craft Bier" geredet wird

Im passenden Glas entfalten sich ungeahnte Aromen.

(Foto: Stephan Rumpf)

Seit circa fünf Jahren wird auch hierzulande immer mehr über Craft-Beer geredet und geschrieben, so dass manche schon wieder genervt sind. Sie wenden ein, dass der Begriff übersetzt ja nur für "handwerklich gebrautes Bier" steht - und schließlich jedes Bier, auch ein Massenprodukt, handwerklich hergestellt wird. Nun: Unrecht haben die Zweifler nicht, aber ganz richtig liegen sie trotzdem nicht.

Craft Beer, das gerade ziemlich gehypt wird, während der Absatz von "normalem" Bier sinkt, steht für Produkte, die nur in kleinen Mengen produziert werden, wobei die Brauer mit Rezepten experimentieren, die sich von der Massenware abheben.

Nicht jedermanns Geschmack

Das trifft nicht immer jeden Geschmack - aber das soll es auch gar nicht. Craft Beer, das steht für ungewohnte Geschmacksnuancen und, wie Hahn sagt, die Liebe zum Produkt. Mittlerweile treffen sich immer mehr Bierliebhaber zu Verkostungen, tauschen sich über Hopfensorten aus, über Stammwürzegrade und die Feinheiten von Malzaromen.

Statt Weingütern besuchen sie Brauereien, und manche brauen auch zu Hause selbst. So ist beim Bier-Käse-Abend im Biervana auch ein vorzügliches Ale eines Münchner Zahnarztes und Hobbybrauers zu kosten.

Ausgeschenkt werden an diesem Abend auch Biere, die man normalerweise nicht als Craft Beer bezeichnen würde. So erfährt man als Teilnehmer, dass es auch außergewöhnliche Bockbiere, Helle oder Pilse gibt und dass diese ein wirklich tiefes Geschmackserlebnis bieten können. Wichtig seien dabei allerdings das richtige Glas und die Trinktemperatur, sagt Hahn. In einem Masskrug könne Bier seinen Geschmack nicht entfalten, die hiesige Bierkultur wolle er aber keinesfalls verteufeln. Darauf legt Hahn wert.

Kombiniert mit Käse verändert sich der Geschmack der Biersorten noch einmal.

(Foto: Stephan Rumpf)

Alle Sorten zu nennen, die bei der Verkostung ausgeschenkt werden und über die gesprochen wird, würde angesichts deren Menge den Rahmen eines Textes sprengen. Allgemein bleibt beim Teilnehmer aber die Erkenntnis, dass salziger Käse die Bittere eines Pilses abschwächt, ein bayerisches Zwickelbier ein idealer Begleiter zu einem würzigen Münsterkäse ist und ein stark gehopftes India Pale Ale mit Blauschimmelkäse wunderbar harmoniert. Außerdem lernt man einen bayerischen Weizen-Eisbock zu schätzen, der quasi der Dessertwein unter den Bieren ist, und erfährt, dass extrem rauchiges Bier auch gut zu Schokolade schmeckt.

Hahn vermittelt nebenbei auch so einiges an Theorie. Unter anderem erzählt er, dass India Pale Ale aus England stammt, ursprünglich für den Export nach Indien gedacht war, so stark gebraut wurde, damit es auf dem langen Schiffstransport nicht verdarb - und am Zielort dann wieder mit Wasser verdünnt werden sollte, um wie ein normales Ale zu schmecken.

Dann seien die Empfänger darauf gekommen, dass das sehr bittere Gebräu pur noch besser ist. Er stellt ein Jahrgangsbier vor sowie ein sehr seltenes und entsprechend teures Trappistenbier aus Belgien, dem Land, das für ihn die beste Braukultur überhaupt besitzt. Und er lobt die Brauer an sich - ein Berufszweig, den er flapsig als "arschlochfreie Zone" bezeichnet.

Gerade für jene Brauer der bei Craft-Beer-Fexen ungeliebten Großkonzerne, die immer wieder Einheitsware in stets gleichbleibender Qualität herstellen, hat der Experte ein gutes Wort: Es zeuge schon von Können, Jahr für Jahr denselben Geschmack hinzubekommen. "Wenn einer kontinuierlich schlechtes Bier produziert, ist er immer noch ein guter Brauer."

© SZ vom 17.10.2015/doen

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