Berg am Laim/Ramersdorf Gemeinsam in die Zukunft

Notwendiger Umbau: Die Gemeindemitglieder und die Evangelische Jugend München teilen sich vom nächsten Frühjahr an die Räume der Rogatekirche.

(Foto: Schellnegger)

Die evangelischen Gemeinden der Offenbarungskirche und der Rogatekirche wollen fusionieren

Von Hubert Grundner, Berg am Laim/Ramersdorf

Die evangelisch-lutherische Kirche durchlebt derzeit einen tief greifenden Wandel. Aktuelles Beispiel aus dem Münchner Osten: Die Vorstände der Berg am Laimer Offenbarungskirche und der Ramersdorfer Rogatekirche haben beschlossen, den Antrag auf Bildung einer gemeinsamen Pfarrei - von Juli 2017 an - und auf Fusionierung der beiden Gemeinden - von Herbst 2018 an - beim Landeskirchenrat einzureichen. Der Antrag für eine gemeinsame Pfarrei ist nach Auskunft von Jörg-Dietrich Haslinger, Mitglied im Kirchenvorstand von Rogate, auch bereits gestellt worden. Die Zustimmung der zuständigen Gremien gilt ihm zufolge nur noch als reine Formsache.

Die Gründe, die zur Zusammenlegung der beiden Pfarreien zwingen, sind so unerfreulich wie naheliegend: Die Mitgliedszahlen sind in beiden Kirchengemeinden seit Jahren rückläufig. Das bestätigt Jörg-Dietrich Haslinger. Er fügt hinzu, dass dieser Trend im Falle der Rogatekirche ("deutlich geschrumpft") noch stärker ausfiel, da die Gemeinde wegen des aktuellen Umbaus des Gotteshauses in ein Ausweichquartier umziehen musste. Auch dadurch habe man wohl einige Mitglieder verloren.

Jedenfalls drohen deshalb beiden Gemeinden, wenn 2022 der nächste Landesstellenplan in Kraft gesetzt wird, Kürzungen beim Personal. Spätestens dann würde auch der Druck, zu fusionieren, wachsen. "Dieser unumgänglichen Entwicklung wollen wir uns nicht einfach passiv ausliefern, sondern den Fusionsprozess aktiv und kreativ mitgestalten", heißt es in einer gemeinsamen Mitteilung der beiden Kirchenvorstände.

Demnach wird die Vereinigung in zwei Schritten ablaufen: So soll zunächst zum Juli 2017 mit den beiden Kirchenvorständen und den zwei Pfarrstellen, derzeit besetzt von Wiltrud Schulz und Felix Breitling, eine gemeinsame Pfarrei gebildet werden. Darauf würde dann im Herbst 2018 die Fusion der beiden Gemeinden mit einem gemeinsamen, neu zu wählenden Kirchenvorstand und zwei Pfarrstellen folgen. Aus Sicht der Verantwortlichen ließen sich so die Verwaltungsstruktur vereinfachen und Kosten sparen. Außerdem rechnen sie mit dem Erhalt der beiden Pfarrstellen. In Zukunft würden sich dann Pfarrerin Schulz und Pfarrer Breitling die Aufgaben nicht nach Sprengeln, sondern nach Schwerpunkten aufteilen.

Als dritten Pluspunkt erhoffen sich die Kirchenvorstände eine Verbesserung der Raumsituation: Dazu sichert sich die Rogategemeinde die Raumnutzung in ihrer alten Heimat an der Achentalstraße. Die Offenbarungsgemeinde wiederum erhält den Erläuterungen zufolge höhere Zuschüsse für dringend notwendige Um- und Neubauten.

Nicht zuletzt wird es aber um die Entwicklung kreativer Konzepte für den Gemeindeaufbau gehen. So sollen unter Berücksichtigung der sozialen Struktur neue Formate der Gemeindearbeit eine stärkere Vernetzung in den Stadtteilen Berg am Laim und Ramersdorf Nord bewirken. Als nächstes sollen nun die Mitglieder über die Fusion ihrer zwei Kirchen bei Gemeindeversammlungen informiert werden. Dies geschieht am Sonntag, 9. Oktober, in der Rogatekirche und am 16. Oktober in der Offenbarungskirche, jeweils nach dem Gottesdienst.

Parallel, wenngleich unabhängig davon, nähert sich das Projekt "Jugend in der Kirche" seinem Abschluss. Der dafür notwendige Umbau der Rogatekirche ist inzwischen weit fortgeschritten. Ursprünglich hätte das mit einem Richtfest bereits Ende Juli gefeiert werden sollen. Wegen des Amoklaufs im Olympia-Einkaufszentrum kurz zuvor war die Feier aber abgesagt worden. Inzwischen sieht es so aus, dass Pfarrerin Schulz und die Gemeindemitglieder im März 2017 in ihr angestammtes Gotteshaus zurückkehren können.

Wenig später, zwischen März und Juni nächsten Jahres, wird dann die Evangelische Jugend München (EJM) in Rogate einziehen. Bislang hat sie ihren Sitz an der Birkerstraße in Neuhausen. Auf einen ersten Entwurf für die gemeinsame Nutzung der Rogatekirche durch EJM und Kirchengemeinde habe man sich bereits geeinigt, so Vorstandsmitglied Haslinger. Man müsse sich aber noch mal zusammensetzen und das Konzept in einem Jahr vielleicht noch einmal nachjustieren.

Das Dekanat erhofft sich jedenfalls von dem Projekt eine mittel- und langfristige Perspektive für die Jugendarbeit in München. Teil des Konzeptes ist es, die Geschäftsstelle der EJM in ein Kirchengebäude zu verlegen - was die Rogatekirche zu etwas Besonderem mache: In der Kirche finde alles statt - die eigentliche Arbeit der Evangelischen Jugend München, Begegnung, Gebet, Gottesdienst, Andacht und Seelsorge. Als Referentin der Jugendkirche ist Diakonin Judith Amend-Knaub bereits in ihr neues Arbeitsfeld eingeführt worden.