Kritik:Ein kleines Orchester

Lesezeit: 1 min

Das Belcea Quartet und Quatuor Ébenè spielen Oktette für Streicher im Herkulessaal.

Von Klaus Kalchschmid, München

Wann je erlebt man Oktette für Streicher live im Konzertsaal? Zwei hochkarätige Ensembles wie Belcea Quartet und Quatuor Ébenè machten es im Herkulessaal möglich. Nach Meisterwerken wie dem Streichoktett Es-Dur op. 20 des 16-jährigen Felix Mendelssohn und dem op. 7 in C-Dur des 19-jährigen George Enescu von 1900 sowie der Zugabe mit dem schwebende Finalsatz "In Paradisum deducant" aus Gabriel Faurès "Requiem" in Bearbeitung für Streicher gingen die beschämenderweise gerade mal nur gut 300 zugelassenen Zuhörer selig nach Hause.

Bei Mendelssohns heiter strahlend lebensfrohen vier Sätzen aus dem Jahr 1825 saßen Pierre Colombet und Gabriel Le Magadure an den ersten Pulten. Bei Enescus dicht komplexem und doch immer packenden, unmittelbar effektvollen und nicht weniger lebenshungrig vitalen Werk übernahmen Corina Belcea und Axel Schacher die Führung. Er spielte bei Faurè dann die erste Geige. Antoine Lederlin und Raphaël Merlin bildeten das vibrierende Bass-Fundament, Krzysztof Chorzelski und Marie Chilemme waren die nicht minder eloquenten Mittelstimmen.

Während bei Mendelssohn der Gesamtklang dominierte, gab es bei Enescu neben manch intensivem Unisono immer wieder feine Soli und differenziert verschachtelte Kontrapunktik. Wie dem verbindlich melodienseligen Kopfsatz die elaborierte "Durchführung" des zweiten dann der subtil süße langsame Satz folgte, der unmittelbar in das kraftvolle, hoch energetisch geladene, stringent auf den letzten Akkord zielende Finale überging - dies wurde bei den beiden Quartetten zum wunderbar kollektiven Ereignis. Und dies am überhaupt ersten Abend, an dem sie das Programm gemeinsam live präsentieren konnten. Acht Streicher erlebte man, die jeder sein eigenes Profil besitzen und doch Kammermusiker in des Wortes eigentlicher Bedeutung sind; also Musiker, die intim mit- und aufeinander reagieren, aber als Oktett auch immer mal wieder fast ein kleines Streichorchester bilden.

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