Bayernkaserne in München:Die Polizei hat alle Hände voll zu tun

Lesezeit: 4 min

Die rasante Entwicklung der vergangenen Tage hat zu erhöhter Polizeipräsenz im Umfeld der Erstaufnahmeeinrichtung geführt und zu gehäuften Einsatzbesprechungen. Die Regierung von Oberbayern, die angesichts des nicht nachlassenden Zustroms von Flüchtlingen nun eine weitere Dependance in der ehemaligen Funkkaserne angekündigt hat, gibt sich nach außen zwar unbeeindruckt. Intern aber hat man den Plan fallen gelassen, die Sicherheitsschleuse, die derzeit den ganzen Kasernenkomplex abschirmt, von der Heidemannstraße weg ins rückwärtige Kasernenareal zu verlegen, wo sie unauffälliger wäre. Stattdessen bekommen die 30 Sicherheitsleute nun noch 20 weitere Kollegen - und dies nicht etwa, um die Nachbarn zu schützen. Gleichwohl wird der private Sicherheitsdienst künftig auch das Umfeld kontrollieren und sich etwa darum bemühen, dass nicht so viel Müll herumliegt und nicht ins Gebüsch uriniert wird, damit es keine Provokationen der Nachbarschaft gibt.

Bayernkaserne in München: Die Unterkunft in der Bayernkaserne platzt aus allen Nähten.

Die Unterkunft in der Bayernkaserne platzt aus allen Nähten.

(Foto: Stephan Rumpf)

Ob es nun 1900 Flüchtlinge sind, wie Mitte vergangener Woche, oder inzwischen wieder ein paar weniger - für die Profis von der Inneren Mission und das ehrenamtliche Helferteam aus der Freimanner Nachbarschaft oder von weiter weg ist die Arbeit kaum mehr zu bewältigen. Margit Merkle beispielsweise engagiert sich seit Jahren in der Schwangeren-Beratung, und hat jetzt sogar begonnen, Arabisch zu lernen, um sich mit den Frauen verständigen zu können. Mehr als 90 werdende Mütter sind derzeit in den verschiedenen Dependancen der Münchner Erstaufnahme verzeichnet. "Mir läuft ständig irgendein Schwangeren-Bauch über den Weg", sagt sie.

Zu wenig Personal

Eine Kollegin, die seit Eröffnung der Freimanner Kasernen-Unterkunft Deutsch-Kurse gibt, kann mit Hilfe von Kolleginnen immerhin täglich (außer Sonntag) ein Sprachangebot machen. "Saumäßig viel Arbeit" sei das, aber die Motivation der Teilnehmer entschädige für vieles. "Die Leute wollen unbedingt hier zurechtkommen lernen." Also übt die freiwillige Helferin ein ums andere Mal Vokabeln und Aussprache, lässt jeden einzelnen im fast vollen Klassenzimmer nachsprechen, ob er ein Papier oder einen Stift braucht, trainiert "Guten Tag", "Hallo" und "Tschüss". "Ich komme über ein gewisses Niveau nicht hinaus", räumt sie ein. Sie wisse auch nicht, wer da sei, wenn sie das Seminarzimmer aufmache. Viele hätten Behördentermine, mehr als ein paar zusammenhängende Deutsch-Stunden bekämen die frisch angekommenen Asylbewerber meist ohnehin nicht mit. Dann würden sie weitervermittelt.

Bisher aber kommen immer weitere nach. Um sie kümmern sich Mitarbeiter der Inneren Mission München (IMM) - allerdings viel zu wenige. "Sechseinhalb Leute, da ist Land unter", konstatiert IMM-Sprecher Klaus Honigschnabel. Die Regierung von Oberbayern hat nun angekündigt, die Betreuung weiter verbessern zu wollen. Außerdem arbeitet man an einem Abbau der Belegung in der Bayernkaserne. Dass sich bis 2017, wenn die Bebauung der Bayernkaserne beginnen und der Flüchtlingstross weiterziehen soll, ihre Zahl allein an der Heidemannstraße dennoch zwischen 1500 und 2000 bewegen wird, hat man in der Nachbarschaft wohl verstanden. Patric Wolf (CSU), stellvertretender Bezirkausschuss-Vorsitzender von Schwabing-Freimann, hat dennoch das Gefühl, dass sich die Lage ein bisschen entspannt.

Nach einem demonstrativen "Gassi-Gehen" von Nachbarn mit Hunden vor dem Kasernentor vor wenigen Tagen, sozusagen zur Rückeroberung des öffentlichen Raums, haben Anwohner eine zunächst erwogene Demonstration wieder abgeblasen. Vielleicht aus Angst vor rechtsextremen Trittbrettfahrern. Vielleicht aber auch wegen der intensiven Bemühungen der Kasernen-Betreuer. Das Müllaufkommen in der Nachbarschaft ist jedenfalls mittlerweile erheblich zurückgegangen. Kein Wunder: Zur Zeit wird der Grünstreifen vor der Kaserne intensiv gereinigt - acht Mal so häufig wie eine städtische Grünanlage.

Ziel: menschliche Unterbringung

Die Münchner Erstaufnahmeeinrichtung für Asylbewerber in der Bayernkaserne soll eine dritte Dependance bekommen: Etwa 300 Flüchtlinge will die Regierung von Oberbayern auf dem Gelände der ehemaligen Funkkaserne unterbringen. Während der Großteil des Areals zwischen Domagkstraße und Frankfurter Ring derzeit bebaut wird, stehen in der nordöstlichen Ecke noch mehrere Gebäude der Bundespolizei. Zwei von ihnen, in denen sich bis vor ein paar Jahren Büros und Unterkunftsräume des Bundespolizeiamtes München befanden, stehen laut einem Sprecher der Bundespolizei seit geraumer Zeit leer. Dort sollen noch im August Asylbewerber einziehen. Die zuständige Regierung von Oberbayern sah sich bis Redaktionsschluss dieser Ausgabe nicht in der Lage, detailliertere Auskünfte über die neue Unterkunft zu geben. Dasselbe gilt für die Bundesanstalt für Immobilienaufgaben in Bonn, die das dem Bund gehörende Areal verwaltet.

Laut einer Sprecherin des bayerischen Sozialministeriums habe es in der vergangenen Woche "ein sehr konstruktives Gespräch", zwischen Ministerin Emilia Müller (CSU) und Oberbürgermeister Dieter Reiter (SPD) gegeben. "Beide waren sich einig, dass ihr Ziel die menschliche Unterbringung aller Asylbewerber ist." Reiter hatte zuletzt in einem Brief an Ministerpräsident Horst Seehofer (CSU) die Staatsregierung ermahnt, mehr und bessere Quartiere zu schaffen. Als zusätzliche Unterkunft hat der OB die McGraw-Kaserne in Obergiesing vorgeschlagen. Sie gehört dem Freistaat und steht seit Jahren zu großen Teilen leer. Auch auf explizite Nachfrage äußert sich das Ministerium aber nicht zu weiteren möglichen Standorten. Es seien zwar weitere "in der Prüfung", so die Sprecherin. "Die Standorte und die genauen Zeitpläne können erst veröffentlich werden, wenn diese mit allen Beteiligten vor Ort besprochen wurden." Beka

Zur SZ-Startseite

Lesen Sie mehr zum Thema