Bayerischer Hof:Der Concierge, der niemals nein sagt

Lesezeit: 5 min

Florian Weidenbach, Chef-Concierge im Bayerischen Hof

Florian Weidenbach ist in der Stadt sehr gut vernetzt. Nur so kann er die Wünsche der Gäste erfüllen.

(Foto: Florian Peljak)

Ein Job, in dem man ein Bruchteil des Gehalts seiner Kunden verdient - ihnen aber oft als Einziger alle Wünsche erfüllen kann: Florian Weidenbach ist Concierge im Luxushotel Bayerischer Hof.

Von Philipp Crone

Best of SZ.de 2015 - zum Jahresende haben wir die München-Texte gesammelt, die am häufigsten gelesen wurden. Diese Geschichte ist eine von ihnen.

Die Aufgabe klingt im ersten Moment machbar: Eine Karte für das ausverkaufte Wutang-Clan-Konzert in fünf Tagen wird gewünscht. Florian Weidenbach, Statur eines Mittelstreckenläufers, schräg gegeltes Haar, schiebt seine Mundwinkel von ernst zu freundlich lächelnd hoch, mit einer Routine, wie sie nur jemand hat, der das Hunderte Male am Tag in Vollendung ausführt. Weidenbach sagt nicht: Ich probiere es. Er sagt: "Organisiere ich."

Es ist das Selbstbewusstsein eines Mannes, der wahrscheinlich so gut vernetzt ist in der Stadt wie nur wenige andere, der innerhalb von Sekunden am Samstagabend einen Tantris-Tisch klar macht, eine Kutsche am ersten Wiesnsamstag oder am Heiligabend um 17 Uhr einen Ferrari organisiert. Es ist aber auch der ruhige und zurückhaltende Ton, mit dem Weidenbach das sagt, der ebenso wichtig ist wie seine Fähigkeit, Wünsche zu erfüllen. Männer mit seinen Kontakten sitzen sonst oft im Schumann's und prollen ihren blonden Bunnys vor, wen sie alles kennen.

"Wir wissen Dinge", sagt Weidenbach, "die andere wissen wollen." Und nicht selten sind diese anderen sehr, sehr wohlhabend und kaum gewohnt, Bitten zu äußern. Doch wenn sie im Foyer des Bayerischen Hofs zu Weidenbach kommen, der in seinem dunkelgrauen Anzug am Concierge-Eck steht, dann wollen sie etwas von ihm, von Weidenbach, dem 34-jährigen Allgäuer. Wer Weidenbach einige Tage begleitet, bis zur Deadline für die Konzertkarten, taucht ein in die Welt der wundersamen Wünsche und wirren Wichtigtuer.

Wer die meisten Namen und Zimmernummern kennt, gewinnt

"Organisiere ich." Weidenbach steht an einem Nachmittag gegen 15 Uhr am Empfang. Seit sieben Uhr ist er da, die Rushhour zwischen acht und elf Uhr ist durch, doch bis auf ein paar Stunden zwischen zwei und fünf Uhr früh ist es nie ruhig im Foyer. Kofferrollen, Stimmen und Schritte. "603, Sir?", fragt Weidenbach und der Mann lächelt erfreut, dass der Concierge seine Zimmernummer weiß. "Wir haben ein Spätdienstspiel", sagt Weidenbach, "wer nach dem ersten Kontakt von den meisten Gästen Namen und Zimmernummer weiß. Denn wenn die nach dem Einchecken zum Essen gehen, muss man sie gleich mit Namen ansprechen können."

Sein Kollege nimmt ein Telefonat entgegen und sagt dann zu Weidenbach: "Der Gast braucht einen Luftbefeuchter H5E, das neueste Modell." Weidenbach greift zum Hörer, tippt gleichzeitig auf der Computer-Tastatur. Das sind die Momente, die ihn herausfordern. "Jedes Nein motiviert mich." Damit er nicht nein sagen muss. Sondern sagen kann: "Wir bekommen immer noch was."

Zum Beispiel beim Champions-League-Finale in München 2012. Da organisierten sie Dutzende Karten. "Ich bin hier seit 2005 und kenne mittlerweile viele Gäste. Da weiß man, wer Dauerkarten hat oder in einem Fanklub Mitglied ist." Das Lächeln wird breiter. Der Luftbefeuchter ist bestellt. Bei den Konzertkarten hat er allerdings das erste Nein bekommen, vom Veranstalter. Wirklich ausverkauft, so richtig. Weidenbach holt Luft.

Warum der richtige Ton so wichtig ist

Weidenbach war ein sehr guter Handballer, ehe er sich mit 20 schwer am Knie verletzte und nicht weiterwusste. Sein Vater kannte einen Hotelbetreiber in München, Weidenbach lernte Hotelfachmann, arbeitete im Palace Hotel und war 2005, als er zum Bayerischen Hof kam, der jüngste Tagesconcierge der Stadt. Es gab noch einiges zu lernen. Etwa den richtigen Ton.

Er rief zum ersten Mal im Gourmet-Restaurant Tantris an, sagte, dass der Bayerische Hof am Apparat sei, "aber das interessiert die im Tantris wirklich nicht mehr". Er bekam ein Nein, sprach mit einem Kollegen, rief noch einmal an, entschuldigte sich, bekam einen Tisch. Heute läuft das so, wie ein paar Minuten später an diesem Nachmittag: Ein Ehepaar kommt an die Rezeption, sie würden gerne im Käfer essen, Weidenbach ruft an: "Hi, alles gut, und bei dir? Zwei Personen, 18 Uhr, Danke!"

Der Wunsch des Prinzen ein paar Monate später in seinem ersten Jahr war hingegen schwieriger. "Am Heiligen Abend 2005 rief ein Gast an, er wolle einen Ferrari mieten, das neueste Modell." Weidenbach rief bei den Autohäusern an. Nein. Nein. Nein. "Einer sagte allerdings: Mieten nein, kaufen ja." Weidenbach rief den Prinzen auf dem Zimmer an. "Ich hab das noch genau im Ohr, er sagte: No problem, I buy it." Für eine halbe Million. Zwei Stunden später stand der Wagen mit Überführungskennzeichen vor der Tür. Und Weidenbach sagte: "Da wurde mir klar, wo ich arbeite." In einem Job, in dem man den Bruchteil des Gehalts seiner Kunden verdient und ihnen aber oft als Einziger ihre Wünsche erfüllen kann.

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