Oper:Aus der Werkstatt

Die Theaterakademie zeigt Händels "Ariodante"

Von Egbert Tholl, München

Es klingt nach einem reizvollen Unterfangen: Händels an sich vielstündige Oper "Ariodante" im Akademietheater, also sicherlich nicht mit großem Orchester, dafür ist dort kein Platz, aber man ist nah an den Sängerinnen und Sängern, das macht neugierig. Doch der rein musikalische Teil des zweistündigen Abends ist dann eher ein Schmerz, die Musikhochschule schickte acht Studierende, von denen sechs starker Zuwendung bedurft hätten, welche offenbar nicht stattfand. Das Ganze wirkt radikal unterprobt, und wären da nicht die Theorbe und das Cembalo, dem Dirigenten Manuel Hartinger flöge alles noch mehr um die Ohren als ohnehin schon.

Schade. Gleichzeitig wird die Produktion mit Hochganzplakat angekündigt und von einem dito Programmheft begleitet, obwohl sie doch nur ein Einblick in die Ausbildungswerkstatt ist. Dabei hat der Regiestudent Rennik-Jan Neggers gute Ideen, kürzt die Rezitative auf ein notwendiges Minimum, löst die Arien als Gefühlsmonolithen aus dem narrativen Zusammenhang, der sich aber dennoch genug vermittelt - bei Händel klappt das. Die jungen Sängerinnen und Sänger haben Charme, machen Freude, Henrike Legner ist mit ihren Koloraturen eine Verheißung fürs Barockfach, Marianna Herzig hat eine wundervoll klare Stimme, Fabio Dorizzi ist ein nuanciert feiner Sängerdarsteller und Klara Brockhaus verfügt selbst erkältet noch über warmen Wohlklang.

Zur SZ-Startseite

Lesen Sie mehr zum Thema