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Bayerische Geschichte:Eine romantische Ruine für den Kini

So sah die Gedenkstätte für Ludwig II. auf der Corneliusbrücke im Jahr 1910 aus.

(Foto: OH)

Auf der Corneliusbrücke entsteht wieder ein Denkmal - allerdings in einer Sparversion

Von Heiner Effern

Von der Öffentlichkeit kaum bemerkt hat sich in München offenbar ein dramatisches Defizit in der Kini-Verehrung aufgebaut. Anders scheint kaum zu erklären, dass die Stadt nun eine neue Gedenkstätte für Ludwig II. errichten will. An historischer Stätte auf der Corneliusbrücke, nicht aber nach historischem Vorbild. Die Rekonstruktion des 1910 hier eingeweihten und im Zweiten Weltkrieg beschädigten Originaldenkmals für den bayerischen König hätte fünf Millionen Euro gekostet. So viel wollten im Bauausschuss des Stadtrats nicht einmal begeisterte Monarchisten locker machen. Deshalb soll nun auf den Balkon über der Isar eine Sparversion des Königsdenkmals zurückkehren. Die kostet nur ein Zehntel, ein Drittel davon zahlt wiederum eine private Initiative.

Früher stand auf der Brücke eine 3,20 Meter hohe Figur des Königs aus Bronze. Diese wurde im Krieg eingeschmolzen. Die letzten Reste der Treppenanlage und der einst elf Meter hohen Rotunde wurden 1969 abgetragen. Die Steine wurden eingelagert und sollen nun teilweise wieder zum Einsatz kommen. Das Konzept sieht eine "romantische Ruine" oder einen "romantischen Garten" vor. Darin soll eine Nachbildung des Oberkörpers und des königlichen Hauptes Platz finden, abends gar kini-mäßig beleuchtet.

Die Grünen fanden das als einzige Fraktion überzogen. Es gebe schon neun Stein- oder Bronzebildnisse von Ludwig II. in der Stadt, argumentierten sie. Nummer zehn sei überflüssig. Zudem werde da einer verehrt, dem sein Volk reichlich egal gewesen sei. Besonders im Jahr 2018, in dem sich das Ende des Ersten Weltkriegs, die Novemberrevolution und die Ausrufung des Freistaats Bayern zum 100. Mal jährten, sei das "ein geschichtspolitischer Fauxpas".

Bürgermeister Josef Schmid (CSU) als Wortführer der Ludwig-Verehrer wollte den grünen Widerstand mit dem Verweis auf moderne Gesellschaftspolitik brechen. Der Kini sei doch schwul gewesen und wache künftig passend auf der Corneliusbrücke am Eingang zum Homosexuellenviertel rund um den Gärtnerplatz, sagte er. Das passe doch wunderbar. Die Grünen zeigten sich unbeeindruckt. Man könne doch einmal anderer Helden gedenken, etwa des ersten bayerischen Ministerpräsidenten Kurt Eisner, schlugen sie vor. Der Stadtrat beschloss dann aber doch die romantische Kini-Ruine.

© SZ vom 04.07.2018
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