Bauarbeiten Bahn entschuldigt sich für das Chaos

Wegen dieses Gleisbauzugs in Berg am Laim war die Stammstrecke gesperrt.

  • Bei Bauarbeiten an der S-Bahn-Strecke ist eine wichtige Maschine ausgefallen. Deshalb verzögern sich die Bauarbeiten noch bis Mittwochfrüh.
  • Zusätzlich hat am Dienstag ein Gleisschaden am Sendlinger Tor die U3 und U6 behindert.
  • Bis weit in den Herbst hinein sind Umleitungen und Linienunterbrechungen vorgesehen.
Von Marco Völklein

Erich Brzosa, der für München zuständige Manager bei der Bahntochter DB Netz, gab sich merklich zerknirscht am Dienstagvormittag. Bis Montagmittag sei die Gleisbaustelle zwischen Ostbahnhof und Leuchtenbergring absolut nach Plan verlaufen, sagte Brzosa.

Dann aber habe eine Spezialmaschine ihren Geist aufgegeben. Deshalb musste die Bahn das eigentlich nur für das lange Pfingstwochenende geplante Notprogramm bis weit in den Montag hinein verlängern - und zehntausende Kunden verärgern. "Wir entschuldigen uns dafür bei den S-Bahn-Fahrgästen", sagte Brzosa.

Seiner Darstellung nach hatten die beauftragten Baufirmen am Montag eine defekte Gleisstopfmaschine aus der laufenden Baustelle herausnehmen müssen. Die Deutsche Bahn (DB) hatte von Freitagabend an vier Weichen und 300 Meter Gleis im Ostbahnhof sowie in Richtung Leuchtenbergring austauschen lassen - eigentlich "ein routinemäßiger Vorgang", wie Brzosa betont. Die Baufirmen waren seinen Angaben zufolge bis Montag gut im Plan, sodass die Arbeiten eigentlich, wie vorgesehen, in der Nacht von Montag auf Dienstag hätten abgeschlossen werden sollen.

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Dann aber fiel die Maschine aus. Die sorgt dafür, dass - nachdem die Arbeiter die neuen Gleise und Weichen verlegt haben - der Schotter unter den Schienen und Schwellen verdichtet und das Gleis korrekt ausgerichtet wird. Können die Gleisstopfarbeiten nicht ausgeführt werden, darf die Strecke nicht befahren werden. Der Ausfall der Spezialmaschine, sagt Brzosa, "wirbelte unseren Zeitplan völlig durcheinander."

Rasch war klar, dass die DB von einer anderen Baustelle eine Ersatzmaschine abziehen musste. Das gestaltete sich aber schwieriger als gedacht: Denn über Pfingsten herrscht traditionell Bauhochbetrieb im Schienennetz der Bahn. Auf einer Schienenbaustelle hinter Augsburg wurden die DB-Leute dann fündig - dort gab es nicht nur einen Gleisstopfzug, sondern auch das zur Bedienung nötige Personal. Am Dienstagnachmittag sollten Menschen und Maschine nach München gebracht werden.

Die Kunden schimpfen: "Wieder einmal Chaos"

Die Fahrgäste wurden unterdessen per E-Mail auf massive Behinderungen vorbereitet: Weil am Ostbahnhof weniger Gleise zur Verfügung standen, fuhren am Dienstagmorgen lediglich zwei Linien durch den S-Bahn-Tunnel. Später kamen weitere Linien hinzu, andere aber wurden gebrochen oder fielen - wie die S 20 - komplett aus.

Am Ostbahnhof hätten nur noch etwa 80 Prozent der Kapazität zur Verfügung gestanden, am Leuchtenbergring seien es nur 50 Prozent gewesen, ebenso in der Ein- und Ausfahrt zum S-Bahn-Werk in Steinhausen, erklärte ein DB-Sprecher. "Da sind die Engpässe." Ein Bahnkunde schimpfte unterdessen im Internet: "Wieder einmal Chaos. Das einzige, was bei der S-Bahn wirklich pünktlich kommt, sind die ständigen Tariferhöhungen."

Hieß es zunächst, die Misere werde bis Dienstagmittag dauern, so zeichnete sich rasch ab, dass dieser Zeitplan wohl nicht zu halten sein wird. Am Nachmittag teilte der Konzern mit, dass der S-Bahn-Verkehr erst wieder am Mittwoch "zu Betriebsbeginn planmäßig aufgenommen" wird. Weitere Verzögerungen allerdings soll es nicht geben, versicherte ein Bahnsprecher auf Nachfrage: "Bis Mittwochfrüh kriegt der neue Trupp das auf jeden Fall hin."

Für zusätzliche Komplikationen im Münchner Nahverkehrsnetz sorgte dann auch noch eine Betriebsstörung bei der U-Bahn. Gegen 12 Uhr hatten Techniker einen Schienenschaden auf der Strecke der U 3 und U 6 auf Höhe des Sendlinger Tors ausgemacht.

Fachleute rückten an und begutachteten den Schaden, reparierten diesen auch anschließend - dennoch ließ die Münchner Verkehrsgesellschaft (MVG) die U 3 etwa zweieinhalb Stunden lang von Fürstenried West kommend nur bis zur Implerstraße fahren, aus Moosach kommend war für die U 3-Züge bereits an der Münchner Freiheit Schluss. Die U 6 fuhr laut MVG weitgehend planmäßig.

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Ohnehin werden die Fahrgäste im öffentlichen Nahverkehr sich in den nächsten Wochen und Monaten auf einige baustellenbedingte Behinderungen einstellen müssen. So lässt die MVG seit Dienstag Gleise und Weichen auf der sogenannten Tram-Stammstrecke zwischen Stachus und Sendlinger Tor austauschen.

Bis weit in den Herbst hinein sind Umleitungen und Linienunterbrechungen vorgesehen. Zudem wird während der Pfingstferien am U-Bahnhof Implerstraße eine Rolltreppe ausgetauscht. Die stadtauswärtigen Züge Richtung Fürstenried West (U 3) und Klinikum Großhadern (U 6) können deshalb bis Freitag, 27. Mai, nicht an der Implerstraße halten. Infolge der Sperrung stehen dort nicht mehr die mindestens erforderlichen Flucht- und Rettungswege etwa für den Fall einer Evakuierung zur Verfügung. Daher darf die MVG den Bahnsteig aus Sicherheitsgründen nicht anfahren.