Autobauer Wie sich BMW die Zukunft vorstellt

Um das bestehende Atrium herum entsteht das neue Forschungszentrum.

(Foto: Stephan Rumpf)
  • Bis 2050 will BMW sein Forschungs- und Innovationszentrum massiv ausbauen.
  • 15 000 Ingenieure sollen hier sicherstellen, dass der Autokonzern eine Zukunft hat.
  • Am Freitag beginnt der Bau - am Ende soll ein Gebäude stehen, das ein ganz anderes Arbeiten ermöglicht
Von Thomas Jordan

Heute steht hier noch ein weißes Metalltor, bald aber soll der Weg frei sein für mehr Forschung an E-Mobilität und flexible, offene Arbeitsformen bei BMW. Ein gläserner Verbindungsgang ist geplant, nicht weniger als einen Kilometer lang, im Moment ist noch nach 400 Metern Schluss.

Bald aber wird er vom Forschungs- und Innovationszentrum (FIZ) an der Knorrstraße zum neuen Projekthaus Nord führen. Und in zwei Jahren, wenn BMW den ersten Bauabschnitt seines Großprojekts FIZ Future fertiggestellt hat, alle wichtigen Gebäude des BMW-Forschungsareals im Münchner Norden verbinden. Insgesamt 15 000 Menschen sollen hier einmal arbeiten, 4000 davon im ersten Bauabschnitt, für den am Freitag der Grundstein gelegt wird.

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FIZ Future - hier soll die technologische Zukunft des Autokonzerns gesichert werden. In den kommenden Jahrzehnten will er sein Forschungszentrum massiv ausbauen. Alleine für den ersten Bauabschnitt investiert BMW 400 Millionen Euro, das neue Projekthaus Nord soll das Herzstück werden. Neben der Tatsache, dass das bestehende Forschungszentrum, das einmal für 4000 Menschen ausgelegt war, aus allen Nähten platzt, verfolgt BMW mit dem Neubau aber auch noch eine Reihe anderer Ziele.

"An einem Fahrzeug arbeiten heute in der Entwicklung mehrere Tausend Leute bei BMW", sagt der gelernte Architekt Martin Hahm, der für den Bau des neuen FIZ zuständig ist. Durch die Digitalisierung würden die Entwicklungszyklen immer schneller, die Software in einem Auto sei schon nach wenigen Jahren veraltet. Für BMW sei es wichtiger denn je, dass sich die aktuell 26 000 Entwickler im bestehenden Zentrum besser vernetzen können.

Für das Konzept des FIZ Future bedeutet das: mehr Großraumbüros und mehr offene Flächen, wo verschiedene Arbeitsformen kombiniert und Ideen ausgetauscht werden können. Neben größeren Tischgruppen für Projekttreffen soll es im Projekthaus Nord künftig auch "Diners" geben, wie Hahm es nennt, kleine, runde Sitzecken mit erhöhten Polstern, "für Spontanbesprechungen". Und bei "Stand-Up-Meetings" an Stehtischen in den großen, für 400 Mitarbeiter ausgelegten Foyerflächen im Atrium können Designer, Innenraumentwickler und Projektplaner ihre Ideen für ein neues Auto abstimmen.

Zum Beispiel für den neuen BMW iNext. Denn im neuen Forschungszentrum will sich BMW auch stärker auf die Entwicklung alternativer Antriebe konzentrieren: "Das FIZ Future wird die Heimat der Produktlinie, die sich mit Elektromobilität beschäftigt", sagt Hahm. Damit sollen sich künftig hier bis zu 1000 Mitarbeiter beschäftigen, 400 mehr als bisher. Jedes Jahr stellt BMW nach eigenen Angaben im Forschungsbereich eine vierstellige Zahl von Mitarbeitern neu ein. Ob sich das allerdings fortsetzt bis zum geplanten Abschluss aller Bauten des FIZ Future im Jahr 2050, weiß keiner. Zudem wolle man im neuen Forschungskomplex vermehrt auch Software und Batterien selbst entwickeln, sagt Klaus Kapp, der Projektleiter des FIZ Future.

Für den Bau ist Klaus Kapp (rechts) zuständig, für das Gesamtprojekt Martin Hahm. Der Entwurf kommt vom Architekturbüro Henn.

(Foto: Alessandra Schellnegger)

Der eigentliche architektonische Kniff im FIZ Future ist die Verzahnung von "Büro und Werkstatt", wie das die Planer nennen. Man sieht das am besten, wenn Kapp und Hahm das Miniatur-Modell des Neubaus in der Mitte auseinanderschieben. Der durchgehende, rechteckig-längliche Komplex hinter der Atriumskuppel des neuen Projekthauses Nord, das sind die Werkstätten, in denen im Erdgeschoss auf schweren Prüfständen die Leistungen neuer Automodelle gemessen werden sollen.

Davor, in den Stockwerken um eine flache Atriumskuppel herum, durch die Naturlicht ins Gebäude kommt, liegen die Großraumbüros. Hier tüfteln Designer und Ingenieure an ihren Prototypen. "Die Entwicklungsschleifen auch architektonisch umsetzen", nennt Hahm das. Und wer mal Ruhe vom optimal vernetzten Großraumbüro möchte, kann sich in isolierte Telefonboxen zurückziehen.

Mit dem FIZ Future will BMW hipper werden

"Diners", "Stand-Up-Meetings" und eine spezielle App, mit der die BMW-Tüftler Tische reservieren und Licht und Heizung regulieren können - wenn die Projektplaner von all diesen Details erzählen, wird deutlich, dass der bayerische Traditionskonzern mit dem neuen Zentrum auch noch ein anderes, weicheres Ziel verfolgt. Man könnte es auch so formulieren: Mit dem FIZ Future will BMW hipper werden.

Und der Projektraum, in dem das gut zwei Meter lange Modell für die Zukunft des Arbeitens bei BMW steht, gibt schon mal einen Vorgeschmack davon. Die Decke ist nicht abgehängt, durch gelochte Metallplatten ist der Blick frei auf dicke, graue Brandschutz-Wasserrohre und schmale Lüftungsrohre. So erinnert der schlichte, in Weiß gehaltene Raum ein wenig an die Fabrikhallenatmosphäre, in denen junge Start-ups ihre ersten Gehversuche wagen.

Das Licht dazu kommt von an der Decke befestigten LED-Röhren. Mit der Architektur sei es genauso wie mit der Digitalisierung im Auto, sagt Architekt Hahm. "Wir wissen nicht genau, was in zehn Jahren die Anforderung ist." Daher müsse ein Gebäude so "zurückhaltend wie möglich" sein, möglichst wenig verbaut, "damit es flexibel nutzbar ist". Eine abgehängte Decke stört da nur - sie verhindere schließlich, schnell mobile Geräte anschließen zu können.

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