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Ausstellung:So verteilten prominente Münchner ihr Vermögen

Weiß Ferdl, Kurt Eisner oder August Pschorr: Eine Ausstellung im Amtsgericht zeigt Testamente von 24 bekannten Münchnern - und liefert Hinweise auf den Charakter der Menschen.

Von Ekkehard Müller-Jentsch

Eigentlich sind Testamente etwas Privates. Doch eine kleine Ausstellung von 24 Testamenten von prominenten Münchnern im Amtsgericht ermöglicht jetzt seltene Einblicke in den letzten Willen etwa von Weiß Ferdl, Kurt Eisner oder August Pschorr. Aber auch von Carl von Linde, Erich Ludendorff, Ludwig Thoma. "Schon die äußere Aufmachung wie Schrift und Papier gibt einen Hinweis auf den Charakter des ,Erblassers' und liefert so einen weiteren Baustein zu einem umfassenden Bild eines Menschen, jenseits seiner Verdienste und bekannten Tätigkeiten", sagt Christoph Bachmann, Leiter des Staatsarchivs.

Wenige Tage vor seinem Tod verfasste etwa Weiß Ferdl sein Testament und setzte seine von ihm geschiedene Frau Berta als Universalerbin ein. Seinen unehelichen Sohn Ferdinand Georg enterbte er wegen dessen Lebenswandels - hatte er doch als Unmündiger ohne Zustimmung des Vaters geheiratet und sich wieder scheiden lassen.

". . . und man kann mich ja nur einmal totschießen", meinte Kurt Eisner. Er setzte am 15. März 1911 seine "liebe Freundin und Gefährtin Else Belli" als Universalerbin ein. Allerdings wurden auch die erste Ehefrau Elisabeth und vor allem die fünf Kinder Reinhart, Ilse, Hilde, Eva und Hans mit finanziellen Zuwendungen bedacht. Trotz dieser Regelung strengte Elisabeth Hendrich einen Rechtsstreit um das Erbe an, der sich bis etwa 1930 hinzog.

Ein Zeugnis seiner Verbundenheit mit der Pfarrei Großhadern, mit Kriegervereinen und der Burschenschaft Franko-Bavaria ist August Pschorrs letztwillige Verfügung von 1934: Doch im eigentlichen Testament setzten sich beide Ehepartner gegenseitig als Erben ein und bestimmten ihre zwei überlebenden Kinder als Nacherben. Auch eine Bitte Pschorrs an seine Brüder ist enthalten: Diese sollten seiner Witwe den Bezug von Bier, Brennmaterial und Eis aus der Brauerei gestatten.

Die kleine Ausstellung ist bis Mitte Juni im ersten Stock des Amtsgerichts zu sehen - allerdings erst nach der obligatorischen Personenkontrolle.

© SZ vom 15.04.2016/vewo

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