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Augsburg:Theater liegt in der Frischluft

Staatsintendant André Bücker stellt die Pläne für die laufende Saison vor

Von Yvonne Poppek, Augsburg

Am Wochenende nach den Osterferien könnte es theoretisch losgehen am Staatstheater Augsburg. Den 17. April hat sich das Haus von Intendant André Bücker als fiktives Datum für eine Wiedereröffnung nach dem Lockdown gesetzt. Die Proben für diese und die kommende Saison seien darauf abgestimmt, sagte Bücker am Donnerstag in einem Pressegespräch. Drei Premieren und vier Wiederaufnahmen ließen sich umsetzen. Am Willen, wieder auf der Bühne vor Publikum zu spielen, fehle es nicht. Allerdings setzte der Intendant dann doch hinzu: "Ich rechne jetzt nicht damit, dass wir am 17. oder 18. April spielen können." Vermutlich laufe es auf einen späteren Zeitpunkt hinaus.

Wieder einmal ist es deutlich: Die Situation für sämtliche Bühnen ist immer noch eine unberechenbare. Die Häuser versuchen, damit irgendwie umzugehen. In Augsburg hat man sich anscheinend nicht aus der Ruhe bringen lassen. Premieren wurden umdisponiert. Die Spielzeit verschoben - die aktuelle endet am 31. Juli, die neue soll am 11. September beginnen. Proben wurden zum Teil gar nicht aufgenommen. Auf Halde habe man nicht produzieren wollen, sagte Bücker. Statt dessen hat man sich auf ein nicht ganz unmöglich erscheinendes Wiedereröffnungsdatum konzentriert - und vor allem auf eine wahrscheinliche Freiluft-Saison im Sommer. Die Open-Airs auf der Freilichtbühne am Roten Tor oder auf dem "Kunstrasen" im Martinipark, die im Sommer 2020 erfolgreich liefen, sollen nun erneut die Bühnenerlebnisse in die Stadt zurückbringen, die so lange gefehlt haben. Am Roten Tor soll beispielsweise vom 19. Juni an das Musical "Chicago" gezeigt werden - insgesamt 23 Mal. Zwei Konzertgalas gehören ebenfalls zum Sommerprogramm sowie "Cyrano de Bergerac" im Martinipark. "Wir wollten so viel Theater wie möglich in diesem Sommer anbieten", sagte der Intendant.

Solange die Open-Air-Saison aber noch nicht losgeht, will das Augsburger Theater drei neue VR-Produktionen in allen drei Sparten zur Premiere bringen. Die digitale Theaterarbeit habe man in Augsburg längst als eigene Kunstform entdeckt und das solle auch so bleiben, sagte Bücker. Zudem arbeite das Theater mit der Stadt zusammen an einem Konzept, wie urbanes Leben - ähnlich wie in Tübingen - zu Pandemiezeiten unter Einhaltung der Hygienevorschriften möglich sein kann. Denn auch, wenn der 17. April vielleicht ein utopisches Datum ist: Es soll bald aufgesperrt werden, eine Öffnungsperspektive ist wichtig. Bücker ist überzeugt: "Ich glaube, dass es zutiefst nötig ist."

© SZ vom 26.03.2021
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