ARD-Musikwettbewerb:Aus vorm Ende

Das Semifinale im prominenten Fach Gesang zeigt die Tücken: Musikalität und narrativer Ausdruck müssen zusammen wirken. Das schaffen nicht alle.

Von Klaus Kalchschmid, München

Nach der Pause nahm das Semifinale Gesang im leider nur schütter besetzten Prinzregententheater mit dem großartig aufspielenden Münchner Rundfunkorchester unter Leitung von Matthias Foremny Fahrt auf. Anastasiya Taratorkina konnte gegenüber dem zweiten Durchgang noch zulegen: auf Polnisch mit der Arie der Króla Rogera aus Szymanowskis "Król Roger", die sie mit tragischem Ausdruck großartig zu modellieren wusste und dann das "Piangerò" der Cleopatra aus Georg Friedrich Händels "Giulio Cesare", fein ziseliert und ebenfalls voller todtrauriger Wehmut!

Ähnlich aufregend und fast vollendet gestaltete Lida Antola aus Finnland die Felsenarie der Fiordiligi aus Mozarts "Così fan tutte", in der diese sich vehement männlicher Zudringlichkeit erwehrt. Selbstbewusst in Tiefe wie Höhe, perfekt sowohl in den Koloraturen wie in feiner Phrasierung sang Antola dieses "Come scoglio". Als letzte von drei Sopranistinnen hatte sie sich die Arie "Je dis que rien ne m'épouvante" der Micaëla aus Georges Bizets "Carmen" gewählt und konnte damit am meisten punkten: Wunderbar gehaltvoll gesungen mit nicht mehr ganz lyrischer, schon schöner, wunderbar gereifter Stimme, die ein kühles und doch sinnliches Timbre besitzt.

Valerie Eickhoff aus Deutschland verblüffte nach brillantem zweitem Durchgang mit schlankem, farbenreichen Mezzo sowie großartiger Natürlichkeit und Selbstverständlichkeit der Gestaltung: sowohl im Couplet des Stéphano aus Charles Gounods "Roméo et Juliette" wie auch mit der Arie des Sesto ("Deh, per questo istante solo") aus Mozarts "La clemenza di Tito".

Drei Frauen schaffen es ins Finale. Die Männer müssen passen

Die drei Frauen schafften es ins Finale, um das auch zwei Männer wetteiferten: Der in Moskau gebürtige, in Deutschland aufgewachsene Stefan Astakhov übte diesmal weniger Druck auf seine schöne, gehaltvolle Stimme aus und gestaltete die Sterbe-Szene des Posa aus Giuseppe Verdis "Don Carlos" authentisch. "Mein Sehnen, mein Wähnen" des Fritz aus Erich Wolfgang Korngolds "Die tote Stadt" hatte exquisit schillernde Farben ohne Nachdruck. Aber das war nicht genug für's Finale.

Jeongmeen Ahn aus Südkorea bewältigte die Arie des Argante aus Händels "Rinaldo" bewundernswert sicher und überraschte mit idiomatischem Russisch als Fürst Jeletzki in Tschaikowskys "Pique Dame", außerdem sang er das heikle Auftragswerk von Isabel Mundry auswendig und sehr ausdrucksvoll. Das sicherte ihm den Einzug ins Finale, wie auch Julia Grüter, die mit Händels "Rejoice greatly" und Michaëla nicht wirklich überzeugte, aber ein fulminantes Auftragswerk sang. Das Finale findet am Samstag, den 11. September, um 16 Uhr ebenfalls im Prinzregententheater statt.

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