Architektur Hochhaus-Recycling im Werksviertel

Die Kugel bleibt, das neue Hochhaus kommt: Charakteristisch für das Erscheinungsbild werden die gefalteten Fassadenteile an den Gebäudeecken sein. Simulation: Ochs Schmidhuber Architekten

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Das 62 Meter hohe Bürohaus mit der markanten orangefarbenen Kugel auf dem Dach wird komplett umgebaut.

Von Alfred Dürr, Berg am Laim

Es ist schon seit langem Bestandteil des Werksviertels und der Skyline im Münchner Osten: das 62 Meter hohe Bürohaus an der Rosenheimer Straße mit seiner weithin sichtbaren orangefarbenen Kugel auf dem Dach. Immerhin hat dieses Signet einen Durchmesser von 7,5 Metern und ist 13 Tonnen schwer. Die Kugel sollte symbolisieren, dass hier im Gebäude Firmen mit einem innovativen Anspruch arbeiten. Doch seit einigen Jahren steht dieses Hochhaus leer. Inzwischen sind nur noch seine skelettartigen Rohbaustrukturen in der Silhouette des Werksviertels zu erkennen. Denn mit dem Gebäude passiert etwas. Es wird vollständig recycelt, erhält moderne Innenräume und ein komplett neues Erscheinungsbild.

Die Immobiliengesellschaft Art-Invest Real Estate hat mit dem Bau des Büroensembles namens "Atlas" begonnen. In der griechischen Mythologie trägt der Titan Atlas die Himmelskugel - und die Kugel soll ja auch weiterhin auf dem Hochhaus zu sehen sein. Ansonsten wird man das Haus nicht wiedererkennen.

Neben dem Hochhaus mit seinen 14 Etagen entsteht ein sechsgeschossiges Basisgebäude. Dieses soll den Komplex zu einem "harmonischen Ensemble" formen. Zu den optischen Besonderheiten der Gestaltung, die von dem Münchner Büro OSA Ochs Schmidhuber Architekten stammt, zählt die Fassade. Auffällig ist die markante Eck-Ausprägung des Hochhauses mit einer prismenförmigen Faltung der Glasflächen. Dieses Stilelement sei neben der Kugel auf dem Dach ein "Wahrzeichen" des Gebäudes, sagt Architekt Fabian Ochs.

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Ferdinand Spies, Partner und Münchner Niederlassungsleiter von Art-Invest, verweist zusätzlich auf die große Dachterrasse im 14. Obergeschoss und die anderen sieben begrünten Flächen, die sich auf vier Etagen verteilen. Bis Ende des Jahres sollen die Tiefbauarbeiten abgeschlossen sein, Anfang 2017 soll der Hochbau starten. Die 23 000 Quadratmeter Bürofläche sollen dann Ende 2018 bezugsfertig sein.

Art-Invest entwickelt Projekte in verschiedenen Metropolregionen Deutschlands. In letzter Zeit ist für das Unternehmen der Münchner Markt besonders attraktiv geworden. Beispielsweise entstand im Arnulfpark das Bürohaus Nove, am Stiglmaierplatz wird das sogenannte Wüstenrot-Haus zu einem Hotel umgebaut. Eröffnung soll Ende des Jahres sein. Und für das ehemalige Tremmler-Areal an der Berg-am-Laim-Straße gibt es auch schon die Pläne für eine Umstrukturierung und Neubebauung.

Obwohl es für Investoren und Architekten meist eine schwierige finanzielle und gestalterische Aufgabe ist - mit dem Recycling des Atlas-Hochhauses will Spies durch die "nachhaltige Bauweise" und durch die Auseinandersetzung mit dem Bestand auch ein Zeichen setzen. Abriss und Neubau verbraucht auch viel Energie, deswegen sei der Umbau mit dem Einsatz von umweltschonenden Materialien eine wichtige Option. "Atlas" ist als ein sogenanntes Green Building konzipiert.

Stefan Bauer vom Immobiliendienstleister BNP Paribas Real Estate ist überzeugt, dass der neue Büroturm Mieter finden wird. Die Nachfrage nach attraktiven Büroflächen sei unvermindert hoch. "Der Wettbewerb um gute Flächen dynamisiert sich immer mehr", sagt er. Speziell das Werksviertel mit seinen Angeboten in den Bereichen Freizeit, Wohnen und Kultur werde für die Immobilienwirtschaft immer interessanter. Zumal jetzt auch noch die Planungen für den neuen Konzertsaal laufen.

Nicht nur dieses Konzerthaus prägt das Werksviertel. Herausragende Architektur findet man etwa auch bei der "Medienbrücke" oder beim neuen Komplex "Werk 3" und bei anderen Neubauten. Gerade die Hochhäuser setzen Zeichen. Jetzt kommt Atlas, gleich daneben wird am Hochhaus "Highrise One" gebaut. Das Quartier hinter dem Ostbahnhof nimmt Gestalt an.

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