Altstadt/Lehel Vergessenes Denkmal

Vom Denkmal, das diese historische Aufnahme zeigt, ist nur noch die Bronzebüste erhalten. Diese soll wieder auf die Schwindinsel kommen.

(Foto: Bayerische Staatsbibliothek)

Die Schwindinsel, benannt nach dem Zeichner und Maler Moritz von Schwind, soll wieder aufgewertet werden. Auch die Bronze-Büste des Künstlers soll zurückkehren - noch steht sie im Pausenhof der Schwindschule

Von Alfred Dürr, Altstadt/Lehel

Wenn Heinz Lukas-Kindermann, 78, von seiner Wohnung an der Widenmayerstraße aus über die Isar hinweg auf das Maximilianeum blickt, tut er das mit gemischten Gefühlen. "Da erhebt sich der prächtige Bau des Landtags, aber die an sich schöne Flusslandschaft davor ist heruntergekommen", sagt der Regisseur, der an zahlreichen Opernhäusern im deutschsprachigen Raum inszeniert hat. Unkraut sprießt auf der Schwindinsel in der Isar, die Wege sind verschmutzt, "der Gesamteindruck ist traurig". Lukas-Kindermann will etwas dagegen unternehmen und die Schwindinsel mit einem Denkmal aufwerten.

Schwindinsel? Nicht jedem ist geläufig, nach wem der nördliche, spitz zulaufende Teil der Praterinsel, den man von der Maximiliansbrücke aus erreicht, benannt ist. Der Maler und Zeichner Moritz von Schwind, 1804 geboren und dann in Wien aufgewachsen, gilt neben Carl Spitzweg als der bedeutendste Vertreter der Spätromantik. Er schuf Ölgemälde und auch Fresken sowie Buchillustrationen. Mit München war Schwind immer eng verbunden. Ludwig I. berief ihn 1847 an die Akademie der Künste. 1871 starb Schwind in Unterpöcking am Starnberger See. Begraben ist er auf dem Alten Südlichen Friedhof.

Weitgehend vergessen ist, dass seit 1893 auf der nördlichen Praterinsel in einem kleinen Park das mehr als vier Meter hohe Schwind-Denkmal stand. Die Bronzebüste stammt von dem bedeutenden Dresdner Bildhauer Ernst Julius Hähnel.

Im Zweiten Weltkrieg wurde die Denkmalanlage zerstört. Nur die Bronzebüste konnte gerettet werden. Seit 1974 steht sie auf einer hohen Granitsäule im Pausenhof der Grundschule an der Schwindstraße in der Maxvorstadt. Mauern umgeben das Areal, die Öffentlichkeit hat keinen Zutritt.

Vor zwei Jahren hat Heinz Lukas-Kindermann das Österreichisch-Bayerische Forum gegründet, "um in Vergessenheit geratene Künstler und deren Werke wieder zu entdecken", wie er sagt. Das erste Projekt gilt dabei Moritz von Schwind. Seine Büste soll wieder auf der Schwindinsel aufgestellt werden. "Wünschenswert wäre es, wenn man die heruntergekommene Insel wieder in ihren ursprünglichen Zustand versetzen könnte", sagt Lukas-Kindermann. Wegnehmen will er der Schwindschule ihr Denkmal allerdings nicht. Von der Büste könne man einen Abdruck formen, schlägt er vor.

In Schwinds Geburtsstadt Wien bekam der Künstler ebenfalls ein beeindruckendes Denkmal vor dem Kunsthistorischen Museum. Auch dort wurde es im Krieg von Bomben zerstört, erhalten blieb ebenfalls nur der Marmorkopf. Dieser lagert derzeit in einer Holzkiste im Depot der Österreichischen Galerie Belvedere.

1864 hatte Schwind den Auftrag bekommen, für die neu erbaute Hofoper Szenen der Zauberflöte und anderer Opern für das Foyer zu entwerfen. Auf den Schöpfer dieser einzigartigen Fresken fänden sich aber keinerlei Hinweise. Auch hier kämpfen Lukas-Kindermann und seine Mitstreiter gegen das Vergessen. Das Werk Schwinds sei gemeinsames, kunsthistorisch bedeutsames kulturelles Erbe Österreichs und Bayerns, betont Lukas-Kindermann.

Im Bezirksausschuss (BA) Altstadt-Lehel stellte er jetzt sein Projekt für die Schwindinsel vor und traf dabei auf offene Ohren bei den Lokalpolitikern. Eine Verschönerung des Ortes, den Lukas-Kindermann als "leer und wüst" bezeichnete, zu einer "Kulturinsel", könnte Teil des umfassenden Programms zur nicht-kommerziellen Aufwertung der innerstädtischen Isarlandschaft werden, sagte Wolfgang Püschel (SPD).

Der BA unterstützt die Initiative für das Schwind-Denkmal. Kontakte mit den zuständigen Stellen in der Stadtverwaltung sollen hergestellt werden. Klären will man außerdem, wie ein Abguss der Bronzebüste und die Aufstellung der Säule auf der Insel finanziert werden können.