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Altstadt/Schwanthalerhöhe:Zeichen der Heilung

"Der gesprengte Ring" Kunstwerk von Anna und Andreas Eichlinger, in der Münchner Frauenkirche, Fotocredt: Anna und Andreas Eichlinger (honorarfrei bei Namensnennung); in der Münchner Frauenkirche

Vom Münchner Dom aus beginnt das Kunstwerk nun seinen Weg als mobiles Mahnmal.

(Foto: Anna und Andreas Eichlinger/oh)

Skulptur "Der gesprengte Ring" erinnert an Opfer rechten Terrors

Der Ring ist aufgesprengt. Ein Drittel des Kreises aus großen Holzscheiten liegt, aus dem Verbund geschleudert, in Einzelteilen ringsum verstreut. Sie sind schwarz verbrannt wie die Bruchstelle auch. Auf den Stufen zum Altar der Münchner Frauenkirche liegt dieses Kunstwerk wie ein verwundetes Zeichen. Das Künstlerehepaar Anna und Andreas Eichlinger hat es geschaffen, um an den größten Terroranschlag in der Geschichte der Bundesrepublik zu erinnern: das Oktoberfest-Attentat vom 26. September 1980.

Ein Jahr lang soll der wunde Kreis mit einem Durchmesser von drei Metern nun durch Deutschland reisen und dabei auch an die vielen anderen Attentate erinnern, die in dieser Republik verübt wurden. "Die weggesprengten Stücke des Rings können in einer gemeinsamen Aktion wieder zum Kreis zusammengefügt werden", sagt Anna Eichlinger, "und sollen damit als Zeichen gegen Zerstörung und für Heilung stehen". Beauftragt wurden die Goldschmiedin und ihr Mann Andreas, Architekt, von der Initiative der Interkulturellen Woche mit Sitz in Frankfurt, dem ökumenischen Zusammenschluss von Deutscher Bischofskonferenz, Evangelischer Kirche in Deutschland und der Griechisch-Orthodoxen Metropolie. Zum Auftakt der jährlich stattfindenden Veranstaltung der Interkulturellen Woche wurde "Der gesprengte Ring" im Dom Ende September erstmals gelegt.

Entstanden ist die Skulptur im kroatischen Ferienhaus des Paares, das im Westend lebt und prägender Teil der dortigen Kunstszene ist. "Wir haben alte Bauholzbretter mit Spuren, also einer eigenen Geschichte, verwendet und sie auf unterschiedliche Länge gesägt", sagt Anna Eichlinger. "Man kann es so geöffnet hinlegen, dass man denkt, ein Teil wurde weggesprengt und zerstört und trotzdem kann man mit den Verletzungen weiterleben."

Am Dienstag, 13. Oktober, zieht das Kunstwerk in die Auferstehungskirche im Münchner Westend, Gollierstraße 55, wo es bis Ende Oktober, täglich von 10 bis 19 Uhr zu sehen sein wird. Pfarrer Bernd Berger wird sich am Sonntag darauf, 18. Oktober, 10 Uhr, im Gottesdienst mit dem Werk auseinandersetzen. In dem Kirchenraum also, in dem derzeit noch eines Attentatopfers aus dem Westend gedacht wird: "Ich bin: Theodoros Boulgarides" heißt die Installation von Wolfgang Gebhard und erinnert an den Mann, der vor 15 Jahren in seinem Laden an der Trappentreustraße von den Terroristen des Nationalsozialistischen Untergrunds (NSU) ermordet wurde. Nächste Station, auf der "Der gesprengte Ring" Halt machen wird, soll die orthodoxe Allerheiligenkirche am Nordfriedhof sein.

© SZ vom 10.10.2020 / Ands

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