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Alternative Pendelmöglichkeit:Die Schweiz macht's vor: Ab in den Fluss und nach Hause treiben lassen

Paddler auf dem Isarkanal in München, 2016

In München lassen sich meist nur solche isarabwärts treiben, die Zeit haben und nicht in die Arbeit müssen. In Basel ist das anders.

(Foto: Robert Haas)

In Basel schwimmen selbst Anzugträger in die Arbeit oder von dort nach Hause. Eine Idee auch für München?

Kolumne von Karl Forster

Die nordschweizerische Stadt Basel hat ein paar Ähnlichkeiten mit München. Man pflegt auch dort eine gewisse Grundgelassenheit, die Straßenbahn beherrscht das Verkehrsbild (schon weil die Innenstadt hier total vom Autoverkehr befreit ist), sie ist aber grün und nicht blau und heißt "das Tram". Man sitzt viel im Freien hier, trinkt gerne Cappuccino, zahlt dafür allerdings oft das Dreifache.

Basel hat auch einen Fluss, der die Stadt teilt, und zwar in groß und klein: den Rhein. Mit diesem aber tut sich ein Unterschied auf, der unübersehbar ist. Denn in Basel wird, vor allem zur Sommerzeit, dieser Fluss zum wunderbaren, abgasfreien Teil des dortigen ÖPNV, also zum öffentlichen Personennahverkehrsmittel. Und dies dank des Wickelfisches.

Der Wickelfisch ist, ganz offenbar, eine Basler Erfindung, oder zumindest eine Weiterentwicklung des wasserdichten Radlerrucksacks. Er ist, anders als dieser, von leichtem Stoff, misst 58 Zentimeter und fasst 33 Liter Inhalt. Das sind in der Basler Anwendung dann: Anzug, Krawatte, Businesshemd, dito -schuhe, Geldbeutel oder was man sonst halt noch braucht zum Tagesgeschäft. Dies alles steckt der Basler in den wasserdichten Wickelfisch, zieht die Badehose an und wirft sich samt Fisch in den Fluss. Dort treibt er bis Höhe Arbeitsplatz, steigt ans Ufer, duscht kurz, trocknet sich ab, zieht die Klamotten an und geht ins Büro. Wohnt er flussabwärts, geht's nach dem Job eben dorthin.

Haben wir da in München mit unserer Flussrenaturierung was verpasst? Gut, die Isar war schon in der Antike als "rapidus", als "reißend" verrufen, wogegen der Basler "Rhenus pater" sich eher väterlich duldsam gibt. Und er hat dort auch keine Staustufen. Aber der Gedankte hat schon was Verlockendes: Am Flaucher mit dem Wickelfisch ins kühle Nass, beim Gasteig wieder raus, rein in die Klamotten und mit der S-Bahn zum SZ-Hochhaus. Als Stoiber noch Ministerpräsident war, hätte er es mit dem Wickelfisch supereasy von Wolfratshausen ins Maximilianeum geschafft und dabei genug Zeit gehabt, um über andere Kurzstrecken, etwa vom Hauptbahnhof zum Flughafen, mit wirklich kühlem Kopf nachzudenken.

In der Tat wurden schon erste Wickelfische an Münchens Gestade gesichtet. Und der Schwabinger Bach wäre ja für ein paar Probeläufe eigentlich ideal. Aber für die Isar ist der Weg zu einer öffentlichen Personennahverkehrsader leider noch weit. Wassertemperatur Rhein bei Basel: aktuell 22 Grad. Da kann die Isar nicht mithalten.

© SZ vom 22.06.2017/imei
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