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Allach/Untermenzing:Eine Frage des Verkehrs

Gewerbegebiet Kirschgelände, Allach-Untermenzing, von der Kirschstraße aus

Anstelle der Gewerbebauten sollen bis zu 1200 Wohnungen auf dem Kirschgelände entstehen. Bürger plädieren für eine Mischung aus beidem.

(Foto: Florian Peljak)

Auf dem Kirschgelände sind 1200 Wohnungen geplant, das Gewerbe soll weichen. Davon sind nicht alle begeistert

"Was ist schon ein Lkw gegen 30 Pkw?", fragt Rainer Friedl am Rande der Bezirksausschuss-Sitzung. Nicht nur die zu erwartende Verkehrssituation bei der kompletten Überbauung des Kirschgeländes mit bis zu 1200 Wohnungen hält der Untermenzinger Bürger für ungelöst. Keine gute Lösung für die zukünftige Entwicklung sieht er auch darin, zugunsten "lukrativen Wohnungsbaus" Kleinunternehmen und Handwerksbetriebe komplett aus dem bisherigen Gewerbegebiet zu verdrängen.

Dies stehe entgegen der viel propagierten Münchner Mischung eines Nebeneinanders von Wohnen und Arbeiten, das die Stadt so lebenswert mache, hatte er zuvor in der Bürgersprechstunde des Gremiums moniert. Zumal die meisten Betriebe eh nur noch kleine Lkw und Lieferwagen hätten. Als Folge gingen lokale Arbeitsplätze und Handwerksbetriebe und damit auch kurze Wege verloren. Für das "Evers" habe man Jahrzehnte gebraucht, beim Kirschgelände werde alles "im Schweinsgalopp" durchgezogen, ohne die massive Umgestaltung groß mit den Bürgern zu thematisieren. Friedl forderte eine Diskussion, bevor der Stadtrat voraussichtlich im Herbst über den Eckdatenbeschluss für die Aufstellung des Bebauungsplans entscheidet, also Tatsachen schaffen werde. "Ansonsten verfehlen wir unsere beste Verhandlungsposition."

Im Bezirksausschuss fand Friedl lediglich in Victor Agerer (CSU) einen Fürsprecher. Die CSU-Stadträtin und BA-Vorsitzende Heike Kainz wies darauf hin, dass nach dem alten, derzeit noch gültigen Bebauungsplan Baurecht für doppelt so viel Gewerbe zulässig wäre. "Es ist ein Segen, dass wir den Schwerlastverkehr jetzt dort rauskriegen." Zudem sei es keine Entwicklung über Nacht, sondern es werde noch viele Planungsschritte mit der jeweiligen Beteiligung der Bürger geben, versicherte sie. Die Umwidmung sei seit beinahe 20 Jahren Thema. Stefanie Martin (CSU), Vorsitzende des Unterausschusses Planung und Bau, sagte, ihr Ziel sei, dieses "städtebauliche Chaos in den Griff zu kriegen". Sie sprach von zig Anwohnerbeschwerden wegen des Lkw-Verkehrs durch die kleinen Wohnsträßchen. Eine Mischung, wie von Friedl gefordert, sei äußerst schwierig zu regeln. "Und dann haben wir wieder Nutzungskonflikte." Für ihn wäre es "ein Graus", wenn das Baurecht für Gewerbe auf dem Kirschgelände völlig ausgeschöpft würde, sagte Grünen-Sprecher Falk Lamkewitz. Von daher seien "Wohnungen das kleinere Übel". Dieser Bebauungsplan sei "kein Wunschkonzert des Bezirksausschusses". Aber es gebe eben ein Eigentumsrecht. Und eine gewisse Bauhöhe sei notwendig, um mit "wertvollem Baugrund gut umzugehen".

Pascal Fuckerieder sagte, die SPD begrüße es immer, wenn bezahlbarer Wohnraum geschaffen werde, was zu einem gewissen Teil vorgesehen sei. Und die Bauhöhe von Erdgeschoss plus sechs Etagen sei auch nicht höher als ein dort schon stehendes Gebäude. Rainer Friedl konnte das nicht überzeugen: Für ihn klinge das alles "wie eine Schnellschussentscheidung - aus Sorge vor anderen Themen", erwiderte er. Ihm schweben weniger Wohnungen und dafür einige kleinere Gewerbehöfe entlang der Kirschstraße vor.

Zwar hatten die Lokalpolitiker bei der Vorstellung des Entwurfs für den Eckdatenbeschluss im Juli bereits massive verkehrliche Verbesserungen gefordert. Doch Victor Agerer bereitet er dennoch große Sorgen. Angeblich sollen 600 Lkw-Fahrten wegfallen, dafür aber 1500 Fahrten von Einwohnern hinzukommen, zählte er auf. Man habe Verkehr zu den Kitas, die Tunnel und Straßen würden nicht breiter, dazu komme ein zusätzlicher Bus auf der Eversbuschstraße. Bevor man so ein Baugebiet plane, sollte erst ein Verkehrskonzept aufgestellt werden. Auch Agerer besteht auf einer Mischung aus frei finanzierten und geförderten Wohnungen sowie Kleingewerbe, um Handwerkern die Möglichkeit zu geben, "bei uns zu bleiben". Kainz schlug Friedl schließlich vor, über die "verschiedenen Facetten" des Themas "in kleinerem Kreis" zu reden. Friedl nahm das Angebot an.