Festival:Klingender Missionseifer

Festival: Heimrad Prems "Marktweiberl" (1963) ist in der Ausstellung "Punkt, Linie, Fläche" im Schlossmuseum Murnau zu sehen. An diesem Sonntag ist dort das Festival Code Modern mit einem Konzert zu Gast.

Heimrad Prems "Marktweiberl" (1963) ist in der Ausstellung "Punkt, Linie, Fläche" im Schlossmuseum Murnau zu sehen. An diesem Sonntag ist dort das Festival Code Modern mit einem Konzert zu Gast.

(Foto: Archiv Schlossmuseum Murnau)

Die Initiative "Code Modern" bringt Neue Musik aufs Land. Im Fokus stehen Konzerte in Museen und Kirchen sowie Jugendarbeit.

Von Sabine Reithmaier, Murnau

Anfang Juli hat das Festival "Code Modern" seine "Mission" gestartet, Neue Musik aufs Land zu bringen. An diesem Sonntag (1.8.) setzt es diese selbst gestellte Aufgabe mit einem Konzert im Pfarrsaal von St. Nikolaus in Murnau fort. Das ist lobenswert, wenn auch der missionarische Eifer, den die Initiatoren zumindest in den Pressemitteilungen an den Tag legen, ein wenig übertrieben wirkt. Schließlich findet Neue Musik seit Jahren nicht nur in Groß-, sondern auch in Kleinstädten und manchmal sogar in Dörfern statt, als ein Beispiel sei nur das Echolot-Festival am Starnberger See genannt. Und dass es sich bewährt, mit Uraufführungen an Orte zu gehen, an denen zumindest das 20. Jahrhundert verwurzelt ist, nämlich in die Kunstmuseen, ist ebenfalls ein schon länger erprobter Ansatz. Trotzdem ist die Initiative natürlich sehr zu begrüßen, denn die Aktuelle Musik, der zu Unrecht immer noch das Image der Sperrigkeit anhaftet, kann jede Unterstützung brauchen.

Ein Festival als zweijähriges Pilotprojekt

Schirmherrin des Festivals ist die Geigerin Carolin Widmann, die musikalische Leitung hat der spanische Komponist und Dirigent Armando Merino übernommen, geschäftsführende Intendantin ist die Kulturmanagerin Birgit Chlupacek, die von 2016 bis 2018 die Pollinger Tage für Alte und Neue Musik verantwortete. Angelegt ist "Code Modern" als Pilotprojekt für zwei Jahre, beeindruckend ist die Fülle verschiedener Formate, die es anbietet.

Festival: Birgit Chlupacek ist die Intendantin des neuen Festivals Code Modern.

Birgit Chlupacek ist die Intendantin des neuen Festivals Code Modern.

(Foto: Marie Gryczka)

Neben den Dialog-Konzertreihen "FACE2face" in Museen und "Innere Stimme" in Kirchen gibt es die "Drehscheibe" mit einem künstlerischen Austausch dreier auf Gegenwartsmusik spezialisierter Ensembles: dem Collegium Novum aus Zürich, dem Ensemble Sillages aus Brest und dem "gelben Klang" aus München - 2020 hervorgegangen aus den Münchner Gruppen Zeitsprung und Blauer Reiter. Jede Formation lädt die zwei anderen im Wechsel in die eigene Heimat ein und lässt für sie ein Werk in Ensemble-Besetzung plus einem traditionellen Volksmusikinstrument schreiben. Für die deutsche Ausgabe hat Moritz Eggert "Counting Dances" für Cimbalom und Blechbläserquartett und KP Werani ein Werk für Bandoneon und Streichquintett komponiert. Unter dem spröden Motto "So klingt Europa heute" findet das Uraufführungskonzert im September an der Bayrischen Musikakademie Marktoberdorf statt, ein weiteres folgt im Schwere Reiter in München.

Ein anderer Schwerpunkt des Festivals liegt auf der Jugendarbeit. Das St.-Irmingard-Gymnasium in Garmisch-Partenkirchen ist gerade dabei, ein Musiktheaterstück zu entwickeln, die Aufführung ist für Dezember geplant. Ausgeschrieben hat das Festival aber auch einen Meisterkurs für Posaune, den der ehemalige ARD-Wettbewerb-Gewinner, der französische Posaunist Fabrice Millischer leiten wird.

Die Matinee dockt an die Ausstellung an

Doch zunächst geht es in Murnau um einen Dialog zwischen Bildender Kunst und Musik. Angedockt an die Ausstellung "Punkt, Linie, Fläche" im Schlossmuseum werden in der Matinee am Sonntag drei Uraufführungen geboten, geschrieben von Preisträgern des Wettbewerbs "Jugend komponiert Bayern". Maximilian Leichers "Krokodiljagd" für Streichquartett bezieht sich auf das gleichnamige Bild Gabriele Münters; Elisabeth Fußeders "trail" für Streichquartett nimmt Bezug auf zwei Werke von Arnulf Rainer und Aydin Pfeiffers Streichquartett Nr. 2 reagiert auf ein titelloses Bild von Helmut Sturm. Spielen wird "Der gelbe Klang". Das Konzert wird moderiert von der Kuratorin des Formats "FACE2face", der Musikwissenschaftlerin Shoshana Liessmann.

Letzte Station dieser Reihe ist übrigens am 17. Oktober das Museum Penzberg Sammlung Campendonk, während die "Innere Stimme" im November in der Schlehdorfer Pfarrkirche St. Tertullin gastiert. Geplant ist eine musikalische Andacht mit Werken von Klaus Huber und Konstantia Gourzi sowie Video-Raumkunst von Manuela Hartel.

Infos unter code-modern-festival.de

© SZ
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